Medienhuren Sommer – Return to Sleepaway Camp (2008)

Es wird langsam ungemütlich an der frischen Luft. Der Herbst rückt näher, was bedeutet, dass unser Sommerspecial auch dem Ende zugeht. Bevor Kollege Christian die Schotten dicht macht, kehren wir noch ein letztes Mal ins Wegschlaf-Camp zurück. Originalregisseur Robert Hiltzik ließ es sich nämlich nicht nehmen, 25 Jahre nach dem Erstling, ein weiteres Sequel auf die Menschheit loszulassen. Mit RETURN TO SLEEPAWAY CAMP (2008) ist dabei ein Streifen ausgeschissen worden, der sich die Bezeichnung „letzter Sargnagel für ein Slasher-Franchise“ redlich verdient hat. Warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Sommercamp-Finale!

Originaltitel: Return to Sleepaway Camp

Drehbuch & Regie: Robert Hiltzik

Darsteller: Vincent Pastore, Michael Gibney, Paul DeAngelo, Isaac Hayes, Jonathan Tiersten, Felissa Rose…

Artikel von Christopher Feldmann

Bevor ich mich aufmachte, mein Sommerspecial abzuarbeiten, war ich noch ziemlich skeptisch, bezüglich der Filmauswahl. Es gibt mit aller Wahrscheinlichkeit bessere Filme, die man sich für solch ein Special aussuchen könnte, doch ich habe mir die SLEEPAWAY CAMP-Reihe aufschwatzen lassen. Dabei war nicht alles schlecht, denn in einigen Momenten hatte ich wirklich Spaß an dem Wald und Wiesen Unsinn. Und trotzdem gestaltet sich mein Rückblick nicht gerade wehmütig, war doch auch viel Müll dabei. Den größten Kackhaufen habe ich aber nun hinter mich gebracht, denn im Falle von RETURN TO SLEEPAWAY CAMP (2008) kann man nicht von einem unrühmlichen Abschluss rede, das wäre definitiv zu hoch gegriffen. Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Robert Hiltzik, der außer dem okayischen Original wahrlich nichts geleistet hat, hatte die glorreiche Idee, eine Fortsetzung zu drehen, die inhaltlich an den Erstling aus dem Jahr 1983 anknüpfen sollte. Hiltzik kaufte die Rechte an der Marke zurück, nachdem er sie in 1980ern Jahren veräußert hatte und begann mit der Produktion des hier vorliegenden Films, wobei ihm aber auch einige Turbulenzen nicht erspart blieben. Hätte er das mal als Omen gesehen und das ganze Projekt einfach ruhen lassen, dann wäre uns dieses unsäglich miese Sequel erspart geblieben. RETURN TO SLEEPAWAY CAMP (2008) ist eine einzige Katastrophe, die derart die Nerven beansprucht, dass sich Scripted-Reality-Dokus auf RTLII fast schon wie Qualitätsfernsehen anfühlt.

Handlung:
20 Jahre sind seit dem furchtbaren Amoklauf Angela Bakers (Felissa Rose) in Camp Arawak vergangen. Die Ferienanlage wurde daraufhin dicht gemacht und Angela landete in der Klapse. Nun hat Frank Kostic (Vincent Pastore) den Laden unter dem Namen „Camp Manabe“ wiedereröffnet und muss sich mit allerlei verhaltensgestörten Teenagern herumärgern. Einer von ihnen ist Alan (Michael Gibney), ein auffälliger Camp-Teilnehmer, der von den Anderen rund um die Uhr drangsaliert und gedemütigt wird. Als es plötzlich zu bizarren Todesfällen kommt, gerät er in Verdacht, etwas damit zu tun zu haben. Aufseher Ronnie (Paul DeAngelo), der die Ereignisse damals miterlebt hat, hat hingegen eine andere Theorie. Er ist der festen Überzeugung, dass Angela wieder da ist!

Das war wirklich unterwältigend. RETURN TO SLEEPAWAY CAMP beginnt schon verheißungsvoll. Während Zeitungsausschnitte, die man gar nicht richtig lesen kann, über den Bildschirm flimmern und die Credits abgefrühstückt werden, bekommt der Zuschauer einen unsäglichen Pseudo-Rocksong präsentiert, der wohl als Theme funktionieren soll, dabei aber so scheiße klingt, als hätte ihn eine zugedröhnte Schülerband in einer Garage eingespielt. Da ist man als unbefleckter Slasher-Liebhaber schon skeptisch und es keimt langsam der Verdacht, dass das ziemliche Kacke werden kann. Die erste wirkliche Szene, ist dabei bezeichnend für das Niveau dieses Streifens. Ein paar unsympathische Teenager sitzen in ihrer Hütte und zünden sich ihre eigenen Fürze an. Wow, der Wahnsinn. Als hätte es sich Hiltzik förmlich zur Aufgabe gemacht, die Mindestanforderungen für strunzblöde, unsympathische Arschloch-Kids in Horrorfilmen zu unterbieten. Aber das war noch nicht das Ende der Fahnenstange, da hat die günstig produzierte Chose noch einige Kalauer mehr zu bieten.

