Blue moon, you saw me standing alone – Without a dream in my heart – Without a love of my own… Wir alle kennen den Evergreen aus der Feder der, eigentlich auf Musicals spezialisierten, Songwriter Lorenz Hart und Richard Rodgers. 1933 erschien das Lied erstmals und wurde über die Jahrzehnte von Größen wie Elvis Presley oder Frank Sinatra immer wieder neu interpretiert. Doch auch wenn dies der Titel des Filmes ist, so geht es hier doch primär um Lorenz Hart, der einen Hälfte des Komponisten-Duos. Doch dies ist mitnichten ein Standard-Biopic geworden. Regisseur Richard Linklater (Before Sunrise) konzentriert sich stattdessen auf einen einzigen, fiktiven Abend im Spätherbst des Lebens des Erfolgs-Komponisten, den der dafür oscarnominierte Ethan Hawke mit viel Leidenschaft und perfektem Make Up zum Besten gibt. SONY PICTURES, im Vertrieb von PLAION PICTURES, spendierten dem unterhaltsamen Dialogfilm jetzt eine Veröffentlichung im Heimkino.

Regie: Richard Linklater
Darsteller: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Andrew Scott, Bobby Cannavale, Jonah Lees
Artikel von Christian Jürs
Richard Linklater beglückte uns in den letzten Wochen im Heimkino-Markt gleich mit zwei grandiosen Spielfilmen. Neben dem hier besprochenen Kleinod veröffentlichte Plaion Pictures zeitgleich noch den außergewöhnlichen, ebenfalls gewohnt talky ausgefallenen Nouvelle Vague, der von den eigenwilligen Dreharbeiten des Klassikers Ausser Atem handelt. Echte Figuren scheinen ihm derzeit sehr am Herzen zu liegen, auch wenn der hier dargebotene Plausch in einer Bar so niemals stattgefunden hat, sondern lediglich von wahren Ereignissen inspiriert wurde.

Es ist der Abend des 31. März 1943. Der Abend, an dem das Erfolgsmusical Oklahoma! seine Premiere in New York feierte. Geschrieben wurde es von Richard Rogers (Andrew Scott), gemeinsam mit seinem neuen Arbeits-Partner Oscar Hammerstein II (Simon Delaney). Bis dahin hatte Rogers stets mit Lorenz Hart (Ethan Hawke) zusammengearbeitet, doch dessen Alkoholkrankheit und damit verbundene Unzuverlässigkeit trieb einen Keil zwischen das Traum-Duo.
Zwar ist auch Hart zur Premiere eingeladen, doch er verlässt diese vorzeitig, um seinen Frust in der anliegenden Bar Sardi´s wegzuspülen und ihn sich von der Seele zu reden. Neben dem Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) lauschen noch der legendäre, jedoch mittlerweile ebenfalls erfolglose Schriftsteller E. B. White (Patrick Kennedy) und ein junger Klavierspieler (Jonah Lees) den blumigen Ausführungen des bisexuellen Komponisten, der mit sexuellen Anspielungen nicht sparsam umgeht. Später noch werden die Premierengäste hinzukommen, inklusive der attraktiven, jungen Schauspielerin Elizabeth Weiland (Margaret Qualley), die einige innige Freundschaft zu Lorenz Hart pflegt und ihm als Muse dient.

Before Sunrise, Boyhood, Dazed and Confused oder Nouvelle Vague – Richard Linklater ist einfach der König der talky Filmdramen, die stets locker-flockig daherkommen. Ethan Hawke dient dem Regisseur dabei häufig als Sprachrohr und kann auch diesmal wieder mehr als nur überzeugen. Er ist das Herzblut von Blue Moon, durch und durch und nimmt die Bühne komplett ein. Das bedeutet aber nicht, dass die anderen Darsteller nicht ebenfalls überzeugen. Insbesondere Bobby Cannavale als sympathischer Barkeeper bereitet viel Spaß beim Filmgenuss. Margaret Qualley stößt erst spät dazu, hat aber auf der Zielgeraden ebenfalls ein paar wundervolle Szenen mit Ethan Hawke.
Dass Lorenz Hart nur wenige Monate später, genauer gesagt am 22. November 1943 an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb, daraus macht Blue Moon keinen Hehl. Stattdessen eröffnet der Film eben genau mit diesem Moment, ehe er an den fiktiven Barabend zurückspringt. Dass er in den wenigen, dazwischenliegenden, Monaten beruflich nicht untätig blieb, auch davon erzählt uns Richard Linklater in seiner Huldigung an einen großen Künstler, der sich selbst zugrunde richtete. Auch wenn Ethan Hawke, trotz einer Performance zum Niederknien, letztlich nicht den Oscar gewann, seine Karriere ist einfach beeindruckend. Wer kann schon von sich behaupten, vom Kindesalter an (Explorers), bis ins hohe Erwachsenenalter (The Black Phone) durchgehend zu den angesehensten Schauspielern Hollywoods zu gehören? Den Goldjungen wird er mit Sicherheit irgendwann einmal erhalten – und wenn es für sein Lebenswerk ist. Das hat aber noch Zeit.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray-Variante vor. Natürlich sind Bild- und Tonqualität hier ausgezeichnet. Bonusmaterial sucht man aber vergebens. Immerhin ist ein Wendecover ohne FSK-Logo vorhanden. Nichtsdestotrotz ein Film, der bei mir ins Sammler-Regal gehört, wo er neben den anderen Richard Linklater-Filmen seinen Platz finden wird.
Amazon Partner Links: