Die kleine Prinzessin Sara (1985) – Als neu aufgelegte Gesamtbox ab 15. November auf DVD erhältlich!

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Das Studio Nippon Animation ist für viele Kinder der 1970er / 1980er ein fester Bestandteil der Zeichentrick-Kultur. Schon lange bevor der Begriff Anime bei uns populär wurde, versorgte das japanische Studio die ganze Welt mit kunterbunten Geschichten, die sich häufig auch mit Literaturklassikern beschäftigten. So auch „Die kleine Prinzessin Sara“, basierend auf dem Roman „Sara, die kleine Prinzessin“ von Frances Hodgson Burnett (1905). KSM Anime bringen eine Wiederveröffentlichung ihrer DVD Box, die alle Episoden der Serie enthält.

Originaltitel:  Shôkôjo Sêra

Regie: Fumio Kurogawa

Produktion: Nippon Animation

Deutsche Sprecher: Beate Tober, Florian Kiesel, Miriam Behpour, Natascha Rybakowski, Viola Sauer, Sonja Deutsch, Luise Lunow uvm.

Artikel von Victor Grytzka

Unser „Pressemann“, der Christian, war schon etwas verwundert. Da hab ich ihn doch tatsächlich um ein Rezensionsmuster der „kleinen Prinzessin“ gebeten. Und das nicht ohne Grund. Die Serien aus dem Hause Nippon Animation sind ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Und ich glaube, dass auch viele andere Menschen (ja, auch du Christian) die ein oder andere Serie des japanischen Studios mit Interesse verfolgt haben. Ob unter dem ursprünglichen Namen Zuyio Enterprises, oder eben später Nippon Animation, zeichnet sich dieses Studio für etliche weltbekannte Anime-Klassiker verantwortlich.  Wickie und die starken Männer, Heidi, Die Biene Maja, Pinocchio, Alice im Wunderland, Bumpety Boo… Die Liste nimmt kein Ende. Die kleine Prinzessin Sara ist dabei wohl eine der Serien, an die ich mich – neben Heidi und Alice im Wunderland – am liebsten zurück erinnere. Nach vielen Jahren konnte ich nun wieder einmal einen Blick darauf werfen und es war so, als wäre es erst Gestern gewesen dass ich die Serie zum ersten mal sah.

Im Zentrum der Geschichte steht das junge Mädchen Sara Crewe. Ihr Vater ist wohlhabender Minenbesitzer und arbeitet in Indien, ihre Mutter verstarb als Sara ein kleines Kind war. Um ihr eine gute Ausbildung zu ermöglichen, schickt er sie auf ein Internat in London. Zum Abschied kauft er ihr noch eine Puppe, Emily, mit der sich Sara fortan unterhält wenn sie Gesprächsbedarf hat. Zunächst sind weder Fräulein Minchin, strenge Leiterin des Internats, noch ihre Mitschüler von Sara begeistert. Allen voran Lavinia, die Tochter eines reichen Amerikaners und Vorzeigeschülerin des Internats. Arroganz wirft man Sara vor und belegt sie mit vielen Vorurteilen, da sie gewisse Vorzüge gegenüber den anderen Mädchen erhält. Doch schnell zeigt sich, dass sie ein herzensguter Mensch ist, und versucht jedem Menschen – ob arm, ob reich – den nötigen Respekt und sehr viel Wertschätzung entgegen zu bringen. So freundet sie sich schnell mit der Außenseiterin Ermengarde an, wird zu einer Ersatzmutter für die vierjährige Lotty und pflegt einen engen Kontakt zur Küchenmagd Becky, die von den anderen Schülerinnen aufgrund ihres ärmlichen Gesellschaftsstandes herumgeschubst wird.  Nach und nach bessern sich die Verhältnisse, wenn auch die Rivalität mit Lavinia bestehen bleibt, die einfach nicht akzeptieren will dass ihr jemand ihren Platz streitig macht. Schon bald muss Sara jedoch einige harte Schicksalsschläge hinnehmen, und ihr Leben dreht sich um 180 Grad. Doch sie gibt nicht auf und bleibt sich selbst treu. Denn es ist nicht wichtig was du bist, sondern wer du bist.

