Anlässlich des 100. Geburtstags von Schauspielikone Christopher Lee kramen wir nochmal die Rezension zu dessen ersten Auftritt als Vampirfürst Dracula aus dem Archiv. Damals besprach Ur-Hure Victor Grytzka die Blu-ray aus dem Hause STUDIO HAMBURG ENTERPRISES, die ebenso wie die Veröffentlichung aus dem Hause ANOLIS ENTERTAINMENT, den Film in gleich 2 Abtastungen anbieten. Einmal in der Kinofassung, die bereits bei WARNER BROS. ENTERTAINMENT auf DVD erschien, sowie in der restaurierten Langfassung von 2012, die ein paar kleine Szenen mehr beinhaltet.

Originaltitel: Dracula (UK) / Horror of Dracula (USA)

Regie: Terence Fisher

Drehbuch: Jimmy Sangster

Darsteller: Christopher Lee, Peter Cushing, Michael Gough, Melissa Stribling, Carol Marsh, John Van Eyssen

Artikel von Victor Grytzka / Update von Christian Jürs

Ich mag ihn, den Grafen, das Wesen der Nacht. Schon als Kind faszinierte mich der „Herr der Vampire“ mit all seinen Facetten. Zunächst als Hörspielvariante, und dann natürlich als Filmfigur. Meine Dracula-Erfahrung begann mit der ikonischen Performance des Bela Lugosi, der auch in den heutigen Tagen als mein persönlicher Favorit gilt, wenn es um eine klassische Dracula-Darstellung geht. Doch natürlich sah ich auch irgendwann die Verfilmung der britischen Hammer-Studios. Ebenso kultig präsentiert sich der Blutsauger aus der britischen Filmschmiede, wenngleich sich Drehbuchautor Sangster einige Freiheiten nahm und der Geschichte damit einen eigenen Anstrich verpasste.

Jonathan Harker (John Van Eyssen) reist unter dem Vorwand ins Schloss des Grafen Dracula (Christopher Lee), er wolle die umfassende Bibliothek des Grafen katalogisieren. Doch er hat ganz andere Absichten. Er möchte den Vampir für alle Zeit vernichten. Zwar gelingt es ihm, die Vampir-Dame des Grafen ins Jenseits zu befördern, doch gegen den Mächtigsten der Untoten hat er keine Chance. Kurz darauf taucht sein enger Freund Dr. Van Helsing (Peter Cushing) auf, der ebenso das Ziel hat die Erde von dem Blutsauger zu befreien. Doch Dracula hat sein Schloss bereits verlassen und sucht nach einer neuen Braut, die er zunächst in Harkers Verlobten Lucy (Carol Marsh) und dann in Mia Holmwood (Melissa Stribling) zu finden versucht.  Nun ist es an Van Helsing und Arthur Holmwood (Michael Gough), Ehemann von Mia, das Böse aufzuhalten.

Freunde des Romans schauen jetzt besser weg. Denn bis auf ein paar grobe Eckpunkte hat die hammer’sche Verfilmung des Stoker-Stoffes nichts mit der Vorlage gemein. Aber genau das steht dem Werk gar nicht mal so schlecht. Man erkennt einige Charaktere und grobe Handlungsstränge der Vorlage, obwohl der Ablauf der Geschichte ein gänzlich anderes Ding ist. So schaffte man es tatsächlich eine temporeiche Hetzjagd auf den Vampir zu präsentieren, die sich weitestgehend den romantischen Aspekt des Romans spart. Lediglich die Anziehungskraft des Grafen, der hier sehr deutlich wie eine bedrohliche Bestie wirkt, blitzt in einigen Momenten noch auf. Dracula tritt als permanente Bedrohung in Erscheinung, die zu jeder Zeit und ohne Vorwarnung zuschlagen kann. Es gibt, zumindest in der deutschen Synchronfassung, auch kein ruppiges Osteuropa. Man hat die Handlung auf die britische Insel verlegt. In der Originalfassung hingegen spielt der gesamte Film in einem osteuropäischen Land. Dies tat man, um am Budget und am Aufwand zu sparen. Denn so – darf man den bekannten Umständen glauben –   wollten sich die Hammer Studios den Aufwand einer Darstellung der Übersiedlung Draculas nach Großbritannien sparen. Auch die Namen der Protagonisten wurden in der deutschen Fassung auf „very British“ getrimmt, so dass z.B. aus „Mina“ ganz einfach „Mia“ wurde. Das macht aber nichts, die Geschichte überzeugt trotzdem, auch wenn ich einen wirklich interessanten Charakter wie „Renfield“ hier schmerzlich vermisse. Eine gewisse Härte (insbesondere für die damalige Zeit) mag ich dem Film auch nicht absprechen. Insbesondere das Finale hat es in sich, und kommt schon mit einem leichten „Ekelfaktor“ daher, dessen Effekte immer noch toll anzusehen sind.

