Christophers Hurenween #6: Stephen Kings Rhea M. – Es begann ohne Warnung (1986) – ab sofort als Mediabook (2x Blu-Ray + DVD) erhältlich!

„Brumm Brumm!“ Dass Maschinen ganz schön böse sein können, erkannte nicht nur James Cameron, sondern auch Horror-Maestro Stephen King, der für die Adaption einer seiner Kurzgeschichten gleich selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm, um sicher zu gehen, dass der Film auch ganz seiner Vorstellung entspricht. Das hat nur bedingt funktioniert, gehört RHEA M. – ES BEGANN OHNE WARNUNG (1986) doch zu den größtenteils verschmähten King-Verfilmungen, für die der Autor selbst nur Hohn und Spott übrig hat. Koch Films hat den Streifen nun in einer schicken Mediabook-Edition veröffentlicht, die wir uns einmal genauer angesehen haben.

Originaltitel: Maximum Overdrive

Drehbuch & Regie: Stephen King; basierend auf der Kurzgeschichte “Trucks”

Darsteller: Emilio Estevez, Pat Hingle, Laura Harrington, Yeardley Smith, John Short…

Artikel von Christopher Feldmann

Nicht nur heute, sondern auch in 1980er Jahren waren Horror-Filme, die auf Werken Stephen Kings basieren, der heiße Scheiß. Produzenten-Legende Dino De Laurentiis, der Rechte an diversen Kingschen Geschichten hatte, schmiss zu dieser Zeit selbst einige Produktionen auf den Markt, wie etwa DEAD ZONE (1983), DER FEUERTEUFEL (1984), KATZENAUGE (1985) und DER WERWOLF VON TARKER MILLS (1985). Auch die Kurzgeschichte TRUCKS, welche bereits 1978 in der Anthologie NACHTSCHICHT veröffentlicht wurde, befand sich in seiner Schublade. Da King, wie wir alle wissen, meist sehr kritisch und hart mit den Adaptionen seiner Werke ins Gericht geht, bot De Laurentiis ihm gleich selbst den Posten als Drehbuchautor und Regisseur an, um den Film seinen Vorstellung entsprechend umzusetzen. Was als cleverer Schachzug in Sachen Marketing gedacht war (Der Meister legt persönlich Hand an!), erwies sich aber als kolossale Fehlentscheidung. RHEA M. – ES BEGANN OHNE WARNUNG (1986), dessen Originaltitel MAXIMUM OVERDRIVE deutlich schmissiger ist, floppte erbarmungslos an den Kino-Kassen und wurde vom Publikum und den Kritikern verrissen. Dass das aus heutiger Sicht wenig zu bedeuten hat, haben schon andere, ehemals verschmähte, Werke bewiesen, die nachträglich als gut bezeichnet wurden. Bei MAXIMUM OVERDRIVE hingegen wird dieser Sinneswandel vermutlich nicht eintreten, ist der Film doch Quatsch der besonders beknackten Sorte, obwohl man ihm einen gewissen Spaß-Faktor nicht absprechen kann.

Handlung:
Als die Erde in den Schweif des mysteriösen Kometen Rhea M. gerät, geschehen plötzlich seltsame Dinge auf dem gesamten Planeten. Technische Geräte entwickeln plötzlich ein Eigenleben, Maschinen spielen verrückt und selbst Fahrzeuge machen sich auf einmal selbstständig. Dabei sind die zum Leben erweckten Gerätschaften den Menschen nicht sonderlich wohlgesonnen und beginnen erbarmungslos Jagd auf sie zu machen. In einem kleinen Diner in North Carolina, wird eine Gruppe belagert, die es sich schon bald zur Aufgabe macht, gegen die bösen Maschinen vorzugehen. Angeführt von Ex-Sträfling Bill (Emilio Estevez) suchen sie einen Ausweg in die Freiheit, um den Übergriffen zu entgehen, immerhin soll dieser Zustand, laut Berechnungen, noch ganze sieben Tage anhalten.

