Das nenne ich Timing! Gerade hat meine Tochter in der Schule ein Referat über Hexenverfolgung im mittelalterlichen Schleswig-Holstein gehalten (und dafür eine glatte eins kassiert – ich bin sehr stolz), da flatterte aus dem Hause WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH auch noch der passende Film für unsere gemeinsamen Horrorfilmabende ins Haus. Okay, der spielt zwar in England und basiert auf einem fiktiven Roman, zeigt aber trotzdem überdeutlich, wie grausam Menschen sein können, die a) abergläubisch sind und b) über zu viel Macht verfügen. Außerdem ist meine Tochter großer Fan der alten, englischen Horrorfilme, kannte bislang aber nur Peter Cushing und Christopher Lee. Beste Gelegenheit, ihr einmal Vincent Price vorzustellen und eine weitere Bildungslücke zu schließen. Ich verrate Euch, wie uns beiden der Film gefallen hat.

Originaltitel: Witchfinder General / The Conqueror Worm (US-Titel)

Regie: Michael Reeves

Darsteller: Vincent Price, Ian Ogilvy, Hilary Heath, Rupert Davies, Robert Russell

Artikel von Christian Jürs

In Schleswig-Holstein, meiner Heimat, wurden zwischen 1530 und 1735 ganze 852 Menschen, meist Frauen, der Hexerei bezichtigt und hingerichtet (vielen Dank an meine Tochter für diese Info). In der Schweiz waren es gar ca. 6000 Leute. Auch in England wütete der Aberglaube und kostete viele unschuldige Menschen das Leben auf qualvolle Art und Weise. Einer der Inquisitoren war Matthew Hopkins, der hier im Film von Vincent Price verkörpert wird. Allerdings basiert Der Hexenjäger nicht auf den wirklichen Greueltaten dieses Mannes, denn der echte Hopkins verstarb mit nur 27 Jahren an Tuberkulose (kein Mitleid an dieser Stelle). Stattdessen diente der Roman Witchfinder General von Ronald Bassett recht lose als Vorlage.

Der Film setzt im Jahr 1645 ein, als in England gerade Bürgerkrieg zwischen den Anhängern des Parlaments und den Royalisten herrschte. Richard Marshall (Ian Ogilvy), ein junger Parlamentssoldat, kehrt für einen kurzen, unerlaubten Heimataufenthalt nach Brandeston, Suffolk, zurück, damit er um die Hand seiner geliebten Sara (Hilary Heath) anhalten kann. Ihr sympathischer Onkel John Lowes (Rupert Davies), bei dem die junge Frau lebt, gibt, ohne zu zögern sein Einverständnis. Einzige Bedingung: Marshall soll Sara nach der Hochzeit möglichst weit wegbringen, da die Lowes in der Gegend als Außenseiter behandelt werden und somit die Sicherheit der jungen Frau nicht mehr gewährleistet ist.

Versprochen ist versprochen, doch ehe es so weit ist, muss Richard erstmal schnellstens zu seinem Regiment zurück, um nicht als Fahnenflüchtling verfolgt zu werden. Ein denkbar schlechtes Timing, denn Matthew Hopkins kommt derweil mit seinem brutalen Assistenten John Stearne (Robert Russell) nach Suffolk, wo das lynchgeile Volk ihnen John Lowres ans Messer liefert. Auch Sara gerät dabei in das Visier des Hexenjägers, kann diesem aber glaubhaft versichern, dass sie nicht Blutsverwandt mit ihrem Onkel ist, weswegen Hopkins sie nicht eines Tests unterziehen möchte. Stattdessen bietet er ihr einen Deal an: Sofern sie ihm körperliche Gefälligkeiten (sprich: Sex) anbietet, werden die Folterungen an ihrem Onkel ausgesetzt und er muss lediglich im Gefängnis verweilen.

Die junge Frau fügt sich ihrem Schicksal, doch Hopkins Assistent bekommt Wind von der Sache und wartet ab, bis sein Vorgesetzter kurzzeitig in eine andere Stadt abberufen wird. Er nutzt seine Chance und vergewaltigt Sara. Kurz darauf wird ihr Onkel schließlich zum Tode verurteilt und gehängt. Als Richard Marshall kurz darauf zurückkehrt und die ganze, schreckliche Geschichte von Sara erfährt, heiratet er kurzerhand das Mädchen und bittet sie, schnellstens das Dorf zu verlassen, während er sich aufmacht, dem Hexenjäger und seinem brutalen Helfershelfer ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Doch der erfährt von dem Vorhaben und schnappt sich Sara, um sie einer Hexenprüfung zu unterziehen…

1968 war ein gutes Jahr für den Horrorfilm. George A. Romero ließ erstmals in Die Nacht der lebenden Toten seine wankenden Fleischfresser von der Leine und Hammer Studios veröffentlichten mit Draculas Rückkehr (ebenfalls mit Rupert Davies in einer größeren Rolle) einen der besten Vampirfilme ihrer Schaffensphase. Auch für den jungen Regisseur Michael Reeves sollte es ein gutes Jahr werden, immerhin entwickelte sich diese amerikanisch-britische Co-Produktion als Wegweiser für Werke wie In den Krallen des Hexenjägers oder Hexen, geschändet und zu Tode gequält. Doch Reeves sollte diesen Triumph leider nicht mehr erleben, da er im Februar 1969, im Alter von nur 25 Jahren, an einer Überdosis verstarb. Schade um den Mann und auch um seine kreative Ader, denn Der Hexenjäger ist ein wirklich guter Film geworden, der zwar streckenweise recht hart geriet, sich aber nicht in Folter- und Sexszenen suhlt. Dafür überzeugen die bedrohliche Atmosphäre und die tollen Darsteller, allen voran der zurückhaltend spielende Vincent Price in der Titelrolle (wobei Reeves lieber Donald Pleasence besetzt hätte).

Der damalige Werbespruch ist durchaus passend: „Der Hexenjäger – Diesen Mann werden Sie hassen„. Ich kann das aber noch ergänzen: „Wicked Vision Distribution GmbH – Diese Veröffentlichung werden sie lieben„. Jawoll, was hier abgeliefert wurde, ist mal wieder ein Träumchen für den Filmfan. Kein Wunder, dass die ursprünglich veröffentlichten drei Covervarianten mittlerweile nicht mehr erhältlich sind und man ein „Cover D“ nachgelegt hat. Darin enthalten ist der Film auf Blu-ray in drei Fassungen. So gibt es den Directors Cut, die Export-Fassung, die einige alternative Aufnahmen mit prallen Möpsen zu bieten hat und die US-Fassung „The Conqueror Worm“ (sowohl mit Synthie-Score von Kendall Schmidt wie auch mit der Originalmusik von Paul Ferris), natürlich alle drei wahlweise mit deutscher Tonspur. Auf DVD liegt außerdem der Directors Cut vor und den Soundtrack (also den von Paul Ferris) gibt es auf CD obendrauf. Bild- und Tonqualität können sich wie immer sehen lassen. Das weitere Bonusmaterial ist so zahlreich, dass ich es hier nicht vollständig auflisten möchte. Diverse Featurettes, Audiokommentare, Trailer, ein Vor- und Nachwort von Vincent Price himself, ein Vergleich zwischen Directors Cut und Exportversion, einleitende Worte von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, der natürlich auch bei den Audiokommentaren vertreten ist, ein Booklet von Dr. Rolf Giesen und Robert Zion und vieles, vieles mehr. Hier haben wir wieder eine Nonplusultra-Veröffentlichung. Toll.

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