Es gibt Serien, die lassen den Zuschauer komplett „eintauchen“. So ging es mir von der ersten Sekunde an. Anime, oder Zeichentrick, wie man bei uns sagt, hat eben etwas zeitloses. Nicht nur sind Erinnerungen damit verknüpft, die uns in die unbeschwerten Kindertage zurückführen, es sind auch gute Geschichten die wir als Erwachsene vielleicht besser verstehen können, als es in jungen Jahren noch der Fall war. Die Geschichte um Sara behandelt ein Thema, das an Aktualität kein Stück verloren hat. Denn soziale Distanz zwischen „arm“ und „reich“, Vorurteile, Missgunst – all diese Dinge begegnen uns immer noch. Und wenn wir eine Lektion aus dieser Serie ziehen können, dann ist es die, dass ein gutes Herz jegliche sozialen Unterschiede irrelevant macht.

Sara steht für eine Unbeschwertheit und eine Offenheit, die – würde sie von den Menschen so gelebt werden – eine bessere Welt schaffen würde. Das Mädchen kommt ehrlich und lebensnah rüber. Und daher rührt auch die Faszination der Serie. Jung und alt werden sich in die Charaktere und Situationen hinein versetzen können, mitfiebern und in eine Welt abtauchen,die einen gefangen nimmt. Dabei ist die Geschichte einfach nur wunderbar erzählt, ohne dabei jemals auf der Stelle zu treten oder gar in Klischees zu verfallen. Der Fokus auf mehrere Charaktere und deren Lebensgeschichte sorgt dafür dass kein Aspekt unwichtig erscheint. So findet ein jeder seine Identifikationsfigur. Das Ganze wirkt wie „aus einem Guss“ und nicht so, als hätte man einfach ein paar Folgen aneinander gereiht. Dies war schon ein herausragender Bestandteil der wohl bekanntesten Serie des Studios – Heidi. Auch wenn ich keinen direkten Vergleich zwischen den beiden Anime ziehen möchte, so kann ich dennoch sagen dass jeder der Heidi mochte, auch die kleine Prinzessin Sara in sein Herz schließen wird.

Neben der fabelhaft erzählten Geschichte gesellt sich der unverkennbare Animationsstil des Studios. Die Persönlichkeiten haben einen Look der zwar an Animefiguren erinnert, sie sind dabei jedoch nicht so abstrakt wie in manch anderen Genrevertetern. Ein gewisser Realismus schwingt im Stil mit, nicht unerheblich für eine überzeugende Darstellung des – im Grunde – ernsten Themas der Serie. Die deutsche Synchronisation – 1992 / 1993 entstanden – geizt nicht mit bekannten Stimmen und ist eine sprecherische Leistung, die durchaus gewürdigt werden muss. Alle Sprecher wurden mit bedacht gewählt, und hauchen den Protagonisten auf überzeugende weise Leben, sowie eine eigene Persönlichkeit ein. Untermalt wird das Geschehen von einem toll orchestrierten Soundtrack aus der Feder von Yasuo Higuchi.

Die 46 Episoden verteilen sich auf 4 DVDs und liegen im Bildformat 4:3 vor. Abgesehen von ein paar altersbedingten Unzulänglichkeiten (Staubflecken und Kratzer auf der Vorlage) kann man die Qualität als sehr gut bezeichnen. Die Farben sind gefällig, es gibt keine Nachzieheffekte, keine Klötzchenbildung oder Ähnliches. Der Ton liegt in DD 2.0 vor, ist klar und kräftig und kommt ohne Rauschen oder Störungen daher. Als Bonus gibt es ein paar Informationen über die Macher der Serie.

Wer die Box noch nicht sein Eigen nennt, der darf hier gerne zugreifen. Für einen fairen Preis bekommt man hier einen wahren Klassiker des Zeichentricks. Die Qualität stimmt – etwas anderes habe ich bei KSM allerdings auch nicht erwartet.

Trailer / Intro:

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