Dark Waters (1993) – Als limitiertes Mediabook (Blu-ray und DVD) im Handel erhältlich – Die Gegenkritik

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DAS HAT MAN NUN DAVON lautete einst der Titel eines Theaterstücks mit Heinz Erhardt. Treffender könnte man es nicht ausdrücken. Da befördert man die Praktikantin Lisa von der Kaffeemaschine zur Redakteurin und der Zorn der Horrorfans ereilt uns. Der Grund: DARK WATERS, den uns Wicked Vision jetzt im aufwendigen, limitierten Mediabook präsentiert, fiel bei Ihr unten durch und die Rezi laß sich zudem so flüssig wie der Handlungsverlauf einer Folge FRAUENTAUSCH. Doch der Rattenschwanz, den diese Kritik nach sich zog, war unglaublich. Klar, Wicked war zurecht empört, doch dass sich jeder noch so unbedeutende Hobbyblogger entrüstet gegen die Medienhuren stellte, kann so nicht im Raum stehen bleiben. Da mir nun das Mediabook vorliegt, habe ich mich des Streifens nochmals angenommen. Hier das Resultat.

Alternativtitel: Dead Waters

Regie: Mariano Baino

Darsteller: Louise Salter, Venera Simmons, Mariya Kapnist, Lubov Snegur

Artikel von Christian Jürs

Alles beginnt auf einer kleinen, steinernen Insel, auf der nur wenige Menschen wohnen. Trotzdem darf ein Kloster nicht fehlen. In dieser studiert ein Priester gerade ein altes Buch, als ein Sturm aufkommt und die gesamte Kirche ins Wanken gerät.

Parallel hierzu sehen wir, wie ein kleines Mädchen einer Nonne ein heidnisches Amulett mit einer teuflischen Fratze darauf übergibt. Kurz danach wird der Priester von einem herabstürzenden Kreuz getötet. Auch die Nonne stürzt derweil mitsamt dem Artefakt in den Tod, wobei beide auf den Klippen zerschellen. Die übrigen Nonnen bergen das offenkundig teuflische Kunstwerk und verpacken die Einzelteile in verschiede Schatullen, die an einem geheimen Ort in den Katakomben der Kirche gelagert werden. Die tote Nonne verkommt zu Fischfutter.

Dann folgt der obligatorische Zeitsprung – zwanzig Jahre später. Wir lernen Elizabeth (Louise Salter) kennen, deren Vater kürzlich verstarb. Dieser hatte bis zu seinem Tode, ohne das Wissen seiner Tochter, das eingangs vorgestellte Kloster finanziert. Um zu erfahren wieso er dies tat, begibt sich die junge Frau auf die Reise ins Nirgendwo, wo sie ihre Freundin Theresa (Anne Rose Phipps) treffen möchte, die bereits vorgeeilt ist. Schon auf Elizabeths Weg dorthin, kann sie vom Bus aus die Einheimischen bei unheimlichen Ritualen beobachten. Bad forshadowin.

Ein aufkommender Sturm macht ihr dann beinahe einen Strich durch die Rechnung, da sich der ortsansässige Fischer (Valeriy Bassel)  vernünftigerweise weigert, bei dem Wetter die Überfahrt zur Insel zu machen. Doch Elizabeth ist eine zielstrebige und verbissene Frau, die schließlich doch noch einen leichtsinnigen Bootsbesitzer (Pavel Sokolov) findet, der ihr die Bootsfahrt ermöglicht.

Hätte sie gewusst, was sich auf der Insel abspielt, hätte sie sicherlich auf dem Hacken kehrt gemacht. Wir jedoch werden eingeweiht. Die Nonnen von einst haben sich scheinbar durch die böse Macht des Amuletts verändert und führen eigenartige Rituale in den Gewölben durch, bei denen unter anderem Selbstgeißelung eine Rolle spielt. Wer´s mag. Doch es kommt noch schlimmer, denn wir werden Zeuge eines argentoesken Mordes an einer jungen Frau.

Wie zu erwarten war, wird die Fremde alles andere als freundlich auf der Insel aufgenommen. Alle Bewohner verhalten sich merkwürdig abweisend, vor allem natürlich die Nonnen. Von Theresa fehlt zudem jede Spur. Doch auch auf Elizabeth scheint die Insel eine eigenartige Wirkung zu haben. Plötzlich empfängt sie eigenartige Visionen und Flashbacks aus Kindertagen, die die junge Frau zur schlussendlich Abreise bewegen. Doch diese ist unmöglich, da das nächste Schiff auf sich warten lässt. Was läge also näher, als das Geheimnis des alten Klosters zu erforschen? Hilfe erhält sie dabei bei der jungen Novizin Sarah (Venera Simmons). Doch hätte Elizabeth gewusst, welch dämonisches Geheimnis auf der Insel lastet, sie wäre wahrscheinlich zurück geschwommen…

