Look Away (2018) – Ab 22. Februar 2019 auf DVD und Blu-ray / Digital bereits erhältlich

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer präsentiert den gruseligsten Februartitel im ganzen Land? Die Antwort lautet Splendid Film, denn deren neueste Veröffentlichung LOOK AWAY, die zwar mehr Psychothriller als Horrorfilm ist, wartet mit einer durchweg gelungenen, düsteren Atmosphäre und einer wirklich tollen Hauptdarstellerin auf. Ein kleiner Geheimtipp. Aber lest selbst.

Drehbuch und Regie: Assaf Bernstein

Darsteller: India Eisley, Jason Isaacs, Mira Sorvino, Penelope Mitchell, John C. MacDonald

Artikel von Christian Jürs

Die Teenagerjahre können für so manchen schüchternen Menschen grausam sein. Maria (India Eisley), eine Tochter aus gutem Hause, fällt genau in diese Kategorie. Die stille, graue Maus leidet an den Mitschülern ihrer Highschool, die, angeführt von Kotzbrocken Mark (John C. MacDonald), dem Mädchen seelisch und körperlich zusetzen. Da Maria offensichtlich hoffnungslos in Schulschönling Sean (Harrison Gilbertson) verknallt ist, was sie ihm natürlich nicht gestehen kann, gerät ein Keil zwischen das Mädchen und ihrer besten Freundin Lily (Penelope Mitchell), die mit Sean liiert ist.

Doch auch daheim läuft es alles andere als rund. Dan (Jason Isaacs), das Familienoberhaupt, regiert die Familie mit strenger Hand. Das Interesse des erfolgreichen Schönheitschirurgen an seiner Tochter besteht nur auf optischer Ebene, auf der das blasse Mädchen ihren nach Perfektion suchenden Vater auf ganzer Linie enttäuscht. Ehefrau Amy (Mira Sorvino) versucht sich zwar als verständnisvolle Ehefrau und Mutter, kann aber nicht zu ihrer Tochter durchdringen. Wohl auch, weil Dan sie immer wieder wie einen Hund zurück pfeift. Wie kaputt diese Ehe wirklich ist, erfährt man erst viel später.

Eines Tages, als Marie sich im Halbdunkel selbst vor dem Badezimmerspiegel verwöhnt, beginnt ihr Ebenbild ein Eigenleben zu entwickeln. Nach kurzer Zeit stellt sich dieses Wesen als ihr Zwilling Airam heraus, die eine wesentlich kühlere und selbstbewusstere Aura ausstrahlt. Sie bietet Maria an, die Plätze zu tauschen, um alle Sorgen aus dem Weg zu schaffen. Zunächst lehnt Maria ab, doch als der Besuch des Schulabschlussballs zum Fiasko wird, knickt Maria ein. Airam erwacht in ihr und reißt die Dinge an sich. Zunächst ein äußerst positiver Effekt, doch dann greift das Mädchen zur Gewalt…

Eingangs werden dem Zuschauer Ultraschallbilder eines mit Zwillingen schwangeren Mutterbauchs präsentiert, aus dem eines der Babys plötzlich verschwindet. Eines der gelegentlich eingestreuten Horrorelemente, die eine genauere Kategorisierung der Genrezugehörigkeit erschweren. Denn ob nun Maria einfach durchgeknallt ist oder einen bösen Zwilling in sich birgt, bleibt weitestgehend Interpretationssache. Es gibt zwar eine angedeutete Tendenz, doch die muss jeder selbst für sich erkunden. Und das lohnt sich. Denn auch, wenn LOOK AWAY inhaltlich nicht unbedingt überraschen mag (man ahnt schon, wohin die Reise führt), so sind es die stilsichere und atmosphärische Inszenierung, die zusammen mit dem großartigen Cast den Film weit über Genredurchschnitt hieven. Hinzu kommt ein stimmiges Schlussbild, mit dem der Zuschauer aus der Geschichte entlassen wird.

Allen voran überzeugt India Eisley, die in ihrer Hauptrolle unfassbar glaubwürdig zwischen der schüchtern verängstigten Unschuld und der Killerlolita hin und her switchen kann. Hinzu kommt, dass die Mittzwanzigerin unglaublich jung aussieht, was die hier und da eingestreuten Nacktszenen sehr verstörend wirken lässt. Ein weiterer Stützpfeiler in der Besetzung ist eindeutig James Isaacs, dessen markantes Gesicht es schafft, seinen schmierig gespielten Familienvater mehr zu hassen als die Darstellung des Lucios Malfoy im HARRY POTTER Universum. Und trotzdem darf er einem auch noch an entscheidender Stelle leid tun. Einzig Mira Sorvino bleibt ein wenig blasser in der Rolle der unterdrückten Mutter, was aber der Figur die verzweifelt versucht allen alles recht zu machen geschuldet ist. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Regisseur und Drehbuchautor Assaf Bernstein ist das Kunststück gelungen, eine nur bedingt originelle Geschichte optisch und inszenatorisch so gekonnt zu dirigieren, dass ich Freunden düsterer Teenagergeschichten hier wärmstens eine Empfehlung aussprechen kann. Ein toller Thriller, der seinen düsteren Grundton den Film hinweg halten kann.

Bild und Tonqualität sind natürlich hervorragend. Auf Scheibe bekommt man im Bonusbereich aber leider nur den Trailer und ein paar weitere Werbetrailer. Da wäre mehr drin gewesen. Dafür bleibt dann aber mehr Zeit, dass eigene Spiegelbild zu beobachten. Vielleicht entwickelt es ja auch ein Eigenleben.

Trailer:

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