1982 setzte Wolfgang Petersen mit seinem Film DAS BOOT ein dickes Ausrufezeichen und schuf nicht nur einen Meilenstein des deutschen Kinos, sondern auch einen international anerkannten Kriegsfilm-Klassiker. Ganze 18 Jahre später versuchte sich Regisseur Jonathan Mostow an einem ähnlichen Szenario und schickte eine veritable Starbesetzung auf eine explosive U-Boot-Mission. Weniger Charaktermomente, dafür mehr Pyrotechnik und reichlich US-Patriotismus. U-571 (2000) musste sich viel Kritik gefallen lassen, gerade in Bezug auf sein Drehbuch und die sehr verzehrte Wiedergabe realer Ereignisse. Studiocanal veröffentlichte den Weltkriegsthriller kürzlich frisch remastered als limitiertes Steelbook (4K UHD & Blu-ray) exklusiv im Arthaus-Shop, sowie auf Blu-ray, DVD und VoD. Ob der Film trotz seiner Schwächen für gute Unterhaltung sorgt, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: U-571

Drehbuch: Jonathan Mostow, David Ayer, Sam Montgomery

Regie: Jonathan Mostow

Darsteller: Matthew McConaughey, Harvey Keitel, Jon Bon Jovi, Bill Paxton, David Keith, Thomas Kretschmann, Jake Weber…

Artikel von Christopher Feldmann

In den späten 1990er Jahren kam das Genre des Kriegsfilms wieder in Schwung. Nicht zuletzt durch Terrence Malicks DER SCHMALE GRAT (1998) und Steven Spielbergs DER SOLDAT JAMES RYAN (1998) wurde das Publikum wieder hungrig nach Geschichten um große Schlachten und die damit verbundenen persönlichen Schicksale. Gelten die beiden erwähnten Filme, insbesondere letzterer, als große Meisterwerke, sah die Welt drei Jahre später schon anders aus, als Michael Bay PEARL HARBOUR (2001) in die Kinos brachte, der vor allem für seinen patriotischen Kitsch und die heroische Inszenierung von Explosionen gescholten wurde. U-571 (2000) von Regisseur Jonathan Mostow passt da wunderbar in die Zeit zwischen den beiden Extremen. Denn auch wenn dem Filmemacher ein über weite Strecken atmosphärischer und spannender Weltkriegsthriller gelungen ist, lassen sich dem Film ähnliche Kritikpunkte vorwerfen, die sich schon Bay gefallen lassen musste. Auf den Spuren von Wolfgang Petersens Welterfolg DAS BOOT (1982) scheitert U-571 vor allem an einer wahrheitsgetreuen Wiedergabe der Fakten und seinem sehr auf „Hollywood“ polierten Skript.

Handlung:

Im Jahr 1942 versenkt das deutsche U-Boot, U-571, ein Unterwasserboot der Alliierten und wird daraufhin von einem Zerstörer schwer beschädigt. Der folgende Hilferuf wird von den Alliierten abgefangen und obwohl verschlüsselt, können sie aufgrund der Vorfälle darauf schließen, dass das U-Boot manövrierunfähig im Atlantik treibt. Also schicken die Alliierten ein als Nazi-U-Boot getarntes US-Boot, um das deutsche Boot zu entern und dabei ein Exemplar der Enigma-Codiermaschine zu erobern. Damit würde der Verlauf des Seekriegs zugunsten der Alliierten umschwenken, da diese fortan die Nachrichten der Deutschen entschlüsseln könnten. Alles verläuft nach Plan, doch nachdem sie die U-571 geentert haben, wird ihr eigenes U-Boot von einem Torpedo zerstört. Nun sind die amerikanischen Seeleute unter der Führung von Lt. Andrew Tyler (Matthew McConaughey) auf dem beschädigten deutschen Boot gefangen und werden von der gesamten Marine des Dritten Reiches gejagt. Denn die Enigma darf um keinen Preis in den Händen der Amerikaner bleiben…

Zwar implizieren Einblendungen über Missionen der Royal Navy und US Navy, im Zuge derer Enigma-Maschinen (mit deren Hilfe deutsche, verschlüsselte Nachrichten dechiffriert werden konnten) oder zumindest Teile von ihnen sichergestellt werden konnten, einen gewissen Realitätsgehalt oder gar eine wahre Geschichte, die dem Film zu Grunde liegt, schlussendlich ist die Story von U-571 allerdings reines Hollywood-Garn oder gar ausgemachter Bullshit, wenn man es harsch formulieren möchte. Tatsächlich basiert die Handlung auf Bemühungen der Royal Navy, die nachweislich die erste Enigma-Maschine von einem deutschen U-Boot erbeuten konnte. So musste der Film vor allem in Groß-Britannien viel Kritik einstecken, da er die Ereignisse verzerrt und dem Zuschauer eine amerikanische Heldengeschichte vorsetzt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Royal-Navy-Offizier David Blame, der im zweiten Weltkrieg das erste Enterkommando anführte, das erfolgreich eine Enigma-Maschine in seinen Besitz bringen konnte, erzählte später, dass der Film ohne die „Amerikanisierung“ nicht finanzierbar gewesen wäre.

Wie dem auch sei, U-571 ist kein faktengetreuer Kriegsfilm, sondern ein klassisches Hollywood-Märchen, zugeschnitten auf ein amerikanisches Publikum. Wem bei dieser Tatsache schon das kalte Kotzen kommt, sollte die 62-Millionen-US-Dollar-Produktion weiträumig umfahren. Wer sich sich davon frei machen kann, bekommt immerhin hochwertig produziertes Unterhaltungskino geboten, das immerhin auf technischer Ebene punkten kann. Jonathan Mostow, der mit dem sehenswerten Thriller BREAKDOWN (1997) auf sich Aufmerksam machen konnte und 2003 TERMINATOR 3 – REBELLION DER MASCHINEN (der im Anbetracht dessen, was darauf folgen sollte gar nicht so schlecht dasteht) inszenieren durfte macht hier einen wirklich guten Job. Gerade die Szenen in den engen Gängen des deutschen U-Boots besitzen eine gewisse Intensität. Mittels effektiver Close-Ups wird die Beengtheit gut visualisiert und immer wenn es an allen Ecken und Enden knarzt, stellt sich beim Zuschauer ein beklemmendes Gefühl ein. Man merkt, dass sich Mostow ein Stück weit Inspiration bei Petersens Klassiker geholt hat, punktet U-571 doch zumindest mit einer authentischen Darstellung der Männer unter Deck.

Abstriche muss der Zuschauer in erster Linie beim Drehbuch machen, dass sich verschiedenster Versatzstücke bedient und diese mit einer großen Portion US-Patriotismus anreichert. Gestandene Soldaten, die bereit sind, ihr Leben für das Vaterland zu geben und ohne zu zögern Kammeraden opfern, solange es der guten Sache dient. In dieser Hinsicht trägt das Skript, an dem u.a. David Ayer beteiligt war, der später noch die Drehbücher zu THE FAST AND THE FURIOUS (2001) und TRAINING DAY (2003) liefern sollte, mächtig dick auf. Selbst Bill Paxton darf vor seinem Ableben nochmal an den Kampfgeist seiner Mannschaft appellieren und dramatisch zu einem erfolgreichen Abschluss der Mission ermutigen. Leider schleichen sich auch einige Logiklöcher ein, die mich immer mal wieder herausgerissen haben. Wieso funktioniert ein manövrierunfähiges U-Boot auf einmal wieder, nachdem die Amerikaner dieses eingenommen haben? Es ist nicht die einzige Ungereimtheit, die sich eingeschlichen hat aber trotzdem hatte ich mit dem Film einen unterhaltsamen Abend. Denn irgendwann schafft es Mostow tatsächlich Spannung aufzubauen, wenn die Crew sich in einem fremden U-Boot zurechtfinden muss, in dem alles in deutscher Sprache geschrieben ist und um sie herum die Wasserbomben detonieren.

Auch die Besetzung kann sich durchaus sehen lassen. Matthew McConaughey, damals noch ein Shooting Star in Hollywood, macht als erster Offizier, der Verantwortung übernehmen muss, einen guten Job und schafft es, den Film zu tragen. Ihm zur Seite stehen Charakterdarsteller Harvey Keitel, David Keith und Softrocker Jon Bon Jovi, der aber irgendwann fast schon unbemerkt aus dem Film verschwindet. Informationen zufolge wurde sein Ableben aus dem Film herausgeschnitten, da es bei Testscreenings negative Reaktionen hervorrief. Bill Paxton hat indes nur eine Nebenrolle und Deutschland-Export Thomas Kretschmann darf, Überraschung, den Nazi geben. Tatsächlich funktioniert die Besetzung sehr gut, auch wenn die Nebenfiguren etwas unterfüttert bleiben.

Studiocanal veröffentlichte den Film kürzlich als Neuauflage im Heimkino, mit neuem 4K-Master vom Originalnegativ (einen Bildvergleich mit der alten HD-Fassung könnt ihr unten im Video sehen). Das Bild bietet nochmal mehr Schärfe als die Erstauflage und auch die Farben fallen kräftiger aus. Der Sound ist wuchtig und rundet das Seherlebnis hervorragend ab. Die Extras beinhalten einen Audiokommentar des Regisseurs, Making-Of, Featurettes und Interviews mit Cast und Crew.

Fazit:

U-571 (2000) ist kein Meisterwerk aber ein durchaus unterhaltsamer Weltkriegs-Actionthriller. Wer sich von den Drehbuchschwächen, dem Pathos und der Tatsache, dass man hier relativ dreist reale Ereignisse zu einem amerikanisierten Märchen zusammengebaut hat, bekommt einen gut produzierten, stellenweise auch spannenden Film mit hochkarätiger Besetzung.

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