Christophers Hurenween #9: The Prowler – Die Forke des Todes (1981)

Wir steuern schnurstracks auf den beliebten Gruseltag zu und haben anlässlich unseres Hurenween-Specials nochmal die Mistgabeln gewetzt, denn mit THE PROWLER – DIE FORKE DES TODES (1981) haben wir noch einen deftigen Slasherfilm im Gepäck, der Freunden von Schlitzerstreifen der 1980er ein dickes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Warum Untreue das Leben stark verkürzt und einsames Plantschen im Pool eine schlechte Idee ist, erfahrt ihr in unserem Artikel!

Originaltitel: The Prowler (alt. Rosemary’s Killