Star Wars-Sternchen Daisy Ridley in einem Zombiefilm? Einem Genre, welches in den letzten Jahren über alle Maße ausgeschlachtet wurde und zu dem mittlerweile alles gesagt wurde? Nein, nicht ganz! Denn hinter We Bury the Dead steckt kein geringerer als Regisseur und Drehbuchautor Zak Hilditch. Der Name sagt euch vermutlich nichts, der Mann hat aber im Jahr 2013 mit seinem Weltuntergangs-Drama These Final Hours bewiesen, dass er ausgelutschten Ideen neue Impulse verschaffen kann. Ob ihm dies auch im Fall dieses Zombiefilms gelungen ist, der jetzt von CAPELIGHT PICTURES im Handel erschienen ist, klären wir in der Kritik.

Drehbuch und Regie: Zak Hilditch
Darsteller: Daisy Ridley, Brenton Thwaites, Mark Coles Smith, Matt Whelan, Chloe Hurst
Artikel von Christian Jürs
Dass We Bury the Dead bereits 2024 entstand, macht ihn ein klein wenig visionär. Denn Schuld an der hier geschilderten Zombie-Apokalypse sind tatsächlich die USA, denen ein militärisches Missgeschick geschah, woraufhin die Toten wieder auf die Erde zurückkehrten. Wer denkt bei USA und Missgeschick nicht auch gleich an den dementen Orangenmann in seiner zweiten Amtszeit? Ich jedenfalls musste, trotz der tragischen Prämisse, erstmal kräftig schmunzeln. Doch der Reihe nach.

Der Test einer US-Massenvernichtungswaffe vor der Küste Tasmaniens führt zu einer Katastrophe, bei der eine halbe Million Einwohner ums Leben kommen. Jetzt werden Freiwillige für Aufräumarbeiten gesucht und um die wenigen unter den Opfern zu finden, die nach dem schrecklichen Ereignis aus unerfindlichen Gründen wieder zu geistlosem Leben erwacht sind. Diese wenigen Opfer stehen meist teilnahmslos in der Gegend herum und bewegen sich sehr langsam, weswegen das Militär leichtes Spiel mit der Entsorgung der scheinbar Hirntoten haben. Auch die Amerikanerin Ava (Daisy Ridley) meldet sich freiwillig zur Teilnahme an den Suchtrupps, jedoch nicht ohne Hintergedanken. Ihr Ehemann Mitch (Matt Whelan) befand sich zum Zeitpunkt der Detonation aus beruflichen Gründen auf Tasmanien. Um Gewissheit über sein Schicksal zu bekommen, versucht sie, zu seinem Aufenthaltsort durchzudringen.
Doch zunächst muss Ava mit Clay (Brenton Thwaites), einem weiteren Freiwilligen dem sie zugeteilt wurde, in Häuser eindringen und die dort liegenden Toten auf die Straße tragen, wo diese vom Militär in Massengräbern entsorgt werden. Es dauert einige Zeit, bis sie auf den ersten, lebenden Toten treffen, der teilnahmslos in der Gegend herumsteht und umgehend von der Armee erschossen wird. Ava hinterfragt, ob diese wenigen noch lebenden Körper eventuell doch noch Menschlichkeit in sich tragen, und gibt die Hoffnung nicht auf, Mitch eventuell doch noch retten zu können. Hierfür bittet sie Clay, ihr zu helfen, sich von der Gruppe zu entfernen, um auf eigene Faust auf die Suche zu gehen. Der willigt zwar ein, doch die gemeinsame Reise entpuppt sich als gefährlich, denn nicht nur, dass die auferstandenen Leichen immer mobiler werden, auch einige Menschen, denen sie begegnen, entpuppen sich als alles andere als vertrauenswürdig.

Splatterfans werden enttäuscht sein von We Bury the Dead, denn Blut und Gedärm gibt´s hier nicht zu sehen. Stattdessen herrscht melancholische Endzeitstimmung, wie schon im Jahr 2013 entstandenen These Final Hours, den ich bereits im Vorwort erwähnt habe. Ähnlich wie bereits dort, gelingt es Drehbuchautor und Regisseur Zak Hilditch auch hier, glaubhaft handelnde Figuren zu erzeugen, deren Handeln nachvollziehbar für das Publikum bleiben. An die emotionale Wuchtigkeit des unausweichlichen Untergangs aus These Final Hours kommt er zwar diesmal nicht heran, kalt ließ mich die Geschichte allerdings auch nicht. Fans subtilen Horrors kommen aber letztlich trotzdem auf ihre Kosten, denn nach und nach werden die „Zombies“ agiler und bedrohlicher – und knirschen außerdem extrem unangenehm mit ihren Kauleisten. Zahnärzte raten ab!
Überraschend für mich war das durchweg überzeugende Spiel von Daisy Ridley, deren Figur Rey mir spätestens seit Star Wars – Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers mächtig auf die Nerven ging. Später entstandene Filme wie zuletzt der Action-Heuler Cleaner deuteten nicht darauf, dass Frau Ridley eine gute Schauspielerin mit weiteren Karrierechancen sei. Ganz anders hier. Die verzweifelte Ehefrau, die unbedingt Klarheit über das ungewisse Schicksal ihres Mannes erhalten möchte, nahm ich ihr durchweg ab und litt mit ihr. Ihr Zusammenspiel mit Brenton Thwaites (Oculus: Das Böse ist in dir) harmoniert bestens. Zwar gibt es in We Bury the Dead nur wenig Action, die düster-traurige Atmosphäre trägt aber ebenso die Spannung, die mich in ihren Bann zog. Das Ende des Films ist schließlich die Kirsche auf der Sahne und regt zum Nachdenken an.

Zur Rezension stellte capelight pictures mir freundlicherweise die Mediabook-Variante zur Verfügung. Bild- und Tonqualität sind entsprechend top, die Synchronisation ebenfalls (Daisy Ridley wurde von ihrer Stammsprecherin Kaya Marie Möller eingesprochen). Im Bonusbereich gibt es lediglich Trailer, im Inneren des Mediabooks befindet sich aber noch das obligatorische Booklet. Dieses wurde von Adrian Gmelch kompetent verfasst und sollte erst, aufgrund massiver Spoiler, nach dem Filmgenuss gelesen werden.
Wer also Lust auf frischen Wind im ausgelutschten Zombie-Genre verspürt, der sollte We Bury the Dead eine Chance geben.
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