Horror hat gerade Hochkonjunktur in den Kinos. Ob obsessive Liebschaften, merkwürdige Hinterräume, mumifizierte Kinder, das Nekronomicon oder Ghostface in ernster oder alberner Form – dieses Kinojahr bietet ausreichend Stoff, den Blutdurst der Genrefans zu stillen. Jetzt erscheint aus dem Hause TIBERIUS FILM ein weiterer Genre-Vertreter. In Dolly spielt ein Puppengesichtiges Psychopathen-Monster am liebsten mit Baby-Puppen, vor allem, wenn es sich dabei um echte Menschen handelt. Der Backwoods-Schocker mit Seann William Scott (American Pie) wurde bereits auf dem Fantasy Filmfest gezeigt. Jetzt folgt der reguläre Kinostart.

Regie: Rod Blackhurst

Darsteller: Fabianne Therese, Max the Impaler, Seann William Scott, Ethan Suplee

Artikel von Christian Jürs

Regisseur Rod Blackhurst ist ein Horrorfan durch und durch. Von ihm stammt nicht nur der Kurzfilm Night Swim, der 2024 eine (unsäglich langweilige) Langfilm-Version erhielt, auch Dolly basiert auf einem seiner Shorties mit dem Titel Babygirl (nicht zu verwechseln mit dem Nicole Kidman Streifen Babygirl aus dem Jahr 2024). Für die Langfilm-Version konnte er sogar American Pie-Star Seann William Scott verpflichten, dessen vielversprechende Kinokarriere von einst so langsam in die Bedeutungslosigkeit abzudriften droht.

Hier spielt er Chase, einen alleinerziehenden Vater, der seine Tochter kurzerhand bei ihrer Tante (Michalina Scorzelli) einquartiert, um einen romantischen Waldausflug mit seiner Herzensdame Macy (Fabianne Therese) zu unternehmen – Heiratsantrag inklusive. Doch die traute Zweisamkeit wird jäh gestört, als sie auf Dolly (Max the Impaler), ein hünenhaftes Wesen mit einer Porzellanmaske, treffen. Dolly trauert gerade vor dem Grab ihrer Mutter, als sie die beiden bemerkt. Es kommt zu einer blutigen Auseinandersetzung, an deren Ende Chase verwundet zurückbleibt und Macy von der brutalen Gestalt in deren Behausung entführt wird.

Als Macy wieder zu sich kommt, befindet sie sich gefangen in einem Kinderzimmer samt Bettchen. Aus dem Nebenzimmer bittet eine männliche Stimme um Hilfe und rät Macy, einen Schlüssel zu suchen, der für beide die Freiheit bedeuten würde. Doch dann betritt Dolly den Raum und möchte mit ihrer neuen Puppe Macy spielen. Kann Chase, der im Wald langsam wieder zu sich kommt, seine Freundin aus den Fängen von Psycho-Dolly retten?

Holy Moly, was war das denn? Dolly ist ein kleiner, dreckiger Backwoods-Horrorfilm im 16mm-Look, der laut Regisseur Rod Blackhurst inspiriert ist von seinen Lieblingsfilmen Tanz der Teufel, Halloween, The Texas Chainsaw Massacre und dem französischen Terrorfilm im Allgemeinen. Auf der Haben-Seite muss man ihm zugutehalten, dass es nur wenige Minuten dauert, bis es zur Sache geht. Die Effekte sind zudem handgemacht und ordentlich deftig. Die Gore-Bauern unter euch werden also bedient.

Wer allerdings Wert auf eine gut erzählte Geschichte legt, der sollte Dolly weiträumig umfahren. Die Figuren werden uns nur vage vorgestellt, das Motiv, warum das titelgebende Monster sich so verhält, wie sie sich verhält, wird nie geklärt. Hierfür soll angeblich ein geplantes Prequel herhalten, dabei hätte man hier durchaus ein paar Minuten Film mehr investieren können. Denn Dolly läuft gerade einmal 82 Minuten. Nach nur 77 Minuten setzt bereits der Abspann ein, gefolgt von einer kurzen, völlig sinnlosen After-Credit-Szene, die niemand gebraucht hätte. Spannung empfand ich leider zu keiner Sekunde, da mir Macy auch nicht als sympathische Figur vorgestellt wurde – eigentlich wurde sie überhaupt nicht vorgestellt. Dass Dolly sie wie eine Babypuppe behandelt, sie füttert und in eine Windel steckt, geschieht auch nur am Rande – hier wurde viel Horror- und Ekel-Potenzial links liegengelassen.

Was leider ebenfalls nicht gelungen ist, ist die Synchronisation, die mal wieder, Tiberius Film-typisch, recht kostengünstig ausgefallen ist. Entsprechend muss man auch auf Seann William Scotts Stammsprecher Björn Schalla verzichten, was für eine Kinoauswertung in meinen Augen ein absolutes No-Go ist. Hier hätten ein paar Mark Fuffzig mehr gerne investiert werden können. Alles in allem halt nur ein Film für echte Blut-Junkies, die von Gewalt und Ekelszenen nicht genug kriegen können. Wer in eine Kinokarte investieren möchte, sollte sich überlegen, vielleicht doch einen der derzeit besseren Horrorfilme zu besuchen. Dolly dürfte eh nur in wenigen Kinos starten.

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