Aus dem Hause HANSESOUND im Vertrieb von LIGHTHOUSE FILM kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder höchst interessante und weitestgehend in Vergessenheit geratene Klassiker in die Verkaufsregale. Hier zum Beispiel haben wir einen eher unbekannten Film der legendären Hammer Film Productions, die mit ihren Dracula-Verfilmungen mit Christopher Lee und Peter Cushing für weltweites Aufsehen sorgten und über viele Jahre als verlässliche Lieferanten für gotischen Gruselstoff die Kinosäle zum Bersten brachten. Doch Paranoiac – Haus des Grauens ist kein Vertreter der Horrorzunft, sondern ein waschechter und absolut sehenswerter Thriller mit einem blutjungen Oliver Reed in einer der Hauptrollen.

Originaltitel: Paranoiac

Regie: Freddie Francis

Darsteller: Janette Scott, Oliver Reed, Alexander Davion, Sheila Burrell

Artikel von Christian Jürs

Für mich waren die Hammer Film Productions immer ein Hort der Vampire, Werwölfe und von Frankensteins Monster. Erst im digitalen Zeitalter bekam ich überhaupt mit, dass die britische Filmschmiede auch im Thriller-Genre ihre Fühler ausgestreckt hatte. So entdeckte ich recht spät immer wieder kleine Perlen wie Der Satan mit den langen Wimpern oder eben Paranoiac – Haus des Grauens, ein kleines, ungeschliffenes Juwel, inszeniert und geschrieben von zwei der besten Mitarbeiter des Studios.

Doch was konnte bei einem Drehbuch von Jimmy Sangster schon schief gehen? Immerhin war der Mann zeitlebens verantwortlich für viele Skripte der Dracula- und Frankenstein-Filme aus dem Hause Hammer. Seine, von ihm selbst nicht gemochte, Regiearbeit Nur Vampire küssen blutig liebe ich auch von ganzem Herzen. Doch auch mit Freddie Francis auf dem Regieposten konnte nicht viel schief gehen. Zwar befand sich dieser noch am Anfang seiner Karriere, doch konnte der spätere Regisseur vom großartigen Draculas Rückkehr bereits hier seine Stilsicherheit unter Beweis stellen. In schönstem Schwarzweiß, angelehnt an die Werke seines Idols Alfred Hitchcock, schuf er mit Paranoiac – Haus des Grauens einen Thriller voller inszenatorischer Eleganz. Dies beweist er gleich zu Beginn, wenn die Kamera über die für die Handlung schicksalhaften Klippen hinweg, weiter ihren Weg über einen Friedhof samt Familiengrab in die Kirche hineinfindet. Dort finden sämtliche Hauptfiguren zusammen, deren Schicksal im Laufe des Filmes über für uns von Relevanz sind.

Die Familie Ashby musste in der Vergangenheit mehrere Schicksalsschläge hinnehmen. Nicht nur die Eltern verstarben vor mehreren Jahren, nein, auch ihr Sohn Tony stürzte sich vor mehreren Jahren die einleitenden Klippen hinab in den Tod. Seine Leiche wurde zwar nie gefunden, lediglich ein Abschiedsbrief blieb den Hinterbliebenen. Diese bestehen aus der kalten Tante Harriet (Sheila Burrell), der durch den Tod ihres geliebten Bruders verängstigten Eleanor (Janette Scott) und dem alkoholsüchtigen und aufbrausenden Bruder Simon, den man mit Oliver Reed nicht treffender besetzen hätte können. Außerdem wären da noch Eleanors Krankenschwester Françoise (Liliane Brousse), die eine Affäre mit Simon hegt und ein plötzlich auftauchender Fremder (Alexander Davion), der nicht nur dem Verstorbenen Tony zum Verwechseln ähnlichsieht, sondern auch behauptet, eben dieser Tote zu sein. Sein Timing könnte nicht besser sein, denn in wenigen Tagen sollte das Erbe unter den Geschwistern aufgeteilt werden. Hierbei versucht Simon immer wieder, seine Schwester als geistig verwirrt hinzustellen. Das Auftreten des vermeintlich Toten ist für ihn natürlich ein weiterer Stolperstein zum großen Erbe. Doch ist der vermeintliche Tony wirklich der Todgeglaubte oder ein Schwindler?

Auch wenn die Story weit weg von wirklichem Thrill oder gar allzu großen Überraschungen ist (den Plot-Twist gegen Ende kann man durchaus erahnen), gibt es neben der gelungenen Atmosphäre und dem durchaus durchdachten Drehbuch einen Hauptgrund, diesen Film unbedingt ins Regal zu stellen. Dieser lautet ganz klar: Oliver Reed

Zwar bieten alle Darsteller eine gute Vorstellung, doch werden sie durch den noch jungen, späteren Hollywoodstar locker an die Wand gespielt. Bereits zwei Jahre zuvor konnte der Mime für die Hammer Film Productions als vom Schicksal gebeutelter Werwolf in Der Fluch von Siniestro brillieren (und danach an der Seite Peter Cushings in Die Bande des Captain Clegg auftreten). Hier steht ihm der Wahnsinn teilweise beängstigend ins Gesicht geschrieben. Beispielsweise in einer Kneipenszene, in der er mit Dartpfeilen auf einen anderen Gast losgeht und dabei mit großen, irren Augen direkt in die Kamera starrt, spürt man auch als Zuschauer die Bedrohung. Nur gegen Ende übertreibt er hier und da ein wenig. Trotzdem, seine Darstellung ist eine beeindruckende Leistung.

Mir lag zur Rezension die Mediabook-Variante vor (gibt es in zwei Cover-Varianten). Der Film wurde in remasterter Version veröffentlicht, die gestochen scharf ausschaut und auch der Ton (Deutsch & Englisch Blu-ray DTS-HD MA 2.0 / DVD Dolby Audio 2.0) überzeugt. Im Bonusbereich gibt es Trailer, sowie Bio- und Filmografien zu entdecken. Das Mediabook verfügt außerdem über ein 24-seitiges Booklet, verfasst von Mr. Moviestar Peter Osteried. Die Einzel-Veröffentlichungen haben ein Wendecover ohne FSK-Flatschen.

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