Hörspiel Special – H.G. Francis‘ Gruselserie – 17 – Die Insel der Zombies (1982)

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Mein letzter Artikel für die klassische Gruselserie, bevor Christian mit Folge 18 den Abschluss bildet, ist zugleich eine der gruseligsten Folgen. Eine Plantage in der Karibik hört sich zunächst wie das Paradies auf Erden an. Wenn allerdings Untote das Insel-Feeling stören, dann ist es vorbei mit dem Frieden. Bühne frei für eine atmosphärisch dichte Episode der Gruselserie. Guantanamera… dadam….

Cover der 1982er / 2000er Auflage (MC bzw. CD)

Regie: Heikedine Körting

Buch: H.G. Francis

Sprecher: Judy Winter, Uwe Friedrichsen, Marianne Bernhardt, Renate Schubert, Wolf Rahtjen, Pea Werfel, Joachim Wolff, Peter Lakenmacher, Horst Stark, Günther Ungeheuer

Klappentext:

Die Insel in der Karibik steht unter einem geheimnisvollen Bann. Tote erheben sich aus ihren Gräbern und mischen sich unter die Lebenden. Clarissa Deighton, eine junge Frau aus New York, besucht die Plantage, die ihr Vater ihr hinterlassen hat. Sie betritt eine Welt voller düsterer Gefahren, eine Welt, in der die Toten zu herrschen scheinen …

Artikel von Victor Grytzka

Die Insel der Zombies habe ich damals nicht im Kindesalter gehört, sondern erst im Zuge der Neuauflage im Jahre 2000. Als 15/16-jähriger, der zu diesem Zeitpunkt schon die Welt des Splatterkinos für sich entdeckt hatte dachte ich, dass mich ein Hörspiel aus der Gruselserie wohl kaum zum Schlottern bringen könnte. Weit gefehlt! Da saß ich nun vor meiner Stereoanlage, die Kopfhörer über die Ohrmuscheln gezogen, und harrte der Dinge, die da kommen mochten…

Judy Winter

Clarissa Deighton (Judy Winter) steuert mit ihrer Freundin und Bediensteten Sandra (Marianne Bernhardt) und dem Reisenden Jonas Pray (Uwe Friedrichsen) eine Insel in der Karibik an. Ihr Ziel – die geerbte Plantage von Clarissas verstorbenem Vater. Noch vor ihrer Ankunft finden sie am Ufer einen Zombie, der von einer Brücke in den Fluss gestürzt ist. Endlich bei der Plantage angekommen, läuft ihnen die alte Batuu (Renate Schubert) über den Weg, die zunächst wie eine harmlose Bettlerin scheint, laut Aussagen des Hausverwalters Joseph Machon (Wolf Rahtjen) allerdings mit den dunklen Mächten und Voodoo-Ritualen in Verbindung steht. Clarissa merkt schnell dass sie auf der Insel unerwünscht ist. Unheimliche Ereignisse gehen vor sich – als ein Mädchen von einem Zombie gebissen wird, der Hausdiener auf mysteriöse Weise stirbt und die leben Toten ihren Gräbern entsteigen, bricht der wahre Horror los. Wer steckt hinter der ganzen Sache? Womöglich Machon? Oder ist es doch Morton Collins (Peter Lakenmacher), der auch der „Herr der Insel“ genannt wird? Eine Sache ist jedoch sofort klar! Die seltsamen Trommeln in der Nacht, durchbohrte Kreuze, Voodoo-Puppen… All dies gehört zu einem gefährlichen Ritual, das die Toten wieder aufstehen lässt.

