Kennwort? Die Wüste brennt!„. DigiDreams Studios haben keine Kosten und Mühen gescheut, um ganz tief im Moloch des europäischen Schlonzkinos der 1970er Jahre zu graben und einen mit nackter Haut und doofen Sprüchen nicht geizenden „Actionkracher“ mit Trash-Ikone Richard Harrison ans Tageslicht zu befördern. STOßTRUPP IN DIE WÜSTE (1979) ist seit Kurzem als Blu-ray-Neuauflage in der „Classic Cult Collection“ erhältlich und ob wir es hier mit einem ernstzunehmenden SchleFaZ-Kandidaten zu tun haben, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Strategia per una missione di morte

Drehbuch: Alain Petit

Regie: Luigi Batzella

Darsteller: Richard Harrison, Florence Cayrol, Gordon Mitchell, Gino Turini, Jean-Marie Lemaire, Lemmy Carson…

Artikel von Christopher Feldmann

Schaut man sich Filme wie STOßTRUPP IN DIE WÜSTE (1979) an, ohne etwas über die produktionstechnischen Hintergründe zu wissen, würde jeder halbwegs kundige Zuschauer sofort eine italienische Herkunft attestieren. Allerdings fungierten die findigen Südeuropäer hier nur als Ko-Produzenten, denn Urheber dieser Schlonzperle ist die berüchtigte Produktionsschmiede Eurociné aus Frankreich, die in der Blütezeit des europäischen Genrekinos für massiven Output an (s)exploitativer Unterhaltung sorgte, so steckte das Unternehmen hinter zahlreichen Filmen von Jess Franco, sowie unzähligen weiteren Heulern aus den Bereichen Sex, Naziploitation und Horror. Im Falle von STOßTRUPP IN DIE WÜSTE, der im italienischen den klangvollen Titel STRATEGIA PER UNA MISSIONE DI MORTE trägt, handelt es sich um eine Art Söldnerabenteuer, wie sie ihrer Zeit zuhauf gedreht wurden, vor allem als Rip-Offs des Kinohits DIE WILDGÄNSE KOMMEN (1978). Den Vergleich mit dem starbesetzten Actionkracher verliert der von Luigi Batzella gedrehte Streifen natürlich mit Pauken und Trompeten, wer allerdings ein Faible für bescheuerte Bahnhofskino-Reißer hegt, die lediglich aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten unterhalten, dürfte durchaus seine (kleine) Freude haben.

Handlung:

Im Ölgeschäft herrschen harte Sitten: Als eine lybische Delegation einen Großkonzern zu erpressen versucht, wird sie kurzerhand mit einem Bombenschlag ausgeschaltet. Außerdem wird eine Spezialeinheit, bestehend aus fünf Männern und einer Frau, ins Krisengebiet geschickt, um die Forderungen des Ölkonzerns durchzusetzen. Die streng geheime Sabotage-Mission wird zu einem Todestrip durch die Wüste mit tödlichen Gefahren wie feindliche Regierungstruppen, kriegerische Beduinen und mörderischer Hitze.

Schon die Ausgangssituation des Films ist völlig hanebüchen. Eine Delegation libyscher Rohölexporteure maßt sich an, ein wenig an der Preisschraube zu drehen, was den französischen Abnehmern so gar nicht schmeckt, woraufhin diese gleich mal das gesamte Hotel, in denen die Eingereisten nächtigen in die Luft sprengen. Und weil nun auch mal ein Exempel statuiert werden muss, um zu verhindern, dass die Libyer etwas zu viel Oberwasser bekommen, entsendet die europäische Gesellschaft prompt ein Team aus Söldnern und einer Frau, um die Ölfelder der Gegenpartei in Grund und Boden zu brennen. Die ersten zehn Minuten des Films sind schon mal strunzdoof und machen auch aufgrund ihrer Dialoge schon reichlich Appetit auf amtlichen Söldnertrash made in Italy (and France). Gekrönt wird das dann auch gleich durch eine schmierige Sexszene mit Richard Harrison, der den gesamten Film über sein Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft trägt, damit auch jeder sein Brusthaar bewundern kann, und Florence Cayrol, die sich kurz vor Hardcore einpendelt und so erotisch wie mein Morgenschiss ist.

Nach etwas Geplänkel geht es schließlich (mit dem Ruderboot) in die Wüste Libyens, wo sich unsere Vorzeigeblondine erstmal nackig macht, um die Gegend zu erkunden. Es folgen Intermezzi mit unterschiedlichen Parteien, hin und wieder eine kleine Keilerei und gen Ende etwas Budenzauber, fertig ist die Laube. Aufgefüllt wird das Ganze mit reichlich Schwachsinn und Dialogen wie dieser hier:

„Unser Auto ist schneller wie jedes Kamel!“ (Lorna)
„Wisst ihr was ich vermute, dass sie motorisiert sind, die sind auf ihre Kamele gar nicht angewiesen.“ (Benson)
„Möglich wär’s.“ (Lorna)

Inszeniert wurde STOßTRUPP IN DIE WÜSTE von Luigi Batzella, der solche Perlen wie AUCH DJANGOS KOPF HAT SEINEN PREIS (1971), NUR DER COLT WAR SEIN GOTT (1972), WÜSTENFÜCHSE KENNEN KEIN ERBARMEN (1977) oder SS HELL CAMP (1977) auf das geschmacksresistente Publikum loß ließ und vor allem in mit diesem Werk seine Inkompetenz als Regisseur unter Beweis stellt. Denn weder die rar gesäten Actionszenen, noch die Sex-Einlagen sind ansprechend gefilmt, der Schnitt ist stellenweise dilettantisch und das eingesetzte Stock-Footage, nennen wir es mal…interessant. Der Söldnerquatsch ist zu keinen Zeitpunkt temporeich oder gar spannend und zeigt schnell wie gut Nachahmungstäter wie beispielsweise Antonio Margheriti waren, die ebenfalls in diesem Genre unterwegs waren und trotz limitierten Budgets unterhaltsame Kracher drehen konnten. Im Schnitt ist STOßTRUPP IN DIE WÜSTE eigentlich ein ziemlicher Stinker, der größtenteils schon ziemlich langweilt aber aufgrund seines debilen Schwachsinns wieder ein wenig Spaß macht. Und wenn es wirklich unerträglich wird kommt Florence Cayrol um die Ecke und zieht sich warum auch immer nackig aus.

Die Blu-ray aus dem Hause DigiDreams Studios bietet ordentliche Bild- und Tonqualität, wobei man bei der Güteklasse des Streifens die technischen Ansprüche nicht allzu hoch ansetzen sollte. In den Extras finden sich Trailer, Bilder- und Artworkgalerie. Zusätzlich gibt es noch ein Wendecover ohne FSK-Flatschen.

Fazit:

STOßTRUPP IN DIE WÜSTE (1979) ist lediglich für Connoisseure des europäischen Trashkinos empfehlenswert, denn als knalliger Söldneractioner funktioniert der Streifen überhaupt nicht. Wer sich aber an grenzdebilen Dialogen, sinnentleerten Szenen, random Nudity und unfreiwilliger Komik erfreuen kann, macht jetzt nicht den schlechtesten Griff.

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