Wer kann dazu schon „Nein“ sagen? Vor ein paar Wochen kündigte die BUSCH MEDIA GROUP die Veröffentlichung des ersten Spielfilms mit der großartigen Monica Bellucci an – und dann auch noch nackig auf dem Frontcover abgebildet. Die Scheibe verweilte seither auf meinem nicht kleiner werdenden Rezensions-Stapel, den ich verzweifelt versuche abzuarbeiten, da die Kollegen sich allesamt derzeit im Urlaub befinden oder sich allgemein zurückgezogen haben. But i give my very best, wie der Butler von Miss Sophie zu sagen pflegte. Gestern Abend war es dann endlich so weit, La Riffa – Dein Preis für eine Nacht landete in meinem Player. Ich war gespannt, ob Frau Bellucci auch damals schon überzeugen konnte. Das deutsche Frontcover konnte es jedenfalls.

Originaltitel: La riffa
Drehbuch & Regie: Francesco Laudadio
Darsteller: Monica Bellucci, Giulio Scarpati, Paolo Busiri Vici D’Arcevia, Sandra Collodel, Carla Cassola
Artikel von Christian Jürs
Anfang der Neunziger stand dem italienischen Kino das Wasser bis zum Halse. Die glorreichen Zeiten der letzten Jahrzehnte waren vorbei. Das Duo Spencer/Hill ging in die Altersteilzeit, ebenso wie Adriano Celentano. Der Italowestern war tot, der blutige Italo-Horrorfilm fand auch nur noch in den Videotheken und mit Mikro-Budget statt. Fulci, Argento und Co. hatten ihre besten Zeiten hinter sich und auch der Polizeifilm wanderte ins Fernsehen ab. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Karrierestart, doch Monica Bellucci sollte unbeirrt ihren Weg gehen und international Karriere machen. Nach einem ersten Auftritt im TV-Film Vita coi figli, aka Life with the Kids, konnte sie die Hauptrolle im hier vorliegenden La Riffa – Dein Preis für eine Nacht ergattern, der jetzt erstmals in deutscher Sprachfassung vorliegt.

Darin verkörpert sie Francesca, eine junge Witwe aus besseren Kreisen. Ihr bei einem Verkehrsunfall verstorbener Göttergatte hinterließ ihr nichts als einen hohen Schuldenberg und die Demütigung, dass er eine Affäre mit einer älteren, weit weniger attraktiven Dame hatte. Die drohende Armut veranlasst Francesca, das Eigenheim zu veräußern und in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Außerdem muss sie fortan auch noch, zur Verwunderung ihrer reichen Freundinnen, arbeiten gehen. Doch das Geld will hinten und vorne nicht ausreichen. Daher fasst Francesca, die herausfindet, dass ihre sogenannten Freundinnen über den Seitensprung ihres Mannes im Bilde waren, einen Entschluss. Sie ruft eine Lotterie für besserverdienende Männer ins Leben, deren Hauptpreis Francesca selbst ist. Der Gewinner darf sexuell über die junge Frau verfügen. Ein schrecklich hoher Preis, den die attraktive Witwe bereit ist, zu zahlen. Doch als sie herausfindet, dass unter den Teilnehmern der Verlosung vorrangig Männer aus dem Freundeskreis ihres Gatten und sogar seine Affaire mitbieten, bereut sie ihren Entschluss schnell.
Geld allein macht nicht glücklich. Wenn Du aber schön bist, ist es durchaus möglich, sich für Geld gewinnbringend zu verkaufen. Die Frage, die La Riffa – Dein Preis für eine Nacht berechtigterweise stellt, ist, ob es das wert ist, seinen Körper und damit das eigene Selbstwertgefühl zu veräußern. Dabei geriet der Film von Regisseur und Drehbuchautor Francesco Laudadio, der bereits im Jahr 2005, im Alter von nur 55 Jahren, verstarb, hier und da erstaunlich humorvoll und weit weniger dramatisch, als erwartet. Glücklicherweise setze er hier auf deutlich stilleren Humor als sonst so oft aus Italien gewohnt.

Wirklich spannend ist La Riffa – Dein Preis für eine Nacht dabei allerdings nicht geraten, was auch daran liegt, dass die Figuren allesamt nicht allzu sympathisch daherkommen, Francesca eingeschlossen. Hauptgrund, sich den Film heute noch anzuschauen ist definitiv die junge Monica Bellucci, die, mit nur 27 Jahren und wenig Schauspielerfahrung, durchaus in der Lage war, die Nummer auf ihren Schultern zu stemmen. Wer jetzt allerdings, aufgrund der Coverabbildung, einen reinen Erotikfilm erwartet, der sollte lieber zu anderen Werken aus dem Hause Busch Media Group greifen. Hier wären Titel wie Diva Fortuna oder Safe Word vermutlich besser geeignet. In Sachen Spannung, Thrill oder Comedy würden mir auch reihenweise sehenswertere Streifen in den Sinn kommen. Monica Bellucci-Fans hingegen werden hier auf jeden Fall zugreifen müssen.
Ihre Karriere startete dann ein Jahr später auch voll durch. Bereits 1992 sah man sie unter der Regie von Francis Ford Coppola in Bram Stokers Dracula, in den Folgejahren folgten Kracher wie Dobermann, Pakt der Wölfe, Tränen der Sonne, Matrix Reloaded, Die Passion Christi und viele mehr. Ihre beste Leistung lieferte sie meiner Meinung nach im Jahr 2002 im verstörenden Meisterwerk Irreversibel ab – nur elf Jahre nach La Riffa – Dein Preis für eine Nacht.

Mir lag die Blu-ray-Variante zur Rezension vor. Die Bild- und Tonqualität sind gut, die Synchronisation geht in Ordnung, es gibt aber deutlich Luft nach oben. Im Vergleich zur Synchronkatastrophe von Doll Shark, den ich kürzlich besprechen durfte, ist her aber alles im Lot. Im Bonusmaterial gibt es Trailer. Ein Wendecover ohne FSK-Logo ist ebenfalls vorhanden.
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