Der ehemalige Werbefilmer Gore Verbinski zählte Anfang des 21. Jahrhunderts zu den gefragtesten Regisseuren Hollywoods. Er war es, der mit den ersten drei Teilen der Fluch der Karibik-Reihe (2003-2007) dem todgeglaubten Piraten-Genre neues Leben einhauchte. Der anarchische Animationsfilm Rango (2011) mauserte sich ebenfalls zum Erfolg. Sein nächster Streich, Lone Ranger (2013), geriet aber zum finanziellen Fiasko und auch der Horrorfilm A Cure for Wellness (2016) floppte an der Kinokasse. Danach wurde es ruhig um Verbinski, bis vor einigen Monaten der hier vorliegende Good Luck, Have Fun, Don´t Die in den Kinos aufschlug. Mit einem Mikro-Budget von nur 20 Millionen Dollar konnte Verbinski so richtig freidrehen und lieferte eine launige Science Fiction-Satire ab, die zwar ebenfalls an der Kinokasse absoff, jetzt aber, im Verleih von CONSTANTIN FILM und im Vertrieb von LEONINE STUDIOS eine neue Chance im Heimkino erhält. Warum Ihr euch die abgefahrene Nummer nicht entgehen lassen solltet, verrate ich jetzt in meiner Kritik.

Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry
Artikel von Christian Jürs
Ich liebe Filme, die in einer Zeitschleife spielen. Allen voran natürlich Und täglich grüßt das Murmeltier, aber auch Happy Deathday, 12:01, Palm Springs, Boss Level, Source Code oder 16 Stunden Ewigkeit – sie alle bereiten mir eine Menge Spaß. Auch Good Luck, Have Fun, Don´t Die gehört in diese Kategorie – mit der Ausnahme, dass wir hier lediglich eine einzige Timeline, die 117., durch die sich unsere Figuren kämpfen müssen, erleben.

Es ist Punkt 10:10 Uhr abends, als plötzlich ein, wie ein Obdachloser wirkender, scheinbar verwirrter Mann (Sam Rockwell) mit Rauschebart und einem scheinbar wild zusammengewürfelten Outfit, in ein gut besuchtes Diner eindringt. In seiner Hand hält er etwas, das wie ein Zünder ausschaut. Zunächst nimmt niemand Notiz von dem Fremden. Als der aber droht, den Laden in die Luft zu jagen, sollte ihm niemand helfen, hat er plötzlich die ungeteilte Aufmerksamkeit von Personal und Gästen. Der Fremde gibt sich als Zeitreisender aus, der aus einer postapokalyptischen Zukunft stammt, die es zu verhindern gilt und die in dieser Nacht ihren dramatischen Ursprung nehmen wird. Zunächst will ihm niemand Glauben schenken, doch sein Wissen über die einzelnen Gäste überzeugt schließlich eine Handvoll Anwesender. Und so zieht er mit einer Truppe aus mehr oder weniger Freiwilligen, bestehend u.a. aus dem Uber-Fahrer Scott (Asim Chaudhry), dem schüchternen Aushilfs-Lehrer-Pärchen Janet (Zazie Beetz) und Mark (Michael Peña), sowie der Kindergeburtstags-Prinzessin Ingrid (Haley Lu Richardson) und der alleinerziehenden Mutter Susan (Juno Temple), los, einen neunjährigen Jungen aufzuhalten, der gerade im Begriff ist, eine tödliche KI zu programmieren. Das Ziel ist nur wenige Häuserblöcke entfernt, aber gespickt mit reihenweise Todesfallen. Wird es dem exzentrischem Zeitreisenden und seiner bunt zusammengewürfelten Truppe gelingen, die Menschheit zu retten?

Good Luck, Have Fun, Don´t Die wirkt phasenweise, als hätte Terry Gilliam einen The Purge-Film inszeniert. Gore Verbinski (The Ring) serviert uns eine intelligente Satire, erzählt als wilde Achterbahnfahrt auf LSD. Der Cast, allen voran ein kaum widerzuerkennender Sam Rockwell, hat hier sichtlich Spaß an der Sache. Gleiches gilt übrigens für Ted Lasso-Star Juno Temple, die ich erst im Abspann bei Namensnennung erkannt habe. In Good Luck, Have Fun, Don´t Die gibt es jede Menge Action und schräge Situationen, aber auch tiefschwarzen Humor, der die aktuelle Entwicklung des Medienkonsums gekonnt auf die Schippe nimmt und dabei zum Nachdenken anregt. Wer nach dem Film sofort zum Smartphone greift, dem ist freilich nicht mehr zu helfen. Die Story wird in mehrere Kapitel unterteilt, die uns die einzelnen Figuren in Rückblicken näherbringen, ehe wir uns wieder in den scheinbar ausweglosen Kampf vom Diner zum Kinderzimmer begeben. Dabei wird es immer wieder blutig, gemein, aber auch genial. Ich möchte gar nicht näher auf die Story eingehen, um die Überraschungen nicht zu verderben. Wer Zeitschleife-Filme ebenso liebt wie die Serie Black Mirror und die Purge-Filme, der sollte hier keinesfalls enttäuscht werden. Schade, dass der Film lediglich die Hälfte seines Budgets in den Kinos wieder einspielen konnte. Jetzt ist es an euch, das Ruder im Heimkino wieder rumzureißen.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray-Variante vor. Bild- und Tonqualität sind über jeden Zweifel erhaben, die Synchronisation ist top und im Bonusbereich befindet sich eine kleine Featurette, der Trailer, sowie ein Wendecover ohne FSK-Logo.
Amazon Partner Links: