Die Augen des Satans (1957) – Ab sofort ungekürzt auf DVD im Handel erhältlich

Auch wenn der deutsche Titel uns den Gehörnten vorgaukelt, handelt es sich hier doch um die Augen eines außerirdischen Invasoren. Die hatten in den 50er Jahren Hochkonjunktur in Hollywood und so entstanden in dieser Zeit Klassiker wie KRIEG DER WELTEN (1953) und DIE INVASION DER KÖRPERFRESSER (1956). Diesmal bemächtigt sich ein böses Alien des Körpers von TARANTULA-Held John Agar, um durch ihn seine Weltherrschaftspläne zu verwirklichen. Ob diese gelingen, kann man jetzt auf der Wiederveröffentlichung von STUDIO HAMBURG ENTERPRISES begutachten. Wir haben´s getan und präsentieren Euch das Ergebnis.

Originaltitel: The Brain from Planet Arous

Regie: Nathan Juran (als Nathan Hertz)

Darsteller: John Agar, Joyce Meadows, Robert Fuller, Thomas B. Henry

Artikel von Christian Jürs

Der Wissenschaftler Steve March (John Agar) macht, zusammen mit seinem Kollegen Dan Murphy (Robert Fuller), eine beunruhigende Entdeckung. Die Geigerzähler, die die beiden am Mystery Mountain (geheimnisvoll, geheimnisvoll) angebracht haben, zeigen eine unregelmäßige, hohe Strahlung an. Das verlangt eine Untersuchung, doch erstmal hat Steves Freundin Sally (Joyce Meadows) den hungrigen Forschern ein Mittagessen kredenzt.

Was die beiden mutigen Wissenschaftler dann allerdings am Mystery Mountain entdecken, verschlägt ihnen die Sprache. Sie finden nämlich eine Höhle, die ihnen bislang unbekannt war (grusel). Diese betreten die beiden mutigen (lebensmüden?) Männer natürlich, um dem Geheimnis der plötzlichen Höhlenerscheinung auf den Grund zu gehen. Keine allzu gute Idee, wie sich bald herausstellt, denn in der Höhle haust der Außerirdische Gor, der nichts Gutes im Schilde führt und den alten Plan die Weltherrschaft an sich zu reißen, verfolgt (Hätte er die Geschichtsbücher der Menschen studiert, wüsste er, dass diese normalerweise scheitern). Dabei schaut das Alien eigentlich ganz putzig aus. Ein Schwebehirn mit ziemlich bekifft wirkenden Äuglein. Würde es Gor als Stoffpuppe von der Firma Steiff geben würde, wäre er sicher ein gern gesehener Knuddelgast in den Kinderzimmern. Doch Gor ist so gar nicht von der netten Sorte und bläst Dan das Lebenslicht aus, ehe er sich Steves Körper bemächtigt, um seinen finsteren Plan in die Tat umzusetzen.

Doch da hat er die Rechnung ohne Sally gemacht, die so ganz anders als die Damen in den Horrorschockern der damaligen Kinozeit, gar kein kreischendes Dummchen ist, welches von einem edlen Helden gerettet werden muss. Nein, Madame schürt gleich bei Steves Heimkehr Verdacht, dass da was faul ist im Staate Dänemark (oder halt Kalifornien, wo der Film entstand). Grund für ihre Annahme, dass Steve übrigens nicht mehr derselbe sei, ist seine plötzliche, stürmische Art zu küssen. Müsste sie nicht eigentlich dankbar sein, dass ihr Freund anstelle seiner blöden Geigerzähler nun lieber an ihr herumspielen möchte? Aber doch nicht im sauberen Amerika.

Deshalb macht sich die skeptische Dame, zusammen mit ihrem Vater (Thomas B. Henry) auf, die Höhle des Mystery Mountains aufzusuchen, um die Ursache für Steves eigenartiges Verhalten zu ergründen. Die beiden entdecken zunächst Dans Leichnam, was Sally erneut recht gelassen aufnimmt (“Du brauchst die Taschenlampe nicht ausschalten. Ich hab´s längst gesehen.). Dann treffen sie auf das bekiffte Schwebegehirn. Doch diesmal ist es nicht Gor, sondern dessen wesentlich netterer Verfolger Val, quasi der Weltraumpolizist, der den Tag retten möchte. Dieses, ziemlich identisch ausschauende Kifferhirn, erklärt Sally und ihrem Dad erstmal die bösen Absichten Gors und bemächtigt sich dann des Körpers von Sallys Hund, um behilflich bei der Jagd nach dem angehenden Diktator zu sein. Warum er nicht in den Körper eines Menschen schlüpft, was wesentlich praktischer für die Jagd wäre? Keine Ahnung. Vielleicht wollte man einfach Hundefans eine Freude machen.

Steve ist derweil nicht untätig. Wenn er nicht gerade vergebliche Begattungsversuche an Sally verübt (der Besuch bei einer Prostituierten kommt ihm nicht in den Sinn), droht er der Menschheit mit totaler Vernichtung, sollte er nicht die alleinige Herrschaft über den Planeten erhalten. Er demonstriert seine Macht dann an einem an einem Bindfaden hängenden Flugzeug, welches er mit seinen “Satansaugen” zum explodieren bringt. Doch er hat nicht mit Sally und ihrem neuen Freund Lassie gerechnet, die seine Pläne zu vereiteln versuchen…

Mann-O-Meter, was für ein herrlicher Humbug. Der Schocker von anno Dazumal entpuppt sich schon nach wenigen Filmminuten, wenn das doppelt belichtete Filmmaterial den fiesen Außerirdischen mit dem Schlafzimmerblick präsentiert, als Schlocker. Passend dazu chargiert Horrorikone John Agar (Cabal – Die Brut der Nacht / Body Bags) auf Biegen und Brechen, was den Spaß nur noch vergrößert. Nein, Gruseln kann man sich hier nicht und die Freigabe ab 16 Jahren ist schon eine Farce, denn hier werden sich nur die ganz Kleinen fürchten. Das macht aber alles nix, denn als Trashfilm hat der Film so einige Qualitäten. Erfreulich ist zudem der starke Frauencharakter, der erst in den letzten Filmminuten dann doch noch zur Kreischelse mutiert, damit (Vorsicht – Spoiler) Herr Agar, endlich vom Ungetüm befreit, mit der Axt in der Hand dann doch noch den Tag retten kann. Wie er aus der Nummer, der Menschheit gedroht und mehrfach Morde begangen zu haben, wieder rauskommen will, dass bleibt allerdings sein Geheimnis.

Vor einigen Jahren erschien der Film bereits innerhalb der Reihe “Die Galerie des Grauens” aus dem Hause Anolis. Diese Scheibe beinhaltete einen Audiokommentar von Christian Kessler und Ingo Strecker, der hier leider fehlt. Dafür bekommen wir jetzt eine brandneue Abtastung von der letzten erhaltenen 35mm Kopie, die wirklich ausgezeichnet ausschaut. Auch der Ton in Deutsch und Englisch ist, trotz des Alters, hervorragend. Als Bonus gibts den Kinotrailer und eine Wendecover ohne Flatschen.

Freunde von Filmen, die SchleFaz-würdig sind, jedoch auf die Kommentare von Herrn Kalkofe und Rütten lieber verzichten, sollten hier unbedingt zugreifen. Es gibt einen Grund, warum der Regisseur seinen Namen hier zurückzog. Ich hatte jedenfalls eine Menge Spaß.

Trailer:

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