Man merkt dem Streifen an, dass Donnie Yen zu der Zeit ebenfalls in die John Wick 4-Produktion eingebunden war, denn The Prosecuter profitiert enorm von Yens Hollywood-Erfahrung, der so die Produktionsqualität Hollywoods in den Hongkong-Film einfließen lassen wollte. Und es ist ihm gelungen. Donnie Yen präsentiert für seine Regiearbeit nicht nur eine formidable Besetzung, sondern auch noch sorgfältig gebaute Sets, sowie eine ausgewogene Actionregie durch eine japanische Kampfchoreografin und Donnie Yens Stuntmen-Team. Der Meister selbst hielt sich hier bedeckter als sonst und legt sein Augenmerk auf ein nuanciertes Schauspiel und einem völlig außergewöhnlichen Genre-Mix aus Actionfilm und Justizdrama, was selbst für Hongkong Verhältnisse eine sehr seltene Mischung ist. Besonders in dieser Produktionsqualität, die in Sachen Kameraführung, Musik und Ausstattung einer Hollywood-Produktion in nichts nachsteht. Klar, das war Absicht. Zartbesaitete Kritiker monierten einst die Unausgewogenheit im Drehbuch, dass das (auf realen Ereignissen basierende) Justizdrama eigentlich nur oberflächig streift und so das enorme Potential für einen Gerichtsthriller links liegen lässt. Donnie Yen war im Originaldrehbuch überhaupt nicht vorgesehen und wurde dann in einer überarbeiteten Version mit ein paar Actionszenen hineingeschrieben, was den Anteil des Gerichtsthrillers zur wohlfeilen Oberfläche reduzierte und Donnie Yen so erstmals Kämpfe mit schlagfertigen Dialogen im Gerichtssaal ermöglichte. Klingt albern? Oh nein. Das funktioniert. Der Film beginnt mit einer hyperdramatischen Actionsequenz, die irgendwie an die Jungs vom John Wick-Team adressiert zu sein scheint: „Was ihr könnt, können wir geiler!“. In den ersten neun Minuten erleben wir als Zuschauer nicht nur die knüppelharte Actionsequenz mit Detective Fok, sondern auch noch, wie sie den darauffolgenden Gerichtsprozess gegen die Verhafteten verliert, wie Fok kündigt, sich zum Staatsanwalt umschult lässt und drei Jahre später strahlend-frisch-arrogant seinen Dienst fürs Justizministerium antritt. Diese Art der Niederlage wird sich nicht noch einmal wiederholen. PLAION PICTURES brachte diesen hervorragend inszenierten Actionfilm nun im Heimkino heraus.

Originaltitel: Ng poon
Darsteller: Donnie Yen, Francis Ng, Julian Cheung, Kent Cheng, Michael Hui, Ray Lui, Mandy Wong, Klyster Yen
Artikel von Kai Kinnert
Als frisch gebackener Staatsanwalt hat sich Fok Chi-ho ganz der Gerechtigkeit verschrieben. Doch schon der erste Prozess stellt seine Überzeugungen auf eine harte Probe. Der Kleinkriminelle Ma hat eine Lieferung von einem Kilogramm Kokain erhalten, beteuert aber seine Unschuld. Auf Anraten seiner Anwälte bekennt sich Ma schnell schuldig, doch anstatt einer niedrigen Strafe wird er zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Fok, der früher ein Cop war, stellt weitere Ermittlungen an – und stößt auf Korruption und die komplexen Netzwerke des organisierten Verbrechens.

Wenn man ganz genau hinschaut, hat der Film natürlich ein paar Schwächen. Donnie Yen als Staatsanwalt funktioniert für mich, er macht eine gute Figur im Gerichtssaal. Nur leider musste man den Spagat zwischen Donnie Yen als Staatsanwalt und Donnie Yen der Martial Arts Kämpfer machen, denn von Donnie Yen erwartet man schlicht, dass er auch kämpft. Also baute man dem Staatsanwalt mit der elegant verpackten Brechstange die Möglichkeit zur körperlichen Auseinandersetzung ein, was dafür dann auf Kosten der Gerichts- und Ermittlungsszenen geht, die den Mitteilteil des Films stellen und so eigentlich zur bunten Oberfläche degradiert werden. Aber was soll ich sagen? Das macht überhaupt nichts aus! Der Film ist ein wilder Genre-Mix und sein Anliegen ist weder die politische Aufklärung, noch ein Kampf im Gerichtsaal oder ein Ermahnen an die Justiz, stets nach der Wahrheit zu streben, sein Anliegen ist schlicht das Entertainment. Und da Donnie Yen wusste, dass er sich mit so einer Rolle auf dünnes Eis begibt, hat er dafür gesorgt, dass der Film in jeder Sekunde ein hochwertiges Produkt ist. Erst im Making Of habe ich gesehen, dass der Gerichtsaal, in dem der Film ja auch einige Zeit verweilt, komplett im Studio nachgebaut wurde. Und nicht aus Obstkisten und für 1000 Dollar, sondern richtig fett und akkurat, da wurde bis zum Lederbezug des Richterstuhls, der Holzmaserung, bis zur schweren Deckenleuchter hoch an alles gedacht. Ein „Großer Gerichtsaal“ aus der Zeit von vor 1997, akkurat gebaut und bespielt. Fantastisch. Ein ähnlich großes Set gibt es für das Finale. Ein Kampf in der U-Bahn, auch ein Studiobau und hier tatsächlich aus Stahl mit Gleisen und echt aufgebauten Wagons.
Neben den tollen Sets gibt es eine Besetzung, die allesamt mit größter Spielfreude eine wunderbare Leistung abgeben. Ein hervorragendes Ensemble, ob das nun der famose Kent Cheng ist, Michael Hui, Julian Cheung oder natürlich der große Francis Ng, der hier mit Schmiss und Augenzwinkern den völlig blasierten Oberstaatsanwalt gibt und sich dann auch (freundschaftlich) mit Donnie Yen rangeln darf.

Die Action zur Eröffnung des Films ist ein organischer Fluss und hat ordentlich Rumms. Danach raufte man sich wahrscheinlich die Haare und fragte sich, wie man Donnie Yen in die nächsten Actionszenen bekommt. Aber man hat es irgendwie hinbekommen. Mal abgesehen vom harten Finale gibt es noch diese große Actionsequenz auf dem Dach eines Wolkenkratzers und in den üblichen Tiefgaragen, sowie Scharmützel auf offener Straße. Die Fights können sich sehen lassen, da gibt es einige sehenswerte Momente.
The Prosecutor ist bestes Entertainment aus Hongkong. Der Film ist oberflächig, aber er ist gut. Die Kameraführung, das Setting, das Tempo, die Kämpfe und vor allem – die Besetzung! Sogar der Vater von Donnie Yen spielt mit. Als Vater von Staatsanwalt Fok. The Prosecutor ist rundes, knackiges Hongkong-Actionkino mit dem sehenswerten Ansatz des Gerichtsthriller, der Donnie Yen auch gut zu Gesicht steht. Da dürfte Donnie Yen gerne mehr wagen!

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt es ein kurzes Making Of und ein kurzes Behind The Scenes, sowie Trailer.
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