1957 startete das Bühnenmusical West Side Story von Leonard Bernstein, Jerome Robbins und Stephen Sondheim am Broadway und entwickelte sich rasch zu einem riesigen Kritiker- und Publikumserfolg. Kein Wunder, dass Hollywood bereits vier Jahre später eine Verfilmung in die Kinos brachte, die ebenfalls unglaublich erfolgreich war und sogar stolze zehn Oscars einheimsen konnte (darunter die Hauptpreise für Beste Regie und Bester Film). Die zwanzig Jahre später unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommene Natalie Wood untermauerte damit ihren Star-Ruhm, während die beiden Nebendarsteller Rita Moreno und George Chakiris, die ebenfalls mit dem Goldjungen ausgezeichnet wurden, ihren Durchbruch feiern konnten. Sechzig Jahre später versuchte sich Regie-Legende Steven Spielberg an eine Neu-Interpretation, doch an den Kult des Originals konnte er damit nicht anknüpfen. Warum die 1961er Verfilmung die Nase vorn hat, verrate ich euch jetzt. Denn die Neuveröffentlichung aus dem Hause CAPELIGHT PICTURES ist eingetrudelt – und sieht ganz hervorragend aus.

Regie: Jerome Robbins, Robert Wise
Darsteller: Natalie Wood, Richard Beymer, Russ Tamblyn, Rita Moreno, George Chakiris, Ned Glass
Artikel von Christian Jürs
Musical-Verfilmungen erfreuen sich schon immer großer Beliebtheit. Von Du sollst mein Glücksstern sein, besser bekannt als Singing in the Rain, bis hin zu La La Land und The Greatest Showman – Jede Generation hat so ihre Musicals. West Side Story erzählt eine modernisierte Romeo und Julia-Geschichte, die in ihrer Aussage bis heute immer noch hochaktuell ist, auch wenn die Erzählweise durchaus ein wenig Staub angesetzt hat. Doch worum geht es in dem Musical/Film eigentlich genau?

Zwei Jugendbanden haben die Straßen der Upper West Side im Griff und können einander nicht riechen. Auf der einen Seite die Jets, eine Gruppe weißer amerikanischer Jugendlicher, die sich als die rechtmäßigen Besitzer ihres Viertels sehen, auf der anderen Seite die Sharks, bestehend aus Puerto-ricanischen Einwanderern, die ebenfalls um Respekt und Anerkennung kämpfen. Riff (Russ Tamblyn), Anführer der Jets, bittet eines Tages seinen Freund Tony (Richard Beymer), an einem Tanzabend teilzunehmen, zu dem auch die Sharks mit ihren Freundinnen erscheinen. Nicht nur, um zu tanzen, sondern auch, um die Differenzen vermeintlich aus dem Weg zu räumen. Zunächst hat Tony, der aus der Gang ausgestiegen ist, kein Interesse sich wieder zwischen die Fronten zu bewegen. Er verdient sich mittlerweile sein Geld im Drugstore des herzensguten Doc (Ned Glass) und möchte von seiner Vergangenheit Abstand gewinnen.
Letztlich lässt er sich aber doch überreden und taucht bei der Tanzveranstaltung auf. Dort verguckt er sich in die liebreizende Maria (Natalie Wood), die sich als Schwester von Bernado (George Chakiris) entpuppt. Der ist nicht nur Anführer der Sharks, sondern auch wenig amused über die Avancen, die Tony seiner Schwester gegenüber macht. Doch gegen die Liebe hat er keine Chance und Maria lässt sich nicht aufhalten, sich immer wieder heimlich mit Tony zu treffen. Als eines Tages die Situation zwischen den beiden Gangs vollends eskaliert, beschließen beide, gemeinsam in der Ferne ihre Zukunft zu gestalten. Doch das Schicksal kommt ihnen in den Weg.

Der erfahrene Regisseur Robert Wise (Bis das Blut gefriert) inszenierte die Dialog- und Handlungsszenen und holte sich für die Tanz- und Gesangseinlagen Jerome Robbins mit an Bord, der am Broadway als Choreograph arbeitete und im Gegensatz zu Wise wusste, wie man Tanz und Musik richtig in Szene setzen kann. Entsprechend haben beide Männer einen Credit für die Regie erhalten. Und während so mancher Moment der, durchaus kitschigen, Liebesgeschichte heute ein wenig Cringe wirkt (wir sprechen hier wirklich von unsterblicher Liebe auf den allerersten Blick), so genial inszeniert sind doch die Musicalszenen, die mit vielen bunten Farben, Schärfen und Unschärfen und originellen Kameraeinstellungen punkten können. Es ist ein Jammer, dass der Mann nie wieder einen Film als Regisseur inszenieren durfte (oder wollte?).
Zwei Dinge sind in dieser 1961er Version grundlegend anders als sechzig Jahre später bei Spielberg. So besetzte der in den Rollen der Sharks und ihrer Freundinnen und Schwestern tatsächlich Puerto-Ricaner und Kolumbianer. Wir sehen dort Rachel Zegler beispielsweise in der Rolle der Maria, während man 1961 auf das heute verpönte Brownfacing zurückgriff. Im Gegenzug war Maria in der ersten Verfilmung deutlich mehr im Fokus als ihr Gegenpart Tony, während es bei Spielberg andersherum war. Musikalisch gibt es nur wenig Unterschiede, wobei Natalie Wood, die weder Sängerin noch Tänzerin war, beim Gesang gedoubelt wurde, während Zegler selbst einsang. Es bleibt letztlich eine Geschmacksfrage, welche Version euch besser gefällt. Die legendären Songs wie Maria oder America klingen in beiden Versionen recht ähnlich.

Keine Geschmacksfrage hingegen ist die Mediabook-Veröffentlichung aus dem Hause capelight pictures. Insbesondere die 4K-Version besticht durch unfassbar leuchtende Farben und eine richtig gute Schärfe. Bild-Unruhen findet man, trotz des Alters des Streifens, nur ganz selten. Der Ton ist fantastisch und liegt auf Deutsch sogar in 5.1 und Mono vor. Während man bei DVD und Blu-ray mit deutlich abgespeckten Bonusmaterialien leben muss, gibt es im Mediabook die volle Dröhnung. Von einem songspezifischen Kommentar zur alternativen Ouvertüre, diversen Trailern, sowie drei ausführlichen Featurettes auf Bonus-Disc und einem Storyboard-Vergleich ist alles vorhanden. Im Innenteil befindet sich ein stabiles Booklet, verfasst von Kathrin Horster. Hier dürften Fanherzen höher schlagen. Eine tolle Veröffentlichung.
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