Warum ein Film, der in Arizona spielt und im Original The Rounders heißt, in Nebraska umgetauft wurde, wird ein ewiges Geografie-Geheimnis des deutschen Verleihers bleiben, zumal im letzten Drittel des Films auch noch ein großes Schild mit der Aufschrift Sedona Arizona Rodeo prangt. Das Rodeo gibt es übrigens noch heute und gilt als das „älteste Rodeo der Welt“. Western-Routinier Burt Kennedy war damals dick im Geschäft und drehte durchaus sehenswerte Klassiker, die stets eines gemeinsam hatten: sie waren nie zu lang. Am bekanntesten wird hierzulande wohl sein Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (1969) und die indirekte Spin-Off-Fortsetzung Latigo (1971) sein, wobei Kennedy ein Händchen für die 1960er-Western-Style-Comedy bewies. Dass der Mann auch die harte Western-Gangart beherrschte, zeigte er mit dem blutigen Revenge-Western In einem Sattel mit dem Tod (1971). Doch für Nebraska schwang sich Kennedy in den launigen Comedy-Sattel und drehte eine moderne Komödie, die zwar im Westen spielt, wohl aber kein eigentlich Western ist. „It is the new west!“ wird der Originaltrailer auf der Blu-ray nicht müde zu verkünden, denn der Film spielt in der Zeit, in der er gedreht wurde und bedient allerlei launigen Rodeo-Humor. Und ganz nebenher wirkt der Film wie das Reagenzglas für Taylor Sheridans zukünftigen Yellowstone-Kosmos, der sich für seine Serie ausführlich an sämtlichen Western-Klassikern Hollywoods bediente. Henry Fonda und Glenn Ford wirken beim Hantieren mit den Pferden in ihren Lee-Jeans-Klamotten so zeitlos modern, dass man den Auftritt von Kevin Costner in jeder Sekunde erwartet. PLAION PICTURES bringt den Film nun auf Blu-ray heraus.

Originaltitel: The Rounders

Regie: Burt Kennedy

Darsteller: Henry Fonda, Glenn Ford, Sue Ane Langdon, Hope Holiday, Kathleen Freeman, Joan Freeman, Chill Wills

Artikel von Kai Kinnert

Wie nennt man einen Cowboy, dem der Hirnschmalz rausgetreten wurde? Einen Rodeo-Reiter. Ben Jones und Howdy Lewis, Gott sei ihnen gnädig, sind Rodeo-Reiter. Die beiden Knallchargen sind Cowboy genug, um fast jeden Job zu erledigen – außer den, den sie vor sich haben, nämlich einen widerspenstigen Rotschimmel namens Old Fooler zu satteln und so zahm wie ein Kalb aus dem Milchstall zu machen. Eine unmögliche Aufgabe, die bei den Cowboys jedoch die grauen Zellen anregt: Wenn keiner den alten Gaul zähmen kann, könnten mit ihm vielleicht ein paar Dollar beim Rodeo rausspringen.