MAXIMUM OVERDRIVE wird allgemein als Trash-Film verschrien, bei dem Stephen King bewies, dass er als Regisseur seiner eigenen Werke noch ungeeigneter ist, als die meisten anderen Handwerker, die sich an seinen Geschichten versuchten. Wahrscheinlich liegt das auch zum Großteil an der doch recht bescheuerten Geschichte. Wir sehen mehrere Maschinen und Geräte, die plötzlich ein Eigenleben entwickeln und anfangen Menschen zu töten. So wird nicht nur ein Baseball-Trainer von einem, mit Dosen schießenden, Getränkeautomat gekillt, sondern auch ein unschuldiges Kind von einer Dampfwalze exekutiert. Brücken beginnen, sich von alleine hochzuziehen, Spielautomaten verpassen Zockern tödliche Stromschläge und Rasenmäher stutzen fortan nicht mehr nur den Vorgarten. Alles passiert durch die Einwirkung eines Kometen, der genau 8 Tage, 5 Stunden, 29 Minuten und 23 Sekunden die Erde mit seinem Schweif bedeckt – ich möchte zu gerne wissen, wer das bis auf die Sekunde berechnet hat. Anhand dieser Indizien kann man schon feststellen, dass der ganze Film absoluter Kokolores ist, der vorne und hinten keinen Sinn ergibt.

Der Großteil der Handlung spielt sich in einem Diner ab, in dem eine Gruppe aus bunt zusammengewürfelten Personen von mehreren Trucks bedrängt wird, die sich ebenfalls verselbstständigt haben. Warum die Trucks, von denen der mit dem Kobold-Gesicht vor dem Kühler der prominenteste ist, die ganze Zeit um das Diner herumfahren und das ganze Gebäude mitsamt Insassen nicht einfach plattwalzen, ergründet sich nicht wirklich. Auch die Tatsache, dass andere Fahrzeuge kein Eigenleben entwickeln, muss man hinnehmen, wie so viele andere dramaturgische Logiklöcher, die hier in großer Anzahl vorhanden sind. Wirklich Sinn ergibt gar Nichts und wer damit beginnt, das Geschehen ernsthaft zu hinterfragen, sollte den Streifen lieber gleich wieder aus dem Player nehmen.

MAXIMUM OVERDRIVE funktioniert als Horrorfilm überhaupt nicht, als herrlich misslungene Trash-Parade aber umso besser, da King wohl keine Ahnung hatte, wie man eine filmische Handlung spannend gestaltet, geschweige denn Schauspieler richtig führt. Die Figuren entlarven sich schnell allesamt als ziemliche Vollidioten, die so manche Entscheidungen treffen, die nicht wirklich nachvollziehbar sind. Immerhin haben sie einen bestens ausgestatteten Waffenkeller zur Verfügung, der starke Gegenwehr ermöglicht aber nur halbwegs genutzt wird. Dazwischen gesellen sich immer wieder herrliche Momente des Over-Actings, zum Beispiel wenn eine völlig hysterische Kellnerin die Trucks mit „You can’t, WE MADE YOU!“ anbrüllt. Auch die Gefährte machen dauernd komische Sachen und nehmen Personen mit ihren Außenspiegeln ins Visier und kommunizieren mit Morsezeichen untereinander, die aus Motor- und Hupgeräuschen bestehen. King reiht meist irgendwelche Szenen aneinander, die weder spannend noch irgendwie sinnvoll sind und dreht sich, wie seine fahrbaren Antagonisten, vornehmlich im Kreis.

Heute hat der berühmte Schriftsteller kaum noch positive Worte für dieses Werk übrig, blieb es doch seine einzige Regie-Arbeit. Laut eigenen Aussagen, wusste er selbst nicht, was er da fabriziert, da er die gesamten Dreharbeiten über völlig zugekokst war. Mit dieser Aussage, lässt sich der Film zumindest bedingt erklären. Wenn man keine der merkwürdigen Ideen hinterfragt, bekommt man als Zuschauer jedoch einen wirklich unterhaltsamen Trash-Film serviert, bei dem man sich über vieles lustig machen kann aber dennoch unterhalten wird. Langweilig ist MAXIMUM OVERDRIVE zumindest nicht, was besonders an den zahlreichen grotesken Todesarten liegt, die hier aneinandergereiht werden. Leider mussten einige deftige Gore-Spitzen zu Gunsten eines R-Ratings weichen, weshalb etwas weniger Gekröse vorhanden ist, als vom Macher intendiert. Lustig ist das aber allemal. Als Entschädigung gibt es zumindest Geballer und Explosionen, die den Streifen fast schon zum Actionfilm machen.

