The Fortress (2017) – Ab 27. Juni 2019 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich

Im tiefsten Winter, 1636, zieht sich König Injo im koreanische Gebirge in eine Festung zurück, um so nicht den Barbaren der Qing Dynastie in die Hände zu fallen. Die Belagerung dauerte 47 Tage und wurde von zahlreichen Verlusten geprägt. Was hier nach einem weiteren trickreichen und schrillen südkoreanischen Historien-Debakel klingt, entpuppt sich als gekonnte und stilsichere Inszenierung damaliger Ereignisse, die Koch Films uns diesen Sommer im Heimkino präsentiert.

Originaltitel: Namhansanseong

Regie: Dong-hyuk Hwang

Darsteller: Byung-Hun Lee, Yoon-Seok Kim, Hae-il Park, Soo Go, Hee-soon Park, Woo-jin Lo

Artikel von Kai Kinnert

Zugegeben, die südkoreanischen Historienfilme gehören nicht zu meinen Favoriten. Das Setting gefällt mir meist nicht, die Action ist wie immer und auch sonst wimmelt es da vor seltsamen Hüten und angeklebten Bärten. Bis auf wenige Ausnahmen hat mich das Genre des asiatischen Historien- und Fantasyfilms nur selten erreicht.

Aber die Hoffnung stirbt zu Letzt und so wird der Zuschauer auch gleich freundlich von den Schauspielern und dem Regisseur empfangen. Die Jungs sitzen auf Stühlen, stellen sich brav vor und hoffen, das mir der Film gefällt. Na, das ist doch mal nett und noch mehr freue ich mich darüber, dass mit CJ Entertainment eine der besseren Produktionsfirmen Südkoreas an diesem Streifen beteiligt ist, was meist ein gutes Zeichen ist. Überraschend optimistisch blicke ich also auf die ersten Sekunden des Films, gleich nachdem mir die Grafik einer Karte kurz die Lage erklärte und schon steht der Außenminister von König Injo im Schneegestöber alleine vor dem Heer Barbaren und versucht zu verhandeln. Doch die Barbaren bleiben hart – sie wollen den Prinzen als Geisel, sonst wird die Festung erobert.

Mit sicherer Hand, ruhigen Einstellungen und einer Inszenierung, die eher an einen früheren Michael Cimino oder Martin Scorsese erinnert, überrascht Regisseur Dong-hyuk Hwang. Fast europäisch und ohne asiatische Hektik beginnt der Film im tiefen Winter und scheint sich so der allgegenwärtigen Schneelandschaft und dem Schneegestöber stimmungsvoll anzupassen. Handlung und Dialoge entwickeln sich nachvollziehbar, das Drehbuch verzichtet auf Impulse, die die Schauspieler zum Overacting reizen könnten und Dong-hyuk Hwang ist talentiert genug, daraus einen einen guten Film zu machen, der unsinniges Gedöns vermeidet.

Neben der gut inszenierten Landschaft und der Ruhe, mit der THE FORTRESS seinen Untergang angeht, gesellt sich noch eine durchdachte Kameraführung und eine sehr gelungene Filmmusik, die mit dezenten Atmosphären von der ersten Sekunde an den Film perfekt umschließt. THE FORTRESS überrascht von der ersten Einstellung an mit einer guten Regie, die Bild, Handlung und Atmosphäre gekonnt in wenigen Handgriffen miteinander vereint und den Zuschauer sofort ankommen lässt. Das dies gelingt, ist selten für dieses Genre, was auch mit an der guten Synchronisation liegt, die Koch Films für den Streifen in Auftrag gegeben hat.

Die Frage ist nur, ob der Film das über seine gesamte Laufzeit von 140 Minuten aushält, denn immerhin geht es ab und an auch nur um das Taktieren und Besprechen der eigenen Lage. Ein Film mit Dialogen also. Und erstaunlicher Weise funktioniert das ganz gut. Man hat so das Gefühl eher der Chronologie historischen Ereignisse beizuwohnen, als einen südkoreanischen Abenteuerfilm zu sehen. Und so dauert es auch etwas über 30 Minuten, bis es zum ersten Scharmützel in den Bergen kommt, wo ein Spähtrupp des eingeschlossenen Königs in den Hinterhalt der Barbaren gerät und dem nur wenig entgegen setzen kann. In der Inszenierung der Action bleibt die Regie bodenständig und knackig. Ohne wildes Schnittfeuerwerk, teilweise in längeren Plansequenzen gedreht, rollt sich die Action übersichtlich und nachvollziehbar ab, was heute schon eine Seltenheit ist. Hier und da garniert ein blutiger Effekt den Kampf, doch alles bleibt irgendwie unaufdringlich und wird ohne Selbstzweck in die Action eingebaut. Auch die späteren Kämpfe sind atmosphärisch dicht und wohl dosiert in Szene gesetzt worden.

47 Tage dauerte die Belagerung der Festung durch die Barbaren. Das war kein Zuckerschlecken für die Soldaten des Königs, denn der Winter kommt nicht nur – er ist schon da. Während die Armee der Barbaren immer häufiger den Durchbruch der weit angelegten Festungsmauern mit kleinen Nadelstichen vorbereitet, hat der König neben Hunger und Kälte noch den zunehmenden Verlust der eigenen Truppenmoral zu befürchten und kann dem nur entgegenwirken, in dem er eine Entscheidung über Leben und Tod treffen muss. Doch Gefahr droht nicht nur durch die Armee der Barbaren, sondern auch intern durch Zwietracht und Missgunst und durch die schwindende Zustimmung der Landbevölkerung, die der König aus Not plündern muss, um die Treue der Soldaten zu halten. So werden dann eben alle Pferde geschlachtet und zur Suppe verkocht, was die Moral der Truppe aber auch nicht stärkt, denn zuvor hatte man das wärmende Stroh in den Unterkünften an die Pferde verfüttert und jetzt frieren die Soldaten, haben aber eine warme Suppe. Der Hunger auf allen Seiten begleitet zunehmend die Abwärtsspirale der Belagerung, die unweigerlich im massenhaften Tod münden wird.

THE FORTRESS ist eine positive Überraschung. Dank einer talentierten Regie, einem guten Cast und einer hübschen Atmosphäre ist das endlich mal wieder ein guter Film in diesem Genre, der beinahe über seine gesamte Laufzeit hinweg zu unterhalten vermag. Lange genug hat es ja auch gedauert. Natürlich ist viel Schnee in diesem Film künstlich entstanden und etliche Bärte wurden den Schauspielern ins Gesicht geklebt. Doch Regisseur Dong-hyuk Hwang wollte tatsächlich einen Film drehen, der nicht nur dem heimischen Publikum gefällt, sondern auch international den Zuschauer erreichen kann – und das ist ihm, ob seines fundierten filmischen Talents, rundum gelungen.

Hier darf nicht nur der Freund asiatischen Kinos zuschlagen, sondern auch der Fan des Historienfilms allgemein. Diesen Spagat bekommen sonst nur wenige Filme aus Südkorea hin.

Das Bild der BD ist satt und angenehm, der Ton gut und die Synchronisation gelungen.

Als Extras gibt es Trailer und kurze Featuretten zu den Figuren und dem Making Of.

Trailer:

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