Ben Jones (Glenn Ford) und Howdy Jones (Henry Fonda) sind wahrlich nicht die hellsten Kerzen auf der Rodeo-Torte, aber sie sind die Einzigen, die zuverlässig auch die störrischsten Gäule einreiten können. Und so landen sie quasi in einer Dauerschleife jedes Jahr wieder auf der „Love Ranch“ von Jim Ed Love (Chill Wills), einem windigen Rancher, der zwar die Löhne drückt, aber eine hübsche Tochter hat und mangels Alternativen der einzige Arbeitgeber für die beiden Cowboys in der Gegend ist. Dieser Rancher hat einen wahrlich schwierigen Rotschimmel in seiner Herde, den niemand einreiten kann. Er ist einfach zu bockig und wirft alle Reiter ab. Erst wirkt das Tier ganz dröhnig und harmlos, doch dann geht’s mit dem Gaul durch und er bockt wie wild herum. Nachdem sie also eine Herde Pferde für Ed Love eingeritten haben, dürfen Ben und Howdy den Rotschimmel behalten, sozusagen als Lohn, und treiben als nächsten Job den Winter über entlaufenes Vieh wieder ein. Dies ist dann auch der Moment im Film, in dem die große Westernkulisse, die atemberaubende Landschaft, zum Tragen kommt. Wenn Henry Fonda und Glenn Ford sich auf ihre Pferde schwingen und vor imposanter Kulisse das Vieh zusammengetrieben und mit den gezähmten Pferden geritten wird, vergisst man glatt die im Film vorkommenden Autos, einen Spielmannszug und die Las-Vegas-Tänzerinnen gänzlich. Der Film versucht irgendwie eine Schnittstelle zwischen liebgewonnen Sehgewohnheiten im Western-Genre (beeindruckende Landschaften) und einer modernen Sixtees-Comedy zu sein, was ihm auch gelingt. Die beiden Stars Fonda und Ford tragen mit ihren etwas dödeligen Rollen den Film, wobei Fonda sichtbaren Spaß daran hatte, den etwas niederschwelligen Dumpfkopf Howdy zu spielen, der mit seinem Running-Gag „Warum sollte ich dagegen sein, mir fällt ja doch nichts besseres ein!“ durchaus den Zuschauer zu amüsieren weiß. Ähnlich auch Glenn Ford, der etwas wacher wirkt und wohl nicht so oft beim Rodeo auf den Kopf fiel, wie Howdy. Sein Running-Gag ist die Vorstellung darüber, wie er diesen störrischen Gaul umbringt, welche Methoden er dafür anwendet und was er danach mit den Resten machen wird. Seine finale Fantasie zum Thema ist am Ende des Films dann auch tatsächlich ziemlich lustig. Apropos Rodeo. Es gibt einige Rodeo-Stürze zu bewundern, gerade im Finale mit dem echten Sedona Arizona Rodeo, da schlägt man sich die Hände vors Gesicht. Wie kann man denn diesen Job länger als einen Nachmittag machen? Ob nun professioneller Rodeo-Reiter oder Stuntman: die Stürze sind ungebremst und oft genug wird hier frontal verdreht auf dem Maul gelandet und hinten knallt einem noch der Huf aufs Knie. Es gibt auch einen Sturz von einem Pferd zu sehen, dem ich als Laie hinterher keine Chance mehr geben würde.

Ich möchte allerdings glauben, dass in Nebraska keine Tiere zu Schaden kamen, denn eigentlich geht es in diesem Film auch um Tierliebe. Auch wenn Howdy und Ben oft über den Rotschimmel schimpfen und sich Tötungsfantasien ausdenken, ist ihnen das treue Pferd längst ans Herz gewachsen und sie opfern sogar ihr letztes Geld für den Tierarzt, nur damit es dem Pferd wieder bessergeht. Sie können sich einfach nicht von dem Rotschimmel trennen, der von Ford und Fonda auf der Ladefläche ihres Pickups durch die Lande gefahren wird. Am Ende muss in dieser Sache allerdings eine Entscheidung getroffen werden, die dann nochmal in einem Twist mündet und die Story im Grunde wieder von vorne beginnen lässt.

Nebraska ist kurzweiliges und launig vorgetragenes Comedy-Kino der 1960er mit gut aufgelegten Hauptdarstellern vor beeindruckender Kulisse. Es gibt einige funktionierende Gags, deftige Rodeo-Stürze und im letzten Drittel noch etwas schlüpfrigen Sexismus-Humor damaliger Tage dazu, was aber insgesamt rund in diesen Film passt, der von Burt Kennedy mit sicherem Blick auf die Laufzeit inszeniert wurde. Wer sich für Fonda und Ford auf Pferden begeistern kann, bekommt hier einen Film serviert, der ganz auf seine beiden Hauptdarsteller zugeschnitten wurde. Mir hatte es gefallen.

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und ein Booklet mit einem Text von Fritz Göttler.

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