Die Dinos sind wieder los! Nachdem zuletzt selbst die schwächsten Jurassic World-Sequels immer noch ordentlich Reibach machen konnten, kehren die Urzeit-Tiere jetzt ins Kino zurück und bieten uns das, was uns die Spielberg-Reihe immer versprach, jedoch nie wirklich einhielt: Dinos, die durch die Vorstädte schleichen, rennen und…. töten! Ihnen entgegen stellen sich Anne Hathaway und Ewan McGregor, die ihre Familie vor Raptoren und anderen Killer-Dinos zu beschützen versuchen. Ob der relativ familienfreundliche Schocker vom It Follows– Regisseur David Robert Mitchell, der jetzt im Verleih von WARNER BROS. PICTURES GERMANY in den Kinos startet, spannenden Nervenkitzel bietet oder doch nur Altbekanntes wiederkäut, könnt Ihr jetzt nachlesen.

Drehbuch und Regie: David Robert Mitchell

Darsteller: Anna Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery, P.J. Byrne, Jordan Alexa Davis

Artikel von Christian Jürs

Dinosaurier begeistern jedes Kind. Ob als Spielzeug, in Dino-Parks, Ausstellungen oder halt im Film – wir alle haben uns von Kindheit an vermutlich hier und da schonmal mit den beeindruckenden Tieren aus der Ur-Zeit in irgendeiner Form befasst. In meinem Fall waren es die alten Godzilla– und Caprona-Schinken, die ich von frühester Kindheit an auf Video sehen durfte. Noch heute gehe ich ins Kino, sobald die japanische Echse oder aber die Dinos aus dem Jurassic-Franchise auf der Leinwand für Randale sorgen. Letzteres bot allerdings immer wieder eine Enttäuschung. So wurde uns in Jurassic World: Das gefallene Königreich gegen Ende angeteast, dass im Folge-Film die Tiere in die Stadt kommen würden, um dort für Chaos zu sorgen. Doch Jurassic World: Ein neues Zeitalter brach mit der Prämisse und langweilte mit Bösewichten und Maisfressenden Heuschrecken. Gähn! Doch jetzt ist alles anders. In The End of Oak Street kommt der T-Rex mit seinen Kumpanen in die amerikanische Vorstadt und futtert sich durch die Nachbarschaft.

Wir befinden uns im Jahr 1982 in der Oak Street, einer typisch amerikanischen Vorstadtstraße, wie wir sie aus dutzenden Filmen kennen, die damals mit den Worten „Steven Spielberg präsentiert“ begannen. Dort wohnt die Familie Platt, bestehend aus dem Ehepaar Denise (Anna Hathaway) und Greg (Ewan McGregor), sowie ihren Teenager-Kindern Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery). Nach außen hin scheint alles in bester Ordnung zu sein, lediglich mit dem zornigen Nachbarn (P.J. Byrne) gibt es Probleme, da Brians Hund ihm mal wieder Hinterlassenschaften in den Garten gekotet hat. Doch auch ansonsten trügt der Schein, denn zwischen Greg und Denise kriselt es gewaltig, was auch ihren Kindern nicht verborgen bleibt.

Doch plötzlich sind die Beziehungsprobleme der Erwachsenen sekundär, als über Nacht plötzlich, nachdem ein gleißendes Licht am Himmel erschien, die Strom- und Wasserversorgung zum Erliegen kommt. Zunächst glaubt die Familie an einen Gewitterschaden, doch die Situation ist wesentlich schlimmer als gedacht. Denn ein kosmisches Ereignis hat die US-Vorstadtstraße aus ihrer Umgebung – und auch der Zeit gerissen. Plötzlich wachsen draußen nicht nur Urzeit-Pflanzen, auch Dinosaurier trampeln durch die Nachbarschaft und suchen nach Nahrung. Ungläubig muss die Familie feststellen, dass sie nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette steht und um ihr Überleben kämpfen.

