Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Don Winslow, die mit anderen Kurzgeschichten im Buch Broken veröffentlicht wurde. Don Winslow kann filmisch schreiben. Er ist einer dieser Autoren, der ein Händchen für Charaktere, Atmosphären und tragische Verwicklungen hat, die sich dann über seine meist sympathischen Außenseiter ergießen. Große Träume, große Verfehlungen, gespickt mit gnadenloser Härte. Seine Storys atmen ein gewisses California Cool, da schwebt etwas zwischen den Zeilen beim Lesen mit. Eine Essenz, die sehr wichtig ist für diesen Film. Nicht immer gerieten Winslows Storys so episch wie in seiner unglaublich harten Kartell-Saga Tage der Toten, die Coolness jedoch, die Atmosphäre seines Settings, meist eine Stadt, bestimmt aber alle seine Geschichten. Wie gut also, dass es Regisseur Bart Layton gelungen ist, die Atmosphäre eines Don Winslows-Settings in seinen Film zu transferieren und somit einen spannenden Großstadt-Thriller zu inszenieren, in dem die Fiebrigkeit der Motivationen spürbar über den elektrischen Soundtrack und einige epische Großstadt-Aufnahmen bebildert wird. So richtig viel Kino hat Bart Layton noch nicht inszeniert, dafür greift er hier aber gleich gekonnt auf eine sehr stilsichere Inszenierung zurück, die mich in seinen besten Momenten an die Großstadt-Thriller von Ridley Scott und Michael Mann erinnerte. MGM, im Vertrieb von PLAION PICTURES, brachten den sehenswerten Thriller nun im Heimkino heraus.

Regie: Bart Layton
Darsteller: Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Halle Berry, Jennifer Jason Leigh, Nick Nolte, Tate Donovan
Artikel von Kai Kinnert
Davis (Chris Hemsworth) ist ein schwer fassbarer Juwelendieb, dessen Überfallserie die Polizei vor ein Rätsel stellt. Als er gerade den Coup seines Lebens ins Visier nimmt, trifft er auf die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry), die selbst an einem Scheideweg steht. Überzeugt davon, ein Muster entdeckt zu haben, kommt, währenddessen der unerbittliche Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der ganzen Operation immer näher und erhöht damit das Risiko noch weiter. Als der große Raubüberfall kurz bevorsteht, beginnt die Grenze zwischen Jäger und Gejagten zu verschwimmen. Bald sind alle Drei gezwungen, sich mit lebensverändernden Entscheidungen auseinanderzusetzen – und mit der Erkenntnis, dass es kein Zurück mehr gibt.

Es sind hier die Briten, die aus Crime 101 einen guten Hollywood-Film machen. Regisseur Bart Layton hat in England einige preisgekrönte Dokumentationen produziert, dazu noch Serien, und nun eindeutig den stilsicheren Thriller studiert, der durch den britischen Kameramann Erik Wilson (Better Man, Paddington) die passenden, fast schon elegischen Großstadt-Bilder findet (der Stadt-Highway als drehender Lichter-Lindwurm) und durch den britischen Electronic-Musiker Blanck Mass mit einer atmosphärisch-düster treibenden elektronischen Musik gerahmt wurde. In diesem stimmungsvoll abgestimmten Großstadt-Flow bewegen sich nun die drei Protagonisten Davis, Sharon und Lubesnik aufeinander zu – und miteinander auch wieder weg. Sie alle verbindet im Grunde der Ausstieg, alle drei wollen etwas anderes in ihrem Leben, wollen weg von diesem schmierig gewordenen Trott des Lebens. Lubesnik will eigentlich nur an den Strand und Yoga lernen, Sharon will es ihrem Wichser von Vorgesetzten heimzahlen und Davis mit einem letzten, großen Coup in ein neues Leben entschwinden. Gäbe es da nicht diesen anderen Juwelendieb, der an der 101 sein Unwesen treibt und mit erheblicher Brutalität seine Raubzüge begeht, könnte der Plan für alle drei auch ohne Probleme klappen.

Obwohl Davis seine Raubzüge immer akkurat vorbereitet hatte, er dabei auch gründlich versucht den Verlust von DNA zu minimieren, geht die Nummer irgendwann schief, was nicht nur dem neuen 101-Dieb geschuldet ist. Beim ersten Juwelenraub gibt es eine Entwicklung, die dazu führt, dass Davis seine DNA in seinem Fluchtfahrzeug verliert und er nun zusehen muss, sich irgendwie ganz aus der Nummer zu verabschieden. Das ruft Lubesnik auf den Plan, der an einen unsichtbaren Täter glaubt, denn ihm sind die Überfälle an der 101 aufgefallen, bei denen keine DNA hinterlassen wurde. Mit dieser Theorie steht er bei seinen Kollegen alleine da, die sich ganz auf den neuen, brutalen Täter konzentrieren. Lubesnik spürt also Davis auf, auch dank Sharon, die irgendwann zwischen die beiden Männer gerät. Wie in jedem guten Crime Noir ist die Frau ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt zwischen den Männern. Lubesnik, Davis, der brutale Dieb und ein Opfer – alle Protagonisten und Antagonisten werden später in einer eskalierenden Situation aufeinandertreffen.

Was mir, neben der runden Großstadt-Inszenierung des Thrillers besonders gefiel, war die positive Stimmung, mit der der Film endet. Don Winslow gönnt seinen Außenseitern auch mal was, nicht immer dreht er sie vollends durch die Mangel, und so findet auch das Drehbuch zu Crime 101 einen, für mich angenehmen und positiven Schluss, der alle Fragen beantwortet. Endlich mal ein Film, bei dem nicht alles dystopisch den Bach runter geht, obwohl er das Potential dazu hätte. Ein Umstand, der mir in den heutigen Zeiten besonders gut gefiel. Und so sorgte Crime 101 bei mir für einen spannenden, runden und angenehmen Filmabend.
Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ebenso. Extras gab es keine, dafür aber ein Wendecover ohne FSK-Logo.
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