Auch wenn Bob Odenkirk schon seit Jahrzehnten im Geschäft ist, so richtig durchgestartet ist er erst als schmieriger Anwalt Saul Goodman in der Kultserie Breaking Bad. Er war so beliebt, dass man ihm sogar ein eigenes Spin-Off anvertraute. Doch damit nicht genug, machte er sich als eine Art Liam Neeson in lustig in den letzten Jahren auch noch mit der zweiteiligen Nobody-Reihe einen Namen als Actionheld. Jetzt greift er erneut zur Waffe. Unter der Regie von Ben Wheatley (Sightseers) entstand eine rabenschwarze Action-Satire, die im Kino zwar nur wenig Beachtung fand, dank LEONINE STUDIOS jetzt aber im Heimkino eine zweite Chance bekommt. Eine Chance, die Ihr unbedingt nutzen solltet. Ich verrate euch, warum.

Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Bob Odenkirk, Lena Heady, Henry Winkler, Ryan Allen, Reena Jolly, Jess McLeod, Brendan Fletcher
Artikel von Christian Jürs
Gemeinsam mit Drehbuch-Autor Derek Kolstad (John Wick: Kapitel 4), der ihm bereits die Hauptrolle in der zweiteiligen Nobody-Reihe auf den Leib schrieb, verfasste Bob Odenkirk, der auf seine alten Tage offenbar Gefallen am Action-Genre gefunden hat, das Drehbuch zu dieser Action-Satire. Süffisant von Regisseur Ben Wheatley inszeniert, erinnert der Film zunächst an eine etwas klamaukigere Fargo-Variante, ehe die Action explodiert. Wer sich hiervon angesprochen fühlt, der sollte mit Normal goldrichtig liegen. Aber erstmal der Reihe nach.

Ulysses Richardson (Bob Odenkirk) trägt eine schwere Last mit sich herum. Von Schuldgefühlen geplagt, trennte sich seine Frau von dem Polizisten. Jetzt hat der Cop im kleinen Provinz-Kaff Normal in Minnesota den vorrübergehenden Job des Sheriffs angenommen, nachdem sein Vorgänger auf eigenartige Weise ums Leben kam. Hier hofft er auf eine ruhige Zeit, doch die ist Ulysses nicht vergönnt.
Denn als eines Tages ein Banküberfall den 2000-Seelen-Ort erschüttert, muss Ulysses eingreifen. Es sind jedoch nicht die Bankräuber, bestehend aus dem etwas unbeholfenen Pärchen Lori (Reena Jolly) und Keith (Brendan Fletcher), von denen eine wirkliche Gefahr ausgeht, es sind die Bewohner selbst. Denn plötzlich, als der Tresorraum geöffnet wird und dieser ein gewaltiges Vermögen offenbart, greift die ganze Stadt zu den Waffen – um Ulysses und die beiden Gauner aus dem Weg zu räumen. Was die drei nicht ahnen: die Stadt ist in die illegalen Machenschaften der japanischen Yakuza involviert und kassiert entsprechend ab. Um dieses Geheimnis zu schützen, gehen die Bewohner zum Äußersten. Doch Ulysses ist nicht gewillt, aufzugeben.

Ein sympathischer Bob Odenkirk, ein paar schrullige Kleinstadt-Bewohner, die mit ihren Waffen heillos überfordert sind und viele garstige und auch blutige (aber niemals hart wirkende oder gar erschreckende) Momente – all dies hält Normal für einen launigen Feierabend auf der Couch bereit. Wer bei der Horror-Komödie Tucker and Dale vs. Evil damals herzlich lachen konnte, der wird auch bei Normal seinen Spaß haben, nur halt ohne Horror, dafür mit jeder Menge Action. Man fiebert mit den Haupt-Charakteren, während man sich über so manches Ableben der überfordeten Kleinstadt-Bewohner kringeln kann vor Lachen.
Der von Ben Wheatley (Meg 2 – Die Tiefe) inszenierte Normal lässt sich ausgiebig Zeit, um seine schrägen Kleinstadt-Figuren mit ihren Macken einzuführen. Lediglich eine kurze, blutige Eingangssequenz deutet an, was später auf den Zuschauer zukommen wird. Doch auch wenn wir auf Geballer und Gewalt erstmal warten müssen, so unterhält der Film dank seiner tüffeligen Kleinstadt-Charaktere doch schon zu Beginn bestens. Diese wurden u.a. mit tollen Schauspielern wie Lena Headey (300), Henry Winkler (Scream – Schrei), Billy MacLellan (Nobody) und Jess McLeod (Teenage Sex and Death at Camp Miasma) perfekt besetzt, was der Unterhaltung absolut dienlich ist. Wenn es dann schließlich kracht, kennt der Film kein Halten mehr. Zwar gibt es hier nicht so spektakuläre Zweikämpfe wie in Nobody, dafür splattert es gar sehr, oft mit handgemachten Effekten, was ebenfalls erfreulich ist. Normal macht Laune. Punkt.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Form vor. Bild- und Tonqualität sind entsprechend gut, die Synchronisation ist ebenfalls hochwertig (Michael Pan sprach wie gewohnt Bob Odenkirk ein). Im Bonusbereich gibt es Interviews mit Cast und Crew, eine Best-of B-Roll-Featurette und Trailer.
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