1993 war der italienische Horrorfilm tot. Umberto Lenzi und Lucio Fulci hatten ihren Regiehut an den Nagel gehängt und Dario Argento suchte sein Glück in Amerika (von wo er uns AURA mitbrachte, den er gerne hätte dalassen können). Lediglich Ruggeor Deodato kam mit DIE WASCHMASCHINE 1993 daher, einem Horrorthriller, bei dem Begeisterungsstürme jedoch ausblieben. Das Label FILMIRAGE von Skandalfilmer Joe D´Amato krächzte zudem ebenfalls in den letzten Zügen. Nur Michele Soavi arbeitete an einem neuen Projekt, welches anno ´94 unter dem Titel DellArmorte DellAmore das Licht der Welt erblicken sollte und sich zu einem der letzten wirklich gefeierten Italohorrorfilme entwickeln würde. Aber auch aus den USA kam zu der Zeit nur Schmodder, immerhin sind die „großen Horrorklassiker“ des Jahres ´93 Filme wie NEEDFUL THINGS, C2-KILLERINSEKT und RETURN OF THE LIVING DEAD 3 – eine magere Ausbeute.

Doch ein bis dahin unbekannter Italiener namens Mariano Baino sah noch Potenzial im guten, alten Italohorror und besorgte sich das Geld für seinen ersten (und bislang auch einzigen) Langfilm kurzerhand aus England und Russland, um seine Vision zu verwirklichen. Jetzt, ein viertel Jahrhundert später, erbarmt sich WICKED VISION und veröffentlicht dieses Kleinod (!) im Mediabook. Doch wie auf unserer Seite vor ein paar Tagen eindrucksvoll (hust) zu lesen war, ist DARK WATERS kein Film für jedermann. Nein, es ist tatsächlich Nischenkino für den Horrorfilmfan von einst. Denn Baino huldigt hier an jeder Ecke seinen Vorbildern. Argento, Fulci, Avati und Co., sie alle werden zitiert, was so manchen „Aha“-Effekt beim erfahrenen Zuschauer auslöst. EIBON, THE CHURCH, THE SECT, Vieles erinnert an die Klassiker meiner Kindheit und Jugend. Auch einen Hauch französisches Horrorkino Marke Jean Rollin, der ebenfalls wie Baino, eher mit wenigen Dialogen gearbeitet hatte, kann man hier und da spüren. Überdeutlich wird auch die Verbundenheit zu den Werken H.P. Lovecrafts, der seit jeher eher Geschichten für ein reiferes, denkendes Publikum geschrieben hatte.

Kein Wunder also, dass ein 18 jähriges Mädchen aus der Generation YouTube mit diesem Werk nicht viel anzufangen weiß. Ich hätte den Film damals als ich noch ein 18 jähriges Mädchen war, sicher auch nicht verstanden und ich hatte noch nicht einmal Internet. (Bitte letzten Satz streichen.) Doch auch mein Kollege Feldmann, der ebenfalls zum jüngeren Gemüse gehört und ursprünglich die Rezension verfassen sollte, gab sich nach der Hälfte der Laufzeit geschlagen. Der Fluch der späten Geburt halt. Wer jedoch die Filme von damals kennt und schätzt und ebenfalls das Surreale dem straighten Schrecken vorzieht, der könnte hier seine Freude dran haben. Mir gefiels jedenfalls.

Doch noch ein paar Worte zur Veröffentlichung seitens WICKED VISION, die dem Film immerhin drei verschiedene Mediabooks spendieren. Diese haben den Film erstmals synchronisieren lassen. Es ist eine gute Synchro geworden, die durchaus klingt, als sei sie zur Produktionszeit entstanden. Hierfür schonmal Daumen hoch. Was die Bildqualität betrifft, so kann man diese als gestochen scharf bezeichnen. Zu scharf auf Blu-ray, da das Ausgangsmaterial halt nicht die Schärfe hergibt, die hierfür nötig wäre. So entsteht hier und da ein unangenehmes Grund-Grisseln, welches auf mich ein wenig störend wirkte. Abhilfe schafft hier allerdings die beigefügte DVD, deren Bildqualität deutlich besser daher kommt (weil weit weniger körnig).

Im Bonusmaterial wird dann aber richtig geklotzt und nicht gekleckert, immerhin arbeitete man mit Mariano Baino eng zusammen. Dieser begrüßt den Zuschauer dann auch sofort nach einlegen der Scheibe persönlich und nahm sich die Zeit für Interviews und einen Audiokommentar. Auf der Bonusscheibe findet sich darüberhinaus ein ganzer Batzen Featurettes und Dokumentationen, ein Musik Video, Trailer und vieles mehr. Vor allem aber auch die einige Kurzfilme Bainos. Das Booklet umfasst zudem 48 informative Seiten in Deutsch und Englisch. Mehr geht nicht.

Abschließend kann man den Film Fans der bereits erwähnten Filme THE CHURCH und THE SECT, sowie den Geschichten Lovecrafts und deren Verfilmungen (wie zum Beispiel DAGON), auf jeden Fall ans Herz legen. Freunde von Mainstreamhorror sollten die Insel lieber weiträumig umschiffen.

Promo-Clip:

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