Zuverlässig versorgt uns CINESTRANGE EXTREME mit allerlei unterhaltsamer B-Schlotze in ihrer schönen Kategorie ´Bahnhofs-Kino´. In diesem Fall mit einer Filmirage-Produktion, jener Firma, die während der Blütephase des italienischen Splatter-Horrorkinos entstand und diese mit ein paar unterhaltsamen, aber selten guten, Genrebeiträgen abfeierte, bis das Schiff langsam absoff. Im vorliegenden Fall inszenierte Fötenfresser George Eastman sein erstes- und letztes Mal einen Film, der quasi ein Rip-off von Cronenbergs Die Fliege darstellt. Nur, dass sich der Wissenschaftler hier nicht in ein summendes Insekt, sondern in ein – darauf kommt Ihr nie – verwandelt. Ich verrate es Euch – mit Warnhinweis für Spoilerhasser – im Artikel.

Originaltitel: Metamorphosis

Regie: George Eastman (Luigi Montefiori)

Darsteller: Gene LeBrock, Catherine Baranov, Harry Cason, Stephen Brown, Jason Arnold, Laura Gemser

Artikel von Christian Jürs

Ach ja, Filmirage, da werden Jugenderinnerungen wach. Von Schuddelfilmer Joe D´Amato gegründet, feierte das Exploitation-Label seinen Einstand mit dem legendären und langjährigen Bundesprüfstellenkandidat Man-Eater (Der Menschenfresser). Von Kritikern mit Sicherheit niemals wirklich ernstgenommen, entstanden dort u.a. Filme wie Ator – Herr des Feuers, die Trashgranate Troll 2, der wirklich wunderbare Slasher Stagefright – Aquarius und halt Lizard – Die totale Mutation, der einst gekürzt in unseren Videotheken sein Dasein fristete und nun endlich unzensiert von Cinestrange Extreme vertrieben wird.

Dr. Peter Houseman (Gene LeBrock), ein junger, amtierender Professor am gentechnischen Institut der Universität von Virginia, arbeitet zwar nicht an der Erfindung des Teleportierens, sondern versucht, die Zellalterung aufzuhalten (auf das wir ewig leben können – juuhuu). Trotzdem ist er quasi der Seth Brundle dieses Horrorfilms, nur wesentlich arroganter und schnöseliger als einst Jeff Goldblum. Gemeinsam haben beide außerdem, dass sie ihre Experimente mit Affen durchführen. Als er vom Komitee unter Druck gesetzt wird und diese die attraktive Sally Donnelly (Catherine Baranov) beauftragen, hinter die Ergebnisse seiner Arbeit zu kommen, startet Peter, ohne das Wissen seines Assistenten Mike Lester (Harry Cason), einen Selbstversuch, der offenbar zum Erfolg führt.

Noch am selben Abend taucht er bei Sally daheim auf, um ihr von seinem Durchbruch zu schildern. Die bringt noch kurz ihren kleinen Sohn Tommy (Jason Arnold) in die Heia, kocht ihrem Besuch Kaffee und schwupps, entscheiden sich die beiden Erwachsenen, lieber dem Matratzensport nachzugehen. Erfolg macht halt sexy. Doch so glorreich scheint das Experiment dann doch nicht gelaufen zu sein, denn plötzlich leidet Peter unter Gedächtnislücken, gewalttätigen Albträumen und schuppendem Hautausschlag. Doch dabei bleibt es nicht. Peter hat seine Aggressionen plötzlich nicht mehr im Griff. Es stellt sich heraus, dass er im Wahn eine Prostituierte (Laura Gemser) misshandelt hat und weitere, noch weit schlimmere Gewalttaten folgen werden, während sein Körper mehr und mehr mutiert.

Luigi Montefiori inszenierte seinen Schocker in Norfolk, Virginia mit einem weitestgehend amerikanischen Cast, um den Film international besser vermarkten zu können. Kein ungewöhnlicher Schachzug, Lucio Fulci ging einst ganz ähnlich vor (u.a. New York Ripper) und selbst Bud Spencer und Terence Hill waren oftmals in Miami unterwegs. Das Handlungsgerüst entlieh er sich recht offensichtlich bei Die Fliege, wobei der Film in Spanien allen Ernstes als Re-Animator 2 vermarktet wurde. Gene LeBrock macht seine Sache dabei recht gut (und wurde im Deutschen passend vom genialen Udo Schenk synchronisiert). Im Gegensatz zum bemitleidenswerten Jeff Goldblum kommt sein Peter Houseman aber, wie bereits erwähnt, deutlich arroganter und weit weniger sympathisch daher. Während Ersterer langsam zerfiel, mutiert der Lizard zu einer Art Jekyll und Hyde, bei dem man niemals sicher sein kann, wer gerade vor einem steht (Spoiler: die gelben Kontaktlinsen sind ein deutliches Warnzeichen). Erstaunlich dabei ist, wie kurzweilig der Streifen dabei geriet, auch wenn gegen Ende die Trashkanone abgefeuert wird (oder gerade deshalb?), denn dann (und jetzt kommt der versprochene Spoiler) mutiert er endgültig zum Gummikostüm-Dinosaurier. Ein Finale, das man gesehen haben muss, um es zu glauben. Groar!

Das Mediabook von Cinestrange Extreme bietet den Film erstmals komplett ungekürzt (4 Minuten längerentsprechende Szenen sind deutsch untertitelt). Bild- und Tonqualität sind sehr gut. An Extras gibt es den alternativen, deutschen Vorspann, eine Bildergalerie und den Trailer. Abgerundet wird das Mediabook von einem 24-seitigen Booklet von Harald Mühlbeyer.

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