An Weihnachten kämpften nicht nur die blauhäutigen Na’vi um den Erhalt ihrer Umwelt an der Kinokasse, auch eine Gruppe windiger Guerilla-Filmemacher begab sich auf in den Dschungel, um ein Remake des Neunziger Kultfilms Anaconda zu inszenieren. In den Hauptrollen dieser Meta-Komödie agieren Jack Black und Paul Rudd – da ist Chaos vorprogrammiert. SONY PICTURES, im Vertrieb von PLAION PICTURES, lassen die Würgeschlange jetzt, nach erfolgreichem Kinoeinsatz, auch im Heimkino für gruselige Lacher sorgen. Doch was taugt die Verballhornung des einstigen Tier-Horror-Franchises wirklich?

Regie: Tom Gormican
Darsteller: Paul Rudd, Jack Black, Thandiwe Newton, Steve Zahn, Daniela Melchior, Selton Mello
Artikel von Christian Jürs
Da werden Erinnerungen an Ben Stillers großartige Meta-Komödie Tropic Thunder wach. Ein Filmteam, bestehend aus ziemlichen Idioten, die sich durch die Botanik kämpfen müssen, während ihr Leben in Gefahr schwebt – dort, wie auch hier, mit Jack Black in einer der Hauptrollen besetzt. Doch während Tropic Thunder als bissige und treffsichere Satire daherkam, geht Anaconda anno 2025 den Weg der reinen Slapstick-Komödie, gepaart mit einer Prise jugendfreiem Horror.

Doug McCallister (Jack Black) und Ronald Griffen jr. (Paul Rudd), genannt Griff, sind Freunde seit Kindheitstagen. Bereits damals haben die beiden mit ihren Freunden und einer Heimkamera trashige Actionfilme gedreht und auch als Erwachsene sind sie noch immer in diesem Bereich tätig. Während Griff sich als Schauspieler in Komparsenrollen herumschlägt, verdient Doug sein Geld mit dem Erstellen von Hochzeitsvideos. Eines Tages aber, an Dougs Geburtstagsparty, verlautet Griff die überraschende Nachricht, dass er an die Rechte vom Anaconda-Franchise gekommen sei, und schlägt seinen Freunden, zu denen auch seine Ex-Freundin Claire (Thandiwe Newton) und der stets betrunkene Kenny (Steve Zahn) gehören, vor, ein eigenes Reboot auf die Beine zu stellen.
Nach kurzer Überlegung stimmen die Freunde zu und machen sich auf, zwecks Finanzierung die Banken abzuklappern. Schnell stellt sich dabei heraus, dass ihr Horrorfilm eher eine Low Budget-Produktion werden wird. Also macht man sich auf nach Brasilien (gedreht wurde aber in Australien), wo sie auf den Bootskapitän und Schlangenhändler Carlos Santiago Braga (Selton Mello) treffen. Da ihm nicht nur das Boot, sondern auch eine zahme Anaconda gehören, machen sie sich alsbald auf, ihren Film während einer wilden Flussfahrt zu inszenieren. Mit an Bord befindet sich auch die etwas undurchsichtige, aber, wie sich herausstellt, vor der Kamera recht talentierte Ana Almeida (Daniela Melchior), die schnell eine Hauptrolle bei Doug einheimsen kann – sehr zum Missfallen von Griff und Claire. Doch die junge Dame ist nicht ihr einziges Problem, denn Griff tötet aus Versehen die titelgebende Schlange, woraufhin guter Rat teuer ist. Eine neue Riesenschlange muss her und daher begibt man sich tief in die Natur. Was die Freunde nicht ahnen, ist, dass eine gewaltige Riesen-Anaconda dort unterwegs ist. Immer auf der Suche nach Nahrung.

Die Idee, aus Anaconda eine Buddy-Komödie zu machen und gleichzeitig noch eine Liebeserklärung an das wilde Independent-Filmemachen hinzuzugeben, klingt auf dem Papier erstmal hervorragend. Wenn dann noch die Besetzung stimmt, was soll da schon schiefgehen? Nun, leider so einiges. Denn auch wenn Paul Rudd und Jack Black wie immer sympathisch wirken, so recht möchte sich ihre gemeinsame Chemie nicht einstellen. Schlimmer noch, sie spulen ihr gewohntes Programm im niedrigen Gang durch. Jack Black, der im thematisch ähnlich gelagerten Abgedreht – Be Kind Rewind frisch und treffsicher agierte, spult hier mal wieder seine Jumanji-08/15-Nummer ab – und zwar ohne jeglichen Esprit. Bei Paul Rudd empfand ich es als noch schlimmer. Der ewig jugendliche, eigentlich sehr sympathische Mime nutzte sich zuletzt in seiner stets gleichen Rolle des verschmitzten Taugenichts, der über sich hinauswachsen muss, deutlich ab. So haben wir ihn in den letzten Jahren einfach zu oft erlebt. Egal ob in Ghostbusters: Frozen Empire, Death of a Unicorn oder eben hier – es wirkt wie Anwesenheit für den Paycheck. Wie bei einem herkömmlichen Büroangestellten, der seinen alltäglichen Nine-to-Five-Job absolviert. Von Steve Zahn, der den undankbaren Job hat, seinen alkoholkranken Filmcharakter witzig darzustellen oder Thandiwe Newton, die sich abmüht, eine schlechte Schauspielerin zu spielen und dabei selbst wie eine herüberkommt, fange ich besser gar nicht erst an. Die Witze stammen vom Reißbrett.
Was den neuen Anaconda-Film ehrt, ist, dass man sich bemühte, eine neue, originelle Sichtweise auf das ausgemergelte Franchise zu werfen. Die Idee mit dem Filmdreh ist zwar nett und Anaconda besitzt auch reichlich Tempo und will auf Teufel-komm-raus gute Laune verbreiten, doch was nützt es, wenn die Gags nicht zünden wollen? Da helfen auch die eingestreuten Cameos wenig. Wer zudem Bock auf einen Schlangen-Horrorfilm hat, der wird sowieso enttäuscht, denn für diesen Part verschwendet der Film nur wenige, handzahme Minuten. Der zusätzlich eingefügte Gangster-Action-Handlungsteil, den ich aufgrund seiner Nichtigkeit hier gar nicht erst zum Thema gemacht habe, wirkt ebenso deplatziert, zumal der eigentlichen Prämisse, talentlose Filmemacher drehen einen Horrorfilm, dadurch noch mehr Raum genommen wird.

Tropic Thunder, Abgedreht – Be Kind Rewind oder vor allem der brillante, in Vergessenheit geratene Living on Oblivion mit Steve Buscemi als gestresster Indie-Regisseur – sie alle wären eine bessere Wahl als Anaconda. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung, denn bekanntlich zünden Komödien bei jedem Zuschauer anders. Sagt aber hinterher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt.
Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Variante vor. Im Bereich der Extras gibt es entfernte und erweiterte Szenen, Outtakes und Pannen und vier weitere Featurettes zu finden.
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