In den 1980er Jahren trat die Produktionsfirma Amblin Entertainment ihren Siegeszug im Kino an. Die von Regie-Legende Steven Spielberg ins Leben gerufene Schmiede lieferte am laufenden Band große Leinwandabenteuer wie etwa E.T. – DER AUßERIRDISCHE (1982), DIE GOONIES (1985) und die ZURÜCK-IN-DIE-ZUKUNFT-Trilogie (1985-1990). Auch dem legendären Meisterdetektiv „Sherlock Holmes“ verpasste das Amblin-Team mit Unterstützung der revolutionären Effektarbeit von Industrial Light & Magic eine Frischzellenkur und produzierte mit DAS GEHEIMNIS DER VERBORGENEN TEMPELS (1985) eine kurzweilige Mischung aus Kriminalfilm und Jugendabenteuer, die das fiktive Aufeinandertreffen von Holmes und seinem Partner „Dr. Watson“ thematisiert. UNIVERSAL PICTURES HOME ENTERTAINMENT veröffentlichte den Film zunächst als deutschsprachige HD-Premiere in einer limitierten Steelbook-Edition, nun folgt sie Softboxvariante ohne Limitierung.

Originaltitel: Young Sherlock Holmes

Drehbuch: Chris Columbus

Regie: Barry Levinson

Darsteller: Nicholas Rowe, Alan Cox, Sophie Ward, Anthony Higgins, Susan Fleetwood, Freddie Jones, Nigel Stock…

Artikel von Christopher Feldmann

Mit gefühlt unzähligen Adaptionen für Film und Fernsehen gehört die Figur des „Sherlock Holmes“ vermutlich zu den meist interpretierten Charakteren der Literatur. Der von Sir Arthur Conan Doyle erschaffene Detektiv mit der überaus großen Fähigkeit der Kombination ermittelt bereits seit der Stummfilmzeit auf der Leinwand, zu der bekanntesten Inkarnation dürfte die vierzehnteilige Filmreihe mit Basil Rathbone in der Rolle des genialen Ermittlers sein, während Nigel Bruce die Figur des „Dr. Watson“ verkörperte. Im Laufe der Jahrzehnte erschienen immer wieder Verfilmungen von Doyles Geschichten aber auch freie Interpretationen, die die klassischen Charaktere in neue, frei erzählte Fälle implementierten, wie beispielsweise SHERLOCK HOLMES‘ GRÖßTER FALL (1965) und MORD AN DER THEMSE (1979), die Holmes auf die Jagd nach „Jack the Ripper“ schickten. Einem jüngeren Publikum sind zum einen die BBC-Serie SHERLOCK (2010-2017), mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Hauptrollen, und die beiden Guy-Richtie-Adaptionen (2009/2011) mit Robert Downey Jr. und Jude Law als Ermittlergespann ein Begriff. Während die Serie die Original-Geschichten Doyles modernisierte, fielen die beiden Kinofilme durch gänzlich neu erdachte Geschichten auf. Damit betrat Ritchie kein Neuland, denn bereits 1985 erdachte sich der Drehbuchautor und spätere Regisseur Chris Columbus eine eigene Version des „Sherlock Holmes“, nämlich als Schüler, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in seinen ersten großen Fall verwickelt wird und dabei seinen späteren Assistenten und Freund „Dr. Watson“ kennenlernt. DAS GEHEIMNIS DES VERBORGENEN TEMPELS ist allerdings weniger ein klassischer Detektivkrimi, sondern mehr ein actionreiches, effektgeladenes Abenteuer, das man auch gut mit der Familie genießen kann.

Handlung:

Als der Arztsohn John Watson (Alan Cox) auf ein Internat in London wechselt, trifft er den jungen Sherlock Holmes (Nicholas Rowe). Auch wenn die beiden auf Anhieb nur wenig Gemeinsamkeiten haben, sind sie sich doch sympathisch, wissen bereits, dass sie noch gute Freunde werden. Diese Freundschaft hilft ihnen nicht nur im turbulenten Schullalltag. Sie werden sie auch bald brauchen, um ein gemeinsames Abenteuer durchzustehen: In kurzer Folge wird die Stadt von einer Reihe rätselhafter Selbstmorde erschüttert. Als auch ein den beiden nahestehender Erfinder plötzlich stirbt, machen sich die beiden zusammen mit dessen Nichte Elizabeth Hardy (Sophie Ward), für die Sherlock schon länger Gefühle hegt, auf die Suche nach einer Erklärung – zum Ärger des Polizisten Lestrade (Roger Ashton-Griffiths), der kein Interesse daran hat, dass ihm ein paar Kinder ins Handwerk pfuschen …

Auch in Sachen „Sherlock Holmes“ gibt es Licht und Schatten, denn nicht jede Adaption der berühmten Romanfigur ist gelungen. Dennoch gehört DAS GEHEIMNIS DES VERBORGENEN TEMPELS zu den wohl sympathischsten Versuchen, den Meisterdetektiv einem für die damalige Zeit jungen Publikum zugänglich zu machen. Chris Columbus ist seit jeher ein versierter Schöpfer familientauglicher Unterhaltung, auf seine Kappe geht immerhin nicht nur das Skript zu DIE GOONIES (1985), sondern auch die Regie von KEVIN – ALLEIN ZUHAUS (1990) und den ersten beiden Filmen der HARRY-POTTER-Reihe (2001/2002). Dass es sich bei der im Original unter dem Titel YOUNG SHERLOCK HOLMES geläufigen Origin-Story nicht um eine schnöde Kriminalgeschichte im klassischen Mystery-Stil handelt, sondern um ein um reichlich Budenzauber angereichertes Abenteuer mit Actionelementen. Im Zentrum der Geschichte steht eine Reihe von Morden, bei denen auf den ersten Blick zusammenhanglose Geschäftsmänner ihr Ende finden, nachdem sie durch grausame Halluzinationen in den Tod getrieben werden. Dieser Plot-Point ist natürlich nur Mittel zum Zweck, um eine Reihe beeindruckender Effekte zu integrieren, die natürlich für die damals typischen Schauwerte sorgen. Neben vielen, wirklich großartigen praktischen Effekten, präsentiert der Film zudem die erste, vollständig computergenerierte Figur, nämlich einen gläsernen Ritter, der einer Figur als Halluzination erscheint. Klar, aus heutiger Sicht sieht das schon nicht mehr ganz so berauschend und hemmungslos veraltet aus, damals war das allerdings vollkommen revolutionär.

Trotz des Feuerwerks schafft es der Film einen guten Spagat zwischen actionreicher Unterhaltung und klassischer Detektivgeschichte, denn auch hier müssen sich Alle auf die hervorragende Kombinationsgabe Holmes‘ verlassen. Das gestaltet sich an manchen Stellen zwar etwas holprig, vor allem da die Geschichte ab der Hälfte etwas überhastet und auch vorhersehbar wirkt, allerdings macht das Drehbuch viele Stolperer mit seiner emotionalen Komponente wett. Die aufkeimende Freundschaft zwischen Holmes und Watson wird behutsam etabliert und wirklich schön erzählt, so dass die Figurenkonstellation durchweg sympathisch daherkommt. Mit Holmes‘ Love Interest „Elizabeth“ gibt es zudem noch einen weiteren Anker, weshalb aus dem Duo schnell ein Trio wird, das durchweg zu überzeugen vermag, so dass das Ende, welches hier natürlich nicht gespoilert werden soll, dem Zuschauer an die Nieren geht. Der eigentliche Fall ist solide aufgebaut aber auch weit weniger spektakulär oder gar überraschend, stattdessen hangelt sich DAS GEHEIMNIS DER VERBORGENEN TEMPELS von einem Set-Piece zum nächsten. Für jüngere Zuschauer ist das Alles sicher spannend genug, Krimifans wie meine Wenigkeit müssen sich mit dem typischen Amblin-Vibe begnügen, der aber auch hier bestens funktioniert.

Besonders spaßig sind zudem die Parallelen zum HARRY-POTTER-Franchise. Schaut man sich DAS GEHEIMNIS DES VERBORGENEN TEMPELS mal genauer an, bekommt man das Gefühl, dass sich Autorin J.K. Rowling vieles bei diesem Film abgeschaut hat. Allein die Zusammensetzung und Eigenschaften der Figuren erinnern sehr stark an „Harry“ und seine Freunde „Ron“ und „Hermine“ und auch das Schulsetting versprüht eine gewisse Hogwarts-Atmosphäre. Diese kleinen Gemeinsamkeiten zu entdecken, verleiht dem Film noch einen zusätzlichen Unterhaltungswert. Regisseur Barry Levinson, für den der Film die erste Großproduktion darstellte, schafft es gekonnt, der Geschichte genug Tempo zu verleihen. So gibt es Verfolgungsjagden, Fechtduelle und humorvolle Sequenzen aber auch Spannungsmomente und kleine Referenzen wie die Opening-Credits, die eine Hommage an die Filme mit Basil Rathbone darstellt. Begleitet wird die gesamte Handlung von der Off-Stimme des gealterten Watson, was dem Ganzen noch eine extra Portion Herz verleiht. Wirklich schön.

Ausgesprochen gut zu gefallen wissen die Darsteller, allen voran Nicholas Rowe als junger „Sherlock Holmes“, der zumindest rein optisch fast schon als die Teenager-Version von Benedict Cumberbatch durchgeht und den Detektiv trotz der üblichen, egozentrischen Manierismen sehr liebenswert und auch emotional darstellt. „Dr. Watson“, der hier noch kein Arzt ist, wird ebenfalls liebenswert von Alan Cox dargestellt, auch wenn die Figur etwas arg treudoof geschrieben wurde. Sophie Ward sorgt als „Elizabeth“ für den weiblichen Part und hat gute Szenen, bleibt aber im Vergleich zu den beiden männlichen Kollegen etwas unterschrieben. Hier punktet wirklich die Chemie des Trios. Auch die restliche Besetzung weiß zu gefallen und wer die End-Credits bis zum Schluss schaut, bekommt noch eine kleine Überraschung, die auf eine Fortsetzung verweist, die allerdings leider nie realisiert wurde. Vermutlich weil der Film hinter den Erwartungen zurückblieb und bei einem Budget von 18 Millionen US-Dollar nur 19,7 Millionen am Box-Office wieder einspielen konnte. Zwar sprangen am Ende international knapp 64 Millionen US-Dollar dabei heraus, die Macher erhofften sich allerdings vermutlich mehr.

Kürzlich feierte YOUNG SHERLOCK HOLMES hierzulande seine längst überfällige HD-Premiere. Universal Pictures Home Entertainment veröffentlichte das Krimiabenteuer als limitierte Steelbook-Edition, die eine Blu-ray beinhaltet. Die Bildqualität ist sehr gut und überzeugt mit überdeutlicher Schärfe und kräftigen Farben, wobei vor allem die schönen Sets zur Geltung kommen. Der Ton ist ebenso gut und gerade bei der deutschen Spur herrscht ein ausbalancierter Mix.

Fazit:

Mit DAS GEHEIMNIS DES VERBORGENEN TEMPELS (1985) bekommt der Zuschauer eine zwar nicht wirklich originelle Geschichte vorgesetzt, jedoch eine unterhaltsame, temporeiche und auch warmherzige Interpretation der bekannten Detektivfigur, die mit guten Darstellern, toller Effektarbeit und einem nicht zu leugnenden Spielberg-Charme punktet. Definitiv einen Blick wert!

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