Dreh und Angelpunkt der kaum existenten Story, ist Fettsack Alan. Eigentlich müsste man Mitleid mit dem Jungen haben, wird er doch auf das übelste gemobbt und scheint dabei am Ende seiner Kräfte angekommen zu sein. So wird er vom assozialen Hilfskoch mit Eiern beworfen, von Arschloch-Aufseher Randy vorgeführt und bekommt auch von der Clique seines Stiefbruders Michael übel mitgespielt. Das ist schlimm und man müsste dem armen Jungen wirklich eine Träne nachweinen, wenn er nicht selbst ein absolutes Ober-Arschloch vor dem Herrn wäre. Ich weiß nicht, was das Drehbuch hiermit bezwecken will, denn in meinen Augen hat es das Dickerchen auch nicht anders verdient. Immerhin beleidigt er alle, bedroht kleinere Jungs, bewirft den Koch mit einem Messer und verhält sich auch abseits dieser Szenen so unsympathisch, dass die seelischen Bestrafungen durchaus gerechtfertigt sind.

Aber Alan ist nicht der einzige Unsympath in Camp Manabe. Alle anderen sind ebenfalls ziemliche Arschgesichter. Das fängt bei Leiter Frank an, der nichts auf die Reihe bekommt und eine absolute Vollpfeife ist, und hört bei den Teenagern auf. Hier ist wirklich niemand sympathisch. Einzig Ronnie gibt sich sichtlich Mühe, ein warmes Herz für Kinder zu haben, sieht aber in seinem Tank-Top aus, wie Proleten-Ulli von der Pommesbude an der Ecke. Man kann es kaum erwarten, dass endlich der Killer umgeht und den Bälgern, wie auch den Aufsehern, die Mäuler stopft, damit sich der Zuschauer nicht weiter diese furchtbaren Dialoge anhören muss, die von den, nennen wir sie mal Schauspielern abgesondert werden. Inhaltlich folgt das „Drehbuch“ dabei den Pfaden, auf denen sich schon das Original bewegt hat. Nur ist hier Alan anstelle von der unscheinbaren Angela das wehleidige Opfer. Doch Hiltzik hält seine potenziellen DVD-Käufer ja nicht für bescheuert und überrascht uns mal wieder mit einem waschechten Twist, der allerdings so albern und bescheuert ist, dass ich lauthals lachen musste.

Achtung, SPOILER:

Kurz vor Ende des Films entpuppt sich Sherriff Jerry als Killer. Es stellt sich heraus, dass sich Angela, die in ihrem Cameo von Original-Aktrice Felissa Rose verkörpert wird, die ganze Zeit über als Sherriff verkleidet hat. Dabei fragt man sich, warum niemand bemerkt hat, dass sie mit Perücke und falschem Bart als Sherriff so authentisch aussieht wie Hans-Otto, der zum Karneval sein Polizistenkostüm aus der Mottenkiste holt. Das ist schon ziemlich dämlich aber immerhin gehört die finale Lache der Killerin zum besten Moment des Films, auch wenn ihr kurzes Schauspiel unfreiwillig komisch wirkt.

Apropos Schauspiel: Dass sich in RETURN TO SLEEPAWAY CAMP fast nur absolute Arschgeigen tummeln, hätten wir ja geklärt. Dass die Darsteller sich ebenfalls auf jenem Niveau bewegen, steht wieder auf einem anderen Blatt. Wirklich niemand kann hier Akzente setzen, denn alle dümpeln nur so durch ihre miesen Zeilen. So ziemlich alle Teenager im Film, von denen ein Großteil mindestens das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet hat, sind ausnahmslos furchtbar. Michael Gibney, unser gehänseltes Dickerchen, ist allerdings der Schlimmste von allen. Eine unerträgliche Kackbratze, wie man sie selten zu Gesicht bekommt. Rückkehrer Paul DeAngelo betreibt gnadenloses Overacting, was zumindest hin und wieder für einen peinlichen Schmunzler sorgt, während Vincent Pastore, der immerhin mit Scorsese GOODFELLAS (1990) gedreht hat und Mitglied der SOPRANOS war, anscheinend nur zugesagt hat, weil man ihm ein üppiges Buffet versprochen hat. Auch Soul-Legende Isaac Hayes stattet dem unsäglichen Treiben einen Besuch ab, verschwindet aber nach zwei bedeutungslosen Szenen aus dem Film. Ein unrühmlicher Abgang für den SHAFT-Komponisten, da es die letzte Rolle vor seinem Tod im Jahr 2008 war.

