Roger Moore war vielleicht nicht der größte Schauspieler auf diesem Planeten, dafür hatte er aber eine Marke, die das alles unwichtig machte: Seinen Charme. Wenn man sich den einen oder anderen Roger-Moore-Film außerhalb von James Bond ansieht, dann beschleicht einen das Gefühl, dass wahrlich alles in seiner Filmkarriere irgendwie auf James Bond hinauslief. Das Lächeln? Die angelupfte Augenbraue? Der Roger-Moore-Blick? Stets gut gekleidet und von attraktiven Frauen umgeben? Ein bisschen Action, die mit trockenem Humor geleistet wird? Roger Moore wirkte in den 1960ern schon so, als wäre er aus den 1970ern gekommen, nur um der Zeit voraus eine Figur zu verkörpern, die er erst Jahre später perfekt ausfüllen würde. Als wären seine ganzen Filme und Serienauftritte eine Fingerübung und schauspielerische Vorbereitung für das Jahr 1973 gewesen, so ist auch der vorliegende Film ein Beispiel für Roger Moores Pre-James-Bond-Schauspiel, in dem quasi schon alles gezeigt wird, was Roger Moore später als James Bond auch machen wird. Mit Frauen „rummachen“, in eine Bedrohungslage geraten, verschmitzt improvisieren und mit trockenem Humor die Action bestreiten. Und am Ende liegt Bond..äh..Moore wieder im Bett seiner attraktiven Flucht-Partnerin und knutscht, die Kamera schwenkt weg, Abspann. Herzlich Willkommen bei Tödlicher Salut, frisch von EXPLOSIVE MEDIA über PLAION PICTURES auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Originaltitel: Crossplot
Regie: Alvin Rakoff
Darsteller: Roger Moore, Claudie Lange, Martha Hyer, Bernard Lee, Alexis Kanner
Artikel von Kai Kinnert
Gary Fenn (Roger Moore) führt in London das Leben eines erfolgreichen Werbemannes, bis er durch Zufall auf die geheimnisvolle Marla Kugash (Claudie Lange) trifft. Was zunächst wie ein harmloser Flirt beginnt, entpuppt sich schnell als tödliche Angelegenheit: Marla hat ungewollt Hinweise auf ein geplantes Attentat aufgeschnappt, und plötzlich stehen beide im Fadenkreuz skrupelloser Verschwörer. Während Gary versucht, den Hintergründen auf die Spur zu kommen, gerät er selbst unter Mordverdacht und muss nicht nur den Tätern, sondern auch der Polizei entkommen.

Ein Playboy und Werbefachmann mit sonnigem Gemüt gerät über ein attraktives Modell in die Vorbereitung auf ein politisches Attentat und muss dieses nun verhindern. Dazwischen gibt es Späße zwischen Roger Moore und Claudie Lange, flankiert von kleinen Verfolgungsjagden durch London und umliegende Parks, dazu jemand, der mit einer Maschinenpistole bewaffnet unter einem Helikopter hängend auf Roger Moore schießt, dann Gerangel, Geknutsche, ein Oldtimerrennen (leider werden der Jaguar E-Type und der Austin Martin (?) vom Cover im Film nicht eingesetzt), ein paar flotte Sprüche und ein überraschend kurzes Finale, bei dem ich überrascht auf die Uhr schaute: „Was?“.
Trotz des überraschend unspektakulären Finales vermag der Film im Rahmen eines Sixtees-Roger-Moore-Filmabends gut zu unterhalten. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, ein großer Hit ist der Streifen nicht, dafür ist das Finale zu kurz und auch insgesamt bewegt man sich im Produktionsaufwand eines besseren TV-Filmes, so dass die großen Schauwerte fehlen. Was man dafür aber bekommt, ist ein reichlich bunt abgefilmtes London und eine recht flotte Inszenierung, die den geringen Produktionsaufwand dann auch vergessen lassen. Mir hat die Filmmusik von Stanley Black sehr gefallen, der wohl einer der bekanntesten Bandleader und Filmkomponisten in Großbritannien war. Seine Musik hat Volumen und den nötigen 60er-Schmiss mit großem Filmorchester. Spannend waren auch die vielen Londoner Schauplätze, die man heute so nicht mehr zu sehen bekommt, gerade das menschenleere London zu Anfang des Filmes hat eine gewisse Faszination, aber auch das Gesehen rund um den Hyde-Park sorgt für einen gewissen Schwung. Roger Moore macht dabei sein Ding und befindet sich ganz offensichtlich in einer Pre-James-Bond-Stimmung, die dann vier Jahre später Realität werden sollte.

Was den Film dann, neben seinem angenehmen Tempo in der Inszenierung, zu einem goutier baren Schmunzel-Erlebnis werden lässt, ist das Zusammenspiel zwischen Roger Moore und Claudie Lange (Django, der Bastard). Claudie Lange spielt die Ungarin Marla Kogash mit einer erfreulichen Lebendigkeit und nicht ohne Witz, wobei ihr Name bei jeder Gelegenheit von Roger Moore veralbert wird („Gulasch“). Ein Running Gag im Film ist auch, dass Marla Kogash einfach nicht zum Essen kommt. Sie hat richtig Hunger, kann den aber nie stillen, weil immer wieder irgendwelche Verfolger auftauchen und Roger Moore ihr, ob des schnellen Aufbruchs, das Essen wegwirft. „Diese Ungarinnen!“ ruft er nur aus, als er ihr den, im Laufen mühsam zusammengehaltenen, Sandwich abnimmt und wegwirft. Marla Gulasch kommt den ganzen Film über nicht zum Essen. Claudie Lange hat mir hier sehr gut gefallen, da muss ich mir noch mal den einen oder anderen Italo-Western mit ihr ansehen. Sie spielt komisch, detailliert und hat eine nahbare Art, die sehr gut zu Roger Moore passt. Und Roger Moore ist Roger Moore ist Roger Moore. Seine herzlich-verschmitzte Art hat mir stets gefallen, so auch hier.
Wer sich Tödlicher Salut kauft, weiß was er tut. Der hat dann auch Spaß am London der 1960er, ebenso am leichten Drehbuch und an ein paar aus der Zeit gefallene Gags, vorgetragen von einem schmissigen Roger Moore, der zu gelungener Filmmusik mit einer bestens besetzten Partnerin ein übersichtliches, aber dennoch flott inszeniertes Kriminal-Agenten-Abenteuer erlebt. Hier sieht man, wie Roger Moore seinen James-Bond-Habitus formt, was, dank des schönen Zusammenspiels, ohne Claudie Lange nicht funktionieren würde. Neben der Musik war sie für mich eine kleine Entdeckung. Ein Film für Fans!

Das Bild der gesichteten Blu-ray war sauber, satt und klar, der Ton ebenso. Als Extras gibt es Trailer und ein Wendecover ohne FSK-Logo.
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