Nach Bonnie & Clyde und Mick & Mallory machen sich jetzt Arielle und Dean auf, raubend und mordend durch die USA zu reisen, um als zweifelhafte Volkshelden wahrgenommen zu werden. Hierfür nutzt Arielle, ganz zeitgemäß, Instagram und Co., wo sie die Raubüberfälle des Gangsterpärchens, die sie fleißig mitfilmt, publik macht. Als Resultat entsteht eine riesige Fangemeinde, die die Verbrecher auch noch anfeuert. Doch Hochmut kommt wie immer vor dem Fall und so steuert das Gaunerpärchen auf der Road to Nowhere einer Katastrophe entgegen. CAPELIGHT PICTURES veröffentlicht die Gangster-Lovestory jetzt ungekürzt mit Jugendfreigabe.

Drehbuch und Regie: Joshua Caldwell

Darsteller: Bella Thorne, Jake Manley, Amber Riley, Michael Sirow, Marisa Caughlan

Artikel von Christian Jürs

Arielle (Bella Thorne) und ihre Mutter Janet (Marisa Coughlan) leben in Florida und gehören der Unterschicht, White Trash genannt, an. Arielle, die noch zur Schule geht und abends als Kellnerin jobbt, schafft jeden Cent beiseite, mit dem festen Willen, irgendwann aus ihrem Kaff zu entkommen um in Hollywood zu Ruhm zu gelangen. Bislang läuft es mit der Berühmtheit allerdings nicht, hat sie doch so gut wie keine Instagram-Follower (erschreckend, ich kenne dieses GefühlAnm. des Redakteurs). Als sie eines Abends in der heimischen Disco von einem anderen Mädchen blöd von der Seite angelabert wird, tickt Arielle aus und vermöbelt das Mädchen nach Strich und Faden. Die drumherum stehenden Jugendlichen schreiten nicht ein, sondern filmen den Fight lieber mit ihren Smartphones.

Natürlich gehen die Videos viral und bekommen von der anonymen, sensationsgeilen Masse die Aufmerksamkeit, die Arielle sich immer gewünscht hat. Beflügelt von ihrem zweifelhaften Ruhm, traut sich die junge Frau sogar, den smarten Dean (Jake Manley) anzusprechen, der neu in der Stadt zugezogen ist. Schnell entwickelt sich eine Romanze zwischen den Beiden und Dean offenbart Arielle den wahren Grund für seine Anwesenheit. Er saß wegen Raubüberfalls im Knast und muss nun, als Bewährungsauflage, bei seinem Vater (Damon Carney), einem aggressiven Schwerstalkoholiker, wohnen. Als Arielle eines Abends von der Arbeit heimkommt, droht ihr Traum von einer Karriere in Hollywood zu platzen, denn Bobby (Joey Oglesby), der aktuelle Versagerfreund ihrer Mum, hat das gesamte ersparte Geld geklaut und versoffen. Völlig außer sich läuft sie zu Dean, der gerade eine Auseinandersetzung mit seinem Vater hat. Als Arielle dazwischen gerät, kommt es zu einem Unfall und der betrunkene Mann stürzt die Treppe hinunter, wobei er sich das Genick bricht. Das Pärchen ergreift panisch mit dem Auto die Flucht.

Doch von Luft und Liebe kann man nunmal nicht leben und deshalb beschließt Dean, den nächstgelegenen Drugstore auszurauben. Arielle, die eigentlich im Wagen warten sollte, ergreift ihre Chance und filmt den Überfall, den sie im Anschluss unter einem anonymen Account online stellt. Dean hegt berechtigte Zweifel an ihrer Aktion, doch tatsächlich entwickeln sich die Videos des Räuberpärchens zu viralen Hits und ihre Followerzahlen steigen in Millionenhöhe. Als Arielle auf der Flucht jedoch einen Cop erschießt, wird die Sache brenzlig für die beiden und sie müssen untertauchen…

