Léon – Der Profi (1994) – ab sofort als 4K-UHD Steelbook, Blu-Ray & DVD erhältlich!

Auch wenn die Filmographie von Luc Besson durchaus schwankend in Sachen Qualität ist, kann er sich immerhin damit Rühmen, mit LÉON – DER PROFI (1994) einen der ganz großen Klassiker jener Dekade abgeliefert zu haben. Studiocanal hat der kultigen Auftragskiller-Ballade anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums nun ein zeitgemäßes Upgrade verpasst und als 4K-Version im Heimkino veröffentlicht. 

Originaltitel: Léon

Drehbuch & Regie: Luc Besson

Darsteller: Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman, Danny Aiello, Peter Appel…

Artikel von Christopher Feldmann

Während Quentin Tarantino im Jahr 1994 mit PULP FICTION für frenetische Begeisterungsstürme sorgte und dem Independent-Kino zu neuem Marktwert verhalf, sorgte der französische Produzent, Autor und Regisseur Luc Besson dafür, dass das internationale Publikum auch einen genaueren Blick auf die europäische Film-Industrie warf. Nachdem Besson bereits mit Filmen wie SUBWAY (1985) und dem Actionthriller NIKITA (1990) veritable Hits vorweisen konnte, setzte er mit LÉON – DER PROFI einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere, der nicht nur große Anerkennung erfuhr, sondern auch heute noch regelmäßig in zahlreichen Bestenlisten zu finden ist. Bessons emotional aufgeladenes Actiondrama gehört zweifelsohne zum Pflichtprogramm eines jeden Filmfans und das obwohl es erst in der Zweitverwertung im Heimkino richtig zum Hit wurde. Nun hat Studiocanal, passend zum Jubeljahr, den Klassiker neu veröffentlicht, im Director’s Cut und mit neuem Master. Ein absoluter Pflichtkauf!

Handlung:
Der einsame Léon (Jean Reno) lebt zurückgezogen in New York und verdient sich seine Brötchen als Auftragskiller für die Italo-Mafia. Obwohl er zu den Besten seines Fachs zählt, absolut präzise, zuverlässig und erbarmungslos arbeitet, gelten für ihn trotzdem gewisse Regeln. Die erste lautet: Keine Frauen, keine Kinder! Die einzigen menschlichen Kontakte pflegt der schweigsame Killer zu seinem Auftragsgeber Tony (Danny Aiello), der so etwas wie eine Vaterfigur für ihn darstellt, und dem Käufer eines kleinen Supermarkts, bei dem er täglich Milch kauft. Sein Leben ändert sich schlagartig, als plötzlich die zwölfjährige Mathilda (Natalie Portman) Hilfe suchend vor seiner Tür steht. Ihre Familie wurde soeben von dem korrupten DEA-Agenten Stansfield (Gary Oldman) ermordet. Angetrieben von Rachegedanken, bittet Mathilda Léon, ihr die Kunst des Tötens beizubringen, während sie sich um den Haushalt kümmert. Nach anfänglichen Differenzen, entwickelt sich zwischen den beiden eine ganz besondere Beziehung.

Eigentlich ist die Story von LÉON nicht neu, war sie höchstwahrscheinlich auch damals nicht. Die Geschichte um einen einsamen, schweigsamen Hitman, der stoisch und konsequent seine Arbeit macht und im Laufe des Films Menschlichkeit erfährt, gab es schon häufig. Besonders im französischen Noir-Kino waren schon etliche Stilmittel vorhanden, bei denen sich Besson ausgiebig bedient. Was den Film zum Meisterwerk macht, sind die starken Charaktere, denen das Drehbuch genug Raum gibt, um die Geschichte zu tragen. Besson war noch nie der große Geschichtenerzähler, sondern eher ein Filmemacher, der mit Stil und Aufmachung punkten konnte. Hier hat er es allerdings geschafft, eine große Emotionalität zu erzeugen, was nicht mal zwingend an der titelgebenden Hauptfigur liegt. Léon ist der klassische Killer, wie man ihn aus zahlreichen Geschichten kennt. Schweigsam, einzelgängerisch und mit dem Tod verwandt, wobei er aber streng nach eng gesteckten Prinzipien lebt.

Der große Gewinn, sind die beiden anderen Charaktere, die einen krassen Kontrast bilden. Léon bekommt mit Mathilda ein aufgewecktes Mädchen zur Seite gestellt, eine vielschichtige Figur, die so viele emotionale Paletten mitbringt und dabei so grandios gespielt ist, dass man sich nicht wundert, warum Natalie Portman danach zum Star wurde. Das Gleiche gilt für Paradebösewicht Gary Oldman, der als drogensüchtiger Cop eine absolute Wucht ist und mit so viel Verve das verachtenswerte Arschloch gibt, dass sogar die einfach gestrickte Rache-Story eine ganz eigene Tiefe bekommt. LÉON lebt von seinen Figuren und ihren emotionalen Bausteinen, die sich perfekt zu einem homogenen Ganzen zusammenfügen.

Dabei läuft das Drehbuch aber auch nie Gefahr in Plattitüden abzugleiten, bleibt doch die Beziehung zwichen Léon und Mathilda durchweg ambivalent, nie kitschig, obwohl manche Szenen dazu neigen. Die Beiden schaffen es schnell, das Herz des Zuschauers zu erobern und mit ihnen zu fühlen, besonders weil Oldmans Bösewicht mit Vorliebe für Beethoven so grandios als Kontrahent und Gegenstück funktioniert.

Inszenatorisch bewegt sich Besson auf erprobten und routinierten Pfaden. Zwar frönt der Regisseur, der später mit DAS FÜNFTE ELEMENT (1997) einen weiteren Kultfilm in die Kinos brachte, ausgiebig seine Stilmitteln wie schnellen Zooms und Detailaufnahmen. Obwohl die Geschichte in New York angesiedelt ist, fühlt sich der Stil durchweg europäisch an, besonders in den Actionszenen, die zwar nicht übergeordnet sind aber dennoch intensiv daherkommen. Besonders das explosive, wie auch tragische Finale hinterlässt dabei nachhaltig Eindruck. Auch wenn das Alles nie sonderlich experimentell, sondern eher geradlinig aufgezogen ist, überzeugt Léon vor allem mit seiner emotionalen Dichte. Weniger Actionkracher, mehr schönes Gefühlskino.

Die Neuauflage von Studiocanal beinhaltet sowohl die Kinofassung, als auch den Director’s Cut, wobei ich letzterem eindeutig den Vorzug gebe. Hier wird die Beziehung zwischen Mathilda und Léon ausführlicher und intensiver beschrieben, wobei auch der sexuelle Unterton deutlicher zum Tragen kommt. Die Restauration ist dabei eine deutliche Verbesserung gegenüber der alten HD-Version. Das Bild ist etwas heller aber auch deutlich wärmer und besitzt eine tolle Schärfe und Detailgenauigkeit. Der Ton ist, aufgrund des Upgrades, deutlich dynamischer und lauter. In Sachen Bonusmaterial, greift man auf bereits verwertetes zurück, neue Inhalte sucht man hier leider vergebens.

Fazit:
Mit LÉON – DER PROFI (1994) hat Studiocanal einem großen Klassiker der 1990er Jahre eine angemessene Neuveröffentlichung spendiert. Mit besserer Bild- und Tonqualität erstrahlt Luc Bessons mitreißendes Action-Drama in neuem Glanz. In gut sortierte Filmsammlungen gehört der Kultfilm allemal, in der neuen Edition sowieso.

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