Düster, trostlos und bösartig. Diese Begriffe umschreiben wohl am Besten die Atmosphäre, die H.G. Francis und Heikedine Körting mit dieser Geschichte geschaffen haben. Während in vielen anderen Folgen der Reihe immer ein humoristischer und / oder trashiger Unterton zu bemerken war, so ist davon hier kein Stück zu finden. Schnell wird klar – hier handelt es sich nicht einfach um eine Gruselgeschichte. Die Insel der Zombies ist knallharter und düsterer Horror. Diese Grundstimmung hat man augenscheinlich nicht aus der Luft gegriffen. Eine große Inspirationsquelle dürften die Zombiefilme jeder Zeit gewesen sein, die an den Kinokassen einen ordentlichen Umsatz generierten. Insbesondere Parallelen zum Meisterwerk „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ von Italo-Ikone Lucio Fulci kann man hier entdecken. Denn das Setting (Frau reist mit Begleitung auf eine karibische Insel die von Untoten bevölkert wird) erinnert sehr stark an den Kultfilm aus dem Jahre 1979. Da man im Rahmen der Gruselserie natürlich kein Splatterfest veranstalten konnte, wurden hier zudem noch klassische Elemente des Zombie-Horror eingeflochten, so dass der Voodoo-Kult und dessen Rituale eine ebenso tragende Rolle spielen wie die Untoten selbst, die hier immerhin in einer Szene (wenn auch im Off) beherzt zubeißen dürfen.

Uwe Friedrichsen

Diese dunkle Seite der Gruselserie zieht sich auch durch die Charaktere. Hier tanzt keiner aus der Reihe, reißt flapsige Bemerkungen oder neigt zu einem Scherz. Die deutlich spürbare Bedrohung springt auf die Protagonisten über, so dass diese Menschen in ständiger Anspannung und Angst agieren. Selbst Clarissa, die am Anfang der Geschichte noch die starke Frau ist, die von all den Geschehnissen recht unbeeindruckt scheint, wandelt sich spätestens in der zweiten Hälfte zu einer Person, die mit absoluter Vorsicht handelt.

Interessant ist dabei auch die Entwicklung der Ereignisse. Lange lässt man den Hörer etwas im Dunkeln tapsen, und legt auf dem Weg zur Auflösung eine Menge falscher Fährten, die aber allesamt schlüssig erklärt werden. Gewürzt wird der Ablauf mit Untoten, Ritualen und merkwürdigen Inselbewohnern. Etliche Spannungsbögen und auch Action sind garantiert. Dies mündet in einem Finale, das so abgrundtief traurig und böse zugleich ist, dass man Francis ein ausgeprägtes Gespür für dramaturgische Kniffe attestieren muss.

Auch dem Produktionsteam sei hier gedankt. Stürmische Nächte, Trommeln in der Ferne, raschelnde Palmen, das Schlurfen der Untoten… Soundkulisse 1A! Wem da kein Schauer über den Rücken läuft, der muss ein ziemlich abgebrühter Hund sein. Die Sprecher! Jetzt hätte ich doch beinahe die tollen Sprecher vergessen! Judy Winter, die man durchaus als „Grande Dame“ der Film und Theaterlandschaft bezeichnen darf, Uwe Friedrichsen – ein echter Hamburger Jung‘ und nicht minder ein Urgestein in Schauspiel- und Synchronarbeit, Marianne Bernhardt, Markante Stimme aus Film und Reklame, Wolf Rahtjen, Pea Werfel – und, und, und… Was soll man da groß sagen? Wenn du willst, dass etwas professionell klingt, dann engagiere Profis. Und das ist hier auf ganzer Linie gelungen!

Marianne Bernhardt

Damals wie Heute – Die Insel der Zombies ist für mich die gruseligste Folge der Europa-Serie. Ja, ich bin nun 34 Jahre alt, ich habe diese Episode mindestens schon 50 mal gehört, und trotzdem – immer wieder schüttelt es mich, wenn ich Clarissa Deighton auf die karibische Insel begleite. Gibt es ein perfektes Hörspiel? Sicherlich nicht, aber wenn man ein Werk auswählen müsste, welches diesen Titel verdient hätte – Die Insel der Zombies wäre verdammt nah dran.

Somit schließe ich für meinen Teil das Kapitel „Neon-Grusel“, und lasse Kollege Jürs das Serien-Finale. Wieder einmal war es eine schöne Reise für mich, und ich werde immer Fan der Gruselklassiker aus dem Hause Europa sein. Und nun? War es das jetzt? Aber nein! Wir lesen uns wieder, exakt an dieser Stelle. Zur neuen Gruselserie und einem gar gräuslichen Polterabend – in Kürze hier auf unserer Seite! Auf bald…!

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