Kommt ein Mann in eine Bar und will dem Barkeeper eine Geschichte erzählen – Was wie der Beginn eines Stammtisch-Witzes klingt, ist die Grundprämisse für den endlich auf Scheibe erschienenen Thriller mit Breaking Bad-Sohn RJ Mitte aus dem Jahr 2020. INDEED FILM veröffentlichte den dialogreichen Film, der auf einem Theaterstück basiert, über Österreich im Mediabook. Ob der düstere, ruhig erzählte Winter-Thriller die Anschaffung lohnt, könnt Ihr jetzt nachlesen.

Regie: Cody Calahan
Darsteller: RJ Mitte, Peter Outerbridge, Ari Millen, Nicholas Campbell
Artikel von Christian Jürs
The Oak Room ist ein kammerspielartiger, dialoglastiger Thriller. Da der Film im Corona-Jahr 2020 erschien, ging ich davon aus, dass dies der Grund für die abgeschiedene Location mit nur wenigen Protagonisten ist. Doch Lockdown und strenge Drehauflagen spielten tatsächlich keine Rolle bei dieser Produktion, denn die Dreharbeiten fanden bereits im Vorjahr, also 2019, statt – und da wusste noch niemand von dem, was auf uns zukommen sollte. Stattdessen war der Grund ein schlichtweg einfacher: The Oak Room basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Peter Genoway, der auch das Drehbuch verfasste. Handlungsort ist eine, nein, es sind sogar zwei Bars, die zu später Stunde, während eines Schneesturms, unerwarteten Besuch erhalten.

Es ist schon dunkel, als Paul (Peter Outerbridge) seine Bar abschließen möchte. Doch just in dem Moment betritt ein Mann im Wintermantel den Laden. Aufgrund des anhaltenden Schneesturms hatte Paul nicht mehr mit Gästen gerechnet; besonders nicht mit diesem hier. Denn bei dem vermeintlichen Gast handelt es sich um Steve (RJ Mitte), dem Sohn von Gordon (Nicholas Campbell), Pauls bestem Freund, der leider vor kurzem verstarb. Dass Steve vor geraumer Zeit verschwand und nicht einmal zur Beerdigung seines eigenen Vaters erschien, stößt bei Paul sauer auf, zumal er sich in der Pflicht sah, seinen besten Freund unter die Erde zu bringen.
Doch Steve ist nicht gekommen, um seine Schulden zu begleichen, zumindest nicht in barer Münze. Stattdessen schlägt er Paul vor, ihm das ausgegebene Geld für die Beerdigung mit einer Geschichte zu begleichen, die er stattdessen im Gepäck hat. Hiervon ist Paul natürlich wenig begeistert, was soll er schon mit einer Geschichte anfangen? Doch Steve lässt sich nicht beirren und startet seine Erzählung, die möglicherweise Pauls Leben nachhaltig verändern wird.

Auch wenn The Oak Room laut IMDb den Genres Horror und Psychothriller zugehörig ist, sollte man hier keinesfalls einen allzu gruseligen oder gar nervenzerrenden Schocker erwarten, der nichts für schwache Nerven ist. Dies ist, wie eingangs erwähnt, ein verfilmtes Theaterstück. Von daher solltet Ihr euch auf Dialoge statt Action einstellen – eine Menge Dialoge. Stellt euch einfach vor, ein Richard Linklater (Blue Moon) hätte die Idee gehabt, mal einen Horror-Thriller zu drehen – packt noch eine Prise The Hateful Eight obendrauf und das Ergebnis könnte genauso ausfallen, wie es bei The Oak Room der Fall ist.
Wer also mit dialoglastigen Geschichten wenig anfangen kann, der wird hier nicht glücklich werden. Mich hingegen zog die atmosphärische Bar im Winter-Atmosphäre schnell in ihren Bann. Was steckt hinter Steves Geschichte? Ich wollte es unbedingt wissen. Und auch wenn die Auflösung des Ganzen nicht der Mega-Twist ist, so endet die Geschichte doch rund und funktionsfähig. Einen kleinen Splatter-Moment gibt´s für Horrorfans obendrauf, es ist aber vor allem die Atmosphäre, die das Publikum in ihren Bann zieht.

Insgesamt ist The Oak Room ein ordentlicher, kleiner Film mit guten Darstellern, den ich euch, sofern Ihr es dialoglastig mögt, wirklich empfehlen kann. Die kurze Laufzeit von 89 Minuten (86 Minuten auf DVD) kommt da sehr gelegen. Bild- und Tonqualität sind sehr gut, die Synchronisation überzeugt ebenfalls. Im Bonusbereich gibt es ein längeres Gruppen-Interview mit Cast und Crew, Trailer und ein 24-seitiges Booklet, in dem die abgedruckten Interviews mit Regisseur und Drehbuchautor nachgelesen werden können. Wer beabsichtigt, sich eines der Mediabooks ins Regal zu stellen, sollte schnell sein. Beide Covervarianten sind jeweils auf 333 Stück limitiert.
Indeed Film Shop:
Mediabook – Cover A (Blu-ray & DVD)
Mediabook – Cover B (Blu-ray & DVD)