Leichen muss man feiern, wie sie fallen (1979) – Ab sofort auf DVD und Blu-ray ungekürzt im Handel erhältlich

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Hoppla, so was gibt´s auch? Ist das etwa eine romantische angehauchte Giallo-Komödie mit Herz? Und dann noch mit außergewöhnlich guter Besetzung vom Genre-Meister des Italo-Westerns Sergio Corbucci. Donau Film hat tief in der Schatulle des Außergewöhnlichen gegriffen und diesen Film veröffentlicht, den kaum einer kennen dürfte. Als Freund italienischer Umtriebe begrüße ich das wohlwollend. Ob meine Freude über diese Veröffentlichung bestätigt wird, zeigt sich gleich.

Originaltitel: Giallo napoletano

Regie: Sergio Corbucci

Darsteller: Marcello Mastroianni, Ornella Muti, Michel Piccoli, Zeudi Araya

Artikel von Kai Kinnert

Die DVD ist auf der Folie mit einem FSK 18 Siegel versehen. Was kann heute bei so einem alten Film von 1979 heute noch FSK 18 sein? Aha. Entfernt man die Folie und zieht die DVD Hülle aus dem Schuber, ist der Streifen plötzlich FSK 12. Da es bis auf eine Bildergalerie keine Extras auf der DVD gibt, bleibt die unterschiedliche Bewertung der DVD ein Rätsel. Mit der Freigabe ab 12 Jahren ist der Streifen schon korrekt eingestuft worden.

Der abgebrannte Mandolinenspieler Capece (Marcello Mastroianni) nimmt einen geheimnisvollen Auftrag an. Er soll um fünf Uhr morgens vor einem bestimmten Haus eine Serenade spielen. Während er also brav die Saiten zupft, fallen Schüsse und ein Mann stürzt tot aus dem obersten Stockwerk vor Capeces Füße. Zwar kann Capece Kommissar Voghero (Zeudi Araya) davon überzeugen, dass er nicht der Täter ist, doch fortan gibt es immer, wenn er die Melodie spielt, eine weitere Leiche. Der Neffe des ersten Opfers, der Dirigent Navarro (Michel Piccoli) beauftragt Capece die Morde aufzuklären…

LEICHEN MUSS MAN FEIERN WIE SIE FALLEN ist eine lockere und eher turbulente Krimi-Komödie, die trotz seiner rätselhaften Morde zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Jugend darstellt. Der etwas glücklose Mandolinen-Spieler Capece wird schnell in eine rätselhafte Mordgeschichte um Ornela Muti und Michel Piccoli verwickelt, durch die er sich tapfer schlägt und die am Ende noch einen durchaus gelungenen Twist aufweist. Wer also ein Faible für launige Krimis aus den 70ern mit viel Dialog hat, wird hier bestens bedient, denn gequatscht wird von Anfang bis Ende.

Doch erstaunlich an diesem Film ist, dass das mit dem Gequatschte nicht nach hinten losgeht. Das liegt in erster Linie an den wirklich guten Schauspielern, die sich da Sergio Corbucci vor die Kamera geholt hat. Der Streifen ist ein echtes italienisches A-Movie und bis in die Nebenrollen gut besetzt und gespielt. Natürlich gibt es die typischen Spitzen der 70er, aber Marcello Mastroianni als Stehgeiger Capece liefert feines Schauspiel mit einem stetigem Anflug von Witz und Verlorenheit, das es dem Filmfreund Spaß macht, den Verwicklungen des Films beizuwohnen. Ebenbürtig flankiert wird Mastroianni durch eine schöne Ornela Muti und einem souveränen Michel Piccoli.

Außerdem ist der Streifen gut gefilmt. Die Kamera von Luigi Kuveiller findet schöne Bilder in einem gut gewähltem und ausgestattetem Setting. Ich bin ganz überrascht von Sergio Corbucci, der diesen Genre untypischen Streifen nicht einfach nur runter hämmerte, sondern ihn flott und sorgfältig inszenierte.

Natürlich muss man Filme dieses Genre und aus dieser Zeit mögen, um hier seine Freude daran zu finden. Doch definitiv gehört LEICHEN MUSS MAN FEIERN WIE SIE FALLEN zu den soliden und gar nicht schlampig gemachten Streifen seiner Art. Trotz der Laufzeit von 112 Minuten verzappelt sich die Story nicht in Unnötigkeiten und treibt die Hauptfigur immer Tiefer in eine Erpressung, die bis in den 2. Weltkrieg hinein reicht. So mancher Dialog ist auch heute noch witzig und ein paar kleinere Actionmomente werden auch noch eingestreut. Corbucci zügelt seinen Film über weite Strecken und legt ihn ganz in die Hände von Mastroianni, was den Film bis heute sehenswert und erträglich macht. LEICHEN MUSS MAN FEIERN WIE SIE FALLEN ist eine positive Überraschung im Genre des harmlosen Krimi-Spaßes, der trotz seiner 70er Patina zurecht eine gut restaurierte Veröffentlichung erfahren hat.

Als Extras gibt es eine Bildergalerie. Der Film ist uncut und in den ehemals fehlenden Szenen deutsch Untertitelt. Die Cuts dienten nur zur Straffung der Handlung. Das Bild ist sauber und farblich in einem schönen, analogen Look. Auch der Ton ist gut. Der Streifen wurde bestens restauriert.

Trailer:

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