Dass The End of Oak Street mit einem vergleichsweise niedrigen Budget von 85 Millionen Dollar auskam, ist erstaunlich. Denn auch wenn das Setting hier auf eine Straße in den Achtzigern limitiert bleibt, so sehen die Dinos nicht schlechter animiert aus als zuletzt in den Jurassic World-Filmen. Schön auch, dass der Film sich anfangs ein paar Minuten Zeit nimmt, seine Charaktere ordentlich einzuführen. Hierbei fällt auf, dass der 1982 spielende Film in jeder Pore wie eine Spielberg-Produktion von damals wirkt. Die Oak Street schaut aus, als ob jeden Moment ein Junge mit einem Außerirdischen im Gepäckträger auf dem Fahrrad vorbeiradelt, während ein Teenager auf einem Hoverboard vorbeiflitzt. Wen wunderts, wenn einer der Produzenten auf den Namen J.J. Abrams hört? Der Mann war schon immer ein Verehrer (und durchaus auch Kopierer) der Arbeit Steven Spielbergs in den Achtzigern (siehe auch sein Film Super 8).

Dieses Retro-Feeling versprüht viel Charme, dass wissen wir nicht erst seit Stranger Things. Auch die Figuren sind sympathisch geschrieben und gespielt und haben eine gute Chemie miteinander. Insbesondere Ewan McGregor und Anne Hathaway wissen zu gefallen, wobei Frau Hathaway das Herzstück von The End of Oak Street ist. Die Frau, die übrigens im Jahr 1982 das Licht der Welt erblickte, sieht nicht nur immer noch verdammt gut aus, sie trägt den Film auch und spielt so gut wie schon lange nicht mehr.

So weit, so gut. Der Film hat Atmosphäre, gute Effekte, ordentliche Schauspieler und auch eine Menge Humor, der sich mit Horror blitzschnell abwechselt (wartet auf die Szene mit der Schlange – die ist wirklich grandios). Grandios auch ein Einfall, der im letzten Drittel von The End of Oak Street stattfindet und den ich wirklich nicht habe kommen sehen. Ein mutiger Moment, so dachte ich zumindest, doch letztlich hatte man nicht die Courage, auf diesen Ton aufzubauen und entscheidet sich stattdessen, einen zuckersüßen, aber auch völlig unlogischen Weg einzuschlagen. Und da kommen wir zum Problem von The End of Oak Street. So spannend die ganze Prämisse auch ist, so unlogisch und auf eigenartige Zufälle gemünzt ist der Film leider auch. Eine Erklärung für das Phänomen gibt es nur fadenscheinig und unglaubwürdig, hier hat man es sich einfach gemacht. Ebenso bei der möglichen Lösung des Problems, die doch sehr random daherkommt. Natürlich gibt es obendrauf noch eine kleine, angedeutete Mädchen-liebt-Mädchen-Storyline, immerhin haben wir 2026 und nicht 1982. Die ist zwar nett, bringt der Story aber eigentlich nix. Trotzdem wurde sie ebenso reingepresst wie Figuren, die sich vermutlich seit vielen Stunden mit einer Waffe verbarrikadiert haben, nur um im entscheidenden Moment aufopferungsvoll zur Rettung zu eilen. Hier merkt man die Intention Familienfilm (PG-13 / FSK 12) leider überdeutlich und mit der groben Kelle ins Drehbuch gepresst, während es hier und da auch echte Horrorelemente gibt, die die niedrige Altersfreigabe bis zum äußersten ausnutzen. Das war bei Jurassic Park damals aber auch nicht anders. Wer Spaß an Dinos hat, die sich durch die Vorgärten fressen, der wird definitiv seine Freude an The End of Oak Street haben. Kann man im Kino, schon wegen der Effekte und dem Sound, definitiv mal schauen. Besser als die letzten beiden Jurassic World-Sequels ist er allemal.

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