Inszenatorisch haben wir einen typischen Hammer-Film. Detaillierte Sets, gepaart mit toller Ausleuchtung und stimmungsvoller Kamerarbeit. Dazu kommt der sehr atmosphärische Score von James Bernard, eine sichere Bank als Stamm-Komponist der Hammer-Studios.  Natürlich muss man auch vor dem gesamten Ensemble den Hut ziehen. Hier ging man bei den Briten nie ein Risiko ein. Schauspielkunst „alter Schule“, die stets das Flair eines anspruchsvollen Theaterstückes zu versprühen vermag. Mein persönliches Highlight ist dabei Miles Malleson als Bestattungsunternehmer, der diesen Berufsstand so überdreht und bizarr darstellt, dass man gleich Lust bekommt diesen Job selbst zu machen.

Es gibt gute Gründe, die Veröffentlichungen von Studio Hamburg Enterprises oder Anolis Entertainment zu erwerben. Der Film liegt hier in 2 verschiedenen Fassungen vor, die zugleich auch unterschiedliche Abtastungen sind. Die altebekannte Kinofassung basiert auf dem Master von Warner Bros. und bietet kräftige Farben und ein recht sauberes, wenn auch in Details minimal unscharfes Bild. Die auf dem Cover beworbende Langfassung, restauriert im Jahre 2012, besticht durch etwas mehr Detailschärfe, einen wundervollen Einsatz von Filmkorn und einem besseren Kontrastverhältnis, verglichen mit dem Warner-Master. Der Clou dieser Fassung? 2 erweiterte Szenen, die die komplette Fassung des Filmes bilden. Besagte Stellen im Film (Dracula verführt eine Dame und das Finale) waren der BBFC damals „zu heiß“, so dass sie der Schere weichen mussten. Diese Szenen sind nun wieder in den Film integriert, wenn auch ihre Qualität mit dem Rest des verwendeten Materials nicht mithalten kann. Die deutsche Tonspur wirkt sehr kräftig, neigt allerdings auch ein wenig dazu, hier und da mal zu zischeln. Die englische Tonspur, die mir als O-Ton-Gucker sehr wichtig ist, kommt deutlich schwächer und flacher daher, klingt aber insgesamt etwas sauberer.

Erfreuen darf man sich an umfangreichem und wirklich interessanten Bonusmaterial. Neben 2 Trailern zum Film gibt es noch die Super 8 Fassung zu bestaunen, bei sowas geht mir immer das Herz auf, es gibt eine Bildergalerie, Werberatschläge und – als Highlight – einen Audiokommentar zur restaurierten Fassung von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz. Insgesamt also ein wunderbares Paket.

Mittlerweile sind die Blu-ray Auflagen schon sehr rar, Ihr solltet also baldigst zuschlagen.

Ach ja, „Happy Birthday, Mr. Lee. Feiern Sie schön, irgendwo da oben. Und danke für die tollen Filme.“

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