Aber immerhin hat dieser unsägliche Slasher den ein oder anderen netten Gore-Moment zu bieten und die Kills sind nicht mal unkreativ. So bekommt man einen frittierten Kopf und eine gehäutete Leiche zu sehen, ein Penis wird per Jeep abgerissen und eine dicke, dauerfutternde Camp-Teilnehmerin bekommt eine maximale Körperakkupunktur verpasst. Ein kleines Highlight ist sicher ein, den Drogen zugeneigter, Camper, der Benzin eingeflößt bekommt und dem anschließend der Mund mit einem Anti-Drogen-Aufkleber verschlossen wird (ja, Subtilität ist Hiltziks Ding), nur um ihm schließlich die glühende Zigarette hindurch in den Mund zu stecken, was von einer beschissenen CGI-Explosion abgerundet wird. Witzig. Und bevor einer fragt: Möpse sucht man in RETURN TO SLEEPAWAY CAMP vergebens, leider.

Die ganze filmische Scheißigkeit wird letztendlich noch von der unsagbar schlechten Inszenierung abgerundet, die wirkt als hätte irgendein durchgeknallter Fan diesen Schlonz zusammengeklöppelt. So findet man reihenweise Anschlussfehler, ein Mikrofon, das im Bild hängt und auffällige Attrappen. Achtet man darauf, wenn Michael den guten Alan mit dem Cricket-Schläger bearbeitet, Stichwort: Gummi. Zudem kommt noch der völlig vermurkste Schnitt, durch den Szenen auf Bild- und Tonspur einfach abgebrochen werden, nur um zur nächsten Szene zu schneiden, die völlig random wirkt. Man könnte das vielleicht damit rechtfertigen, dass Robert Hiltzik anno 2003 etwas aus der Übung war, da er ja die vorigen 20 Jahre keinen Film gedreht hat. Ihr fragt euch jetzt sicher, wieso der Film 2003 gedreht wurde aber erst 2008 erschienen ist. Das liegt daran, dass RETURN TO SLEEPAWAY CAMP keine zufriedenstellenden Effekte vorzuweisen hatte und mehrere Gespräche mit Verleihern scheiterten. Schließlich wurde ein kleines F/X-Team angeheuert, um das CGI zu korrigieren, welches immer noch kacke aussieht aber egal, und ein paar kleine Nachdrehs zu machen, bei denen zum Beispiel die Einstellung des gehäuteten Michael entstanden ist. Nachdem dieses Unterfangen erledigt war, konnte der Streifen dann 2008 im Heimkino erscheinen. Es gibt Gerüchte, dass Hiltzik an einem weiteren Sequel arbeitet, welches den Titel SLEEPAWAY CAMP REUNION tragen soll. In Anbetracht der Produktionsumstände und den Schwierigkeiten mit der Finanzierung, können wir nur hoffen, dass dieser Film nicht zu Stande kommt und Angela in Rente gehen darf.

Fazit:
Klappe zu, Affe tot! Mit RETURN TO SLEEPAWAY CAMP (2008) schließen wir unsere kleine Slasher-Retrospektive ab. Die späte Fortsetzung ist mit Abstand der mieseste Eintrag in das, qualitativ eher mäßige, Franchise (Teil 4 kann man nicht als Film bezeichnen). Unsympathische Arschloch-Figuren, schlechte Darsteller, eine amateurhafte Inszenierung und spätpubertäre Witze sorgen für ordentliche Fremdscham. Auch wenn ein paar Slasher-Momente ganz nett sind, bleibt dieser Streifen insgesamt ein kaum erträglicher Brei aus filmischer Talentfreiheit. Okay, die anderen Filme der Reihe waren jetzt auch keine Leuchten aber zumindest UNHAPPY CAMPERS (1988) hatte noch ein gewissen Charme und die nötige Portion Ironie und Spaß, was diesem Machwerk hier deutlich abgeht!

Christopher auf Letterboxd – Your Life in Film folgen

Zur Kritik “Sleepaway Camp”

Zur Kritik “Sleepaway Camp 2: Unhappy Campers”

Zur Kritik “Sleepaway Camp 3: Teenage Wasteland”

Zur Kritik “Sleepaway Camp 4: The Survivor”

Zurück zum Medienhuren Sommer

Zurück zur Startseite

[page_visit_counter_md id=’13497′]

Diesen Artikel auf Facebook teilen