Die Besetzung ist dabei gar nicht mal so miserabel, wenn auch völlig hilflos, aufgrund der vielen doofen Dialoge, die Koks-Nase King hier aufs Papier gezaubert hat. Emilio Estevez, der Bruder von Nuttenpreller Charlie Sheen, rattert seine Zeilen herunter, als wäre er nicht richtig wach. Als Leading-Man ist er eine absolute Pfeife, weshalb die Nebenfiguren umso mehr Spaß machen. Laura Harrington gibt als Brett die weibliche Hauptrolle und dreimal darf man raten, was irgendwann zwischen ihr und dem feschen Emilio abgeht. Pat Hingle, der Commissioner Gordon aus den vier BATMAN-Filmen der 1980er und 1990er, ist das Arschloch vom Dienst, der immer wieder mit einer bescheuerten Bösewichts-Lache auffällt. Dazu gesellen sich noch einige prollige Kerle, die gerne mal auf dem Klo gezeigt werden, was stilecht mit Furz- und Kackgeräuschen untermalt wird, sowie mit Curtis und Connie das wohl nervigste Ehepaar überhaupt. Connie sprengt dabei jegliche Nerv-Skala und ihre Stimme dürfte zudem jeder erkennen. Die Schauspielerin Yeardley Smith ist seit Beginn der Serie die Originalstimme der Lisa Simpson aus THE SIMPSONS.

Immerhin reißt der Film auf musikalischer Ebene einiges. Der komplette Score stammt von den Rock-Legenden von AC/DC und wurde unter dem Titel WHO MADE WHO als Album veröffentlicht, mit dem die Band einen ansehnlichen Erfolg verbuchen konnte. Anders als King, er wurde nämlich für die goldene Himbeere als schlechtester Regisseur nominiert. Auch Estevez musste sich eine Nominierung als schlechtester Schauspieler gefallen lassen. Ganz Hitchcock-Like ließ es sich King aber auch nicht nehmen, selbst einen Cameo zu absolvieren. Er ist der Typ, der zu Beginn des Films von einem Bankautomaten als Arschloch beschimpft wird. Leider nur leidlich witzig.

So konfus und durchgeknallt der Film auch sein mag, die Veröffentlichung aus dem Hause Koch Films ist dabei umso großartiger. MAXIMUM OVERDRIVE wurde von den Köchen in einer schicken 3-Disc Mediabook-Edition veröffentlicht, die den Streifen in seiner ungekürzten Fassung präsentiert, inklusive neuer FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Die Bild- und Tonqualität ist, wie zu erwarten, erstklassig und kann restlos überzeugen. Neben der DVD-Version, bekommt der Sammler noch eine zweite Blu-Ray, die randvoll mit Bonusmaterial ist. Neben Trailern, TV-Spots und einem Audiokommentar, bei dem sich Darsteller Jonah Ray gemeinsam mit Blumhouse-Produzent Ryan Turek und King-Biograph Tony Magistrale die Ehre gibt, auf der Hauptdisc, haben die Extras diverse Interviews mit verschiedenen Darstellern und Make-Up-Artist Dean Gates zu bieten. Drei Featurettes, unter anderem eines mit AC/DC, ein Blick hinter die Kulissen, eine Bildergalerie und ein 20-seitiges Booklet von Uwe Anton runden das Paket ab. Tolle Arbeit! Das Mediabook ist in zwei Cover-Varianten erhältlich, denn neben dem neu designten Cover, ist die Edition auch mit dem klassischen Motiv verfügbar.

Fazit:
Stephen King lieferte, auf der Höhe seiner Kokainsucht, mit MAXIMUM OVERDRIVE (1986) seine erste und gleichzeitig auch letzte Regie-Arbeit ab. Der Film ist ein stellenweise konfuses Machwerk, das vor hanebüchenen Szenen, wildem Over-Acting und bescheuerten Handlungs-Kniffen nur so strotzt. Wer damit leben kann und etwas für Trash übrig hat, bekommt hier einen unterhaltsamen Streifen geboten, an dem man durchaus seinen Spaß haben kann. Immerhin gibt es Action und krachende Musik von AC/DC. Wahrscheinlich ist die Filmwelt letztendlich trotzdem ein besserer Ort, da King sich im Nachhinein wieder auf seine Arbeit als Roman-Autor konzentriert hat. Die Veröffentlichung aus dem Hause Koch-Films ist, obgleich der filmischen Qualität, trotzdem aller erste Sahne!

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