Hip und stylisch verpackt Drehbuchautor und Regisseur Joshua Caldwell seine Geschichte über zwei Liebende, die raubend und mordend wie einst Bonnie und Clyde durch die Staaten reisen. Natürlich geht es dabei nicht so wild wie einst bei Oliver Stone zu, als der seine Natural Born Killers vor gut einem viertel Jahrhundert auf die Kinoleinwand losließ, weswegen hier von der FSK eine Freigabe ab 16 verordnet wurde. Trotzdem wird´s brutal und auch optisch ist der Film originell. Unterlegt von einem vorantreibenden, beatlastigen Soundtrack kann Infamous auf audiovisueller Ebene durchaus überzeugen. Doch leider vermögen weder Drehbuch, noch Regie oder gar Darsteller, dem Pärchen auch nur einen Hauch von Sympathie zu entlocken. Im Gegenteil, die gewaltbereite Arielle geht einem mit ihrem Drang zur Medienhure (no comment) gehörig auf den Zeiger. Dabei hätte sie nicht treffender besetzt werden können als mit dem ehemaligen Disney-Star Bella Thorne (Shake It Up! – Tanzen ist alles). Die geht heute gänzlich andere Wege und macht Karriere als Popluder, die auf OnlyFans äußerst tiefe Einblicke spendiert. Sie muss die “ich-scheiss-auf-alles“-Einstellung nicht spielen, sie lebt diese quasi. Nur leider macht das ihren Filmcharakter auch nicht im Ansatz sympathischer, auch wenn sie optisch verdächtig an Juliette Lewis in ihrer Kultrolle erinnert. Dass sie während ihrer Überfälle das auffällige Armtattoo niemals bedeckt und auch noch viral präsentiert, lässt sie auch noch zum Dilletanten mutieren.

Gegenüber den von Jake Manley dargestellten Dean hat sie allerdings den Vorteil, dass man ihr durchgehend die Pest an den Hals wünscht, was zwar eine negative-, aber immerhin eine echte Emotion ist. Kein Witz, selten war eine Figur unsympathischer. Währenddessen bleibt sein Charakter blass und farblos und dem Zuschauer eigentlich komplett egal. Dean, die eigentlich cool sein sollte, verkommt zum Bückling seiner Freundin, die ihn immer tiefer in die Scheiße reitet. Zwar regt er sich immer wieder darüber auf, bleibt ihr aber immer treu ergeben, wie ein Schoßhund, den Frauchen zur Kastration führt.

Natürlich nimmt das alles kein gutes Ende – und das ist kein Spoiler, denn mit dem Ausgang der Story startet der Film, ehe er ein paar Wochen in der Zeit zurück reist. Eine Schleife, die schon hunderte Filme zuvor genutzt haben. Hier offenbart sich auch wieder die größte Schwäche von Infamous – Das Drehbuch (ich erwähnte es bereits). Dieses hat aber noch eine Überraschung parat, in Form einer Endszene, die so ärgerlich doof ist, dass man laut schreien möchte. Mein Tipp an Joshua Caldwell: Zukünftig lieber fremde Drehbücher verfilmen oder jemanden drüberschauen lassen, der etwas davon versteht. Sein Inszenierungsstil geht dabei vollkommen in Ordnung.

Gutes Stichwort, vollkommen in Ordnung ist nämlich einmal mehr die Veröffentlichung von Capelight Pictures. Die mir vorliegende Blu-ray überzeugt durch glasklare Bild- (2,39:1/1080p) und Tonqualität (Deutsch und Englisch DTS-HD Master Audio 5.1). Die Synchronisation ist gewohnt wertig. Deutsche Untertitel sind optional vorhanden und als Bonusmaterial gibt es ca. 5 Minuten entfallene Szenen und den Trailer. Ein Wendecover ohne Flatschen ist wie immer bei Capelight Pictures vorhanden.

Trailer:

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