In einem Interview nannte Roger Moore einst diesen als seinen besten Film. Die facettenreiche Rolle war, seines Erachtens nach, die beste Rolle seiner gesamten Karriere gewesen. Und tatsächlich: Roger Moore spielt in dieser bizarren Story offener und wagemutiger als sonst, man wird Zeuge, wie der zukünftige James-Bond-Schauspieler ungeahnte schauspielerische Qualitäten abruft, für die er in anderen Filmen keine Gelegenheit hatte. Der Kerl füllt mit sichtbarer Spielfreude jede Szene des Films und sorgt so für ein wirklich rundes Filmerlebnis. Doch der Film hat neben Roger Moore auch noch ein paar andere Qualitäten, die The Man who Haunted himself auch heute noch sehenswert machen. WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH brachte diesen Doppelgänger-Klassiker nun in einem schönen und limitierten Mediabook in drei Covervarianten als deutsche HD-Premiere heraus.

Originaltitel: The Man Who Haunted Himself

Regie: Basil Dearden

Darsteller: Roger Moore, Anton Rodgers, Olga Georges-Picot, Hildegard Neil, Thorley Walters, Freddie Jones, John Carson

Artikel von Kai Kinnert

Nach einem schweren Verkehrsunfall liegt der Manager Harold Pelham (Roger Moore) im Koma. Er wird wieder gesund, merkt aber zunehmend, dass etwas nicht stimmt. Leute behaupten, er habe Dinge gesagt oder getan, an die er sich jedoch nicht erinnern kann. Man unterstellt ihm auch eine außereheliche Affäre mit einer attraktiven Frau, aber auch davon weiß Harold nichts. Für den Manager und Familienvater stellt sich die Frage: Wahn oder Verschwörung?

Es beginnt schmissig. Roger Moore ist ein kühler und beherrschter Londoner Business-Man mit steifem Kragen, Bowler und Regenschirm, der in seinen 1969er Austin 3-litre steigt und sich in den Feierabendverkehr begibt. Es geht am Big Ben vorbei auf die Autobahn M4. Die Bilder passen, ebenso die Musik von Michael J. Lewis, die den Film mit einem duften Beat der 1970er eröffnet. Das ist sauber gefilmtes, dezentes und gut inszeniertes Kino der 70er. Als die Musik endet, gehen dem beherrschten Harold Pelham allerdings die Pferde durch. Verlief vorher noch alles korrekt, glüht Pelham nun die Hutnadel durch und er sucht den Kick. Einfach mal 10 Minuten Wilde Sau spielen, Dampf ablassen und Gas geben. Pelham wird zum Tier und drückt auf die Tube.

Roger Moore schaltet auf einen diabolisch-manischen Blick um und wird zum schwitzenden Autobahnraser, der davon träumt, gerade in einem 1969 Lamborghini Islero S über die Straße zu donnern. Die Besonderheit dieser Szene ist, dass von dem Islero S nur 100 Fahrzeuge hergestellt wurden und man nur zwei davon für England produzierte. Der hier verwendete Wagen (Chassis #6432) existiert noch heute (gleiches Kennzeichen) und erfuhr mittlerweile eine deutliche Wertsteigerung. Das ist der Charme der 70er-Filme – es gibt viel zu entdecken in Sachen Stil, Ausstattung und Fahrzeugen.

Roger Moore spielt die Sache hübsch auf Kante, er kann böse gucken und die Raserei endet in einem gut geschnittenen Unfall, denn Moore hat den schweren Austin nicht im Griff und brettert in eine Baustelle. So landet er im Krankenhaus und bekommt auf dem OP-Tisch einen Herzstillstand. Doch dann geschieht seltsames.

Nach Pelhams Genesung geht die Inszenierung flott voran. Merkwürdige Dinge passieren nun im Privaten, wie auch im Geschäftlichen. Freunde zahlen seltsame Spielschulden bei ihm, eine Frau lächelt ihm wissend zu und ständig scheint Pelham irgendwo zu sein, wo er eigentlich gar nicht war. Dazu kommt ein Ehestreit mit seiner Frau und ein rätselhafter Verfolger, der gerne mal in einem Lamborghini vor seiner Haustür parkt. Irgendwann bekommt Pelham einen Nervenzusammenbruch, er kann sich seinen scheinbaren Doppelgänger nicht erklären – und ihn auch nicht finden, obwohl er ihn verbissen sucht. So klappt dann das Nervenkostüm Pelhams zusammen und ein Psychiater muss helfen. Im letzten Drittel ergibt sich nun eine bizarre, aber gelungene Auflösung, die dank Roger Moore und der straffen Inszenierung einfach Spaß macht. Das Finale ist Real 70ths. Kamera, Farben, Musik und Inszenierung sind bestes Analogkino, hier findet der gut vorbereitete Film stimmungsvoll sein rundes Finish.

Regisseur Basil Dearden hat den Streifen von der ersten Minute an straff im Griff, das Drehbuch ist gut geschrieben und jede Szene geht voran. Die Bildgestaltung ist dezent-stilvoll, die Musik passt und die Spannung lässt nicht nach, die Dynamik stimmt. Was will man mehr. The Man who Haunted himself ist gutes Spannungskino der 70er. Wer solche Filme mag, ist bei Roger Moore gut aufgehoben.

Das Bild der Blu-ray ist satt, sauber und farbig, der Ton ist gut. Alle drei Synchronfassungen des Films sind mit an Bord. Als Extras gibt es ein 32-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Faye Hell, einen Audiokommentar mit Roger Moore und Autor und Produzent Bryan Forbes, die Dokumentation Dunkler Spiegel des Selbst – Doppelgänger in Literatur und Film, mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger, die Featurette Die Meister des Horrors – Joe Dante und Stuart Gordon über The Man who Haunted himself, eine Musik Suite, Trailer und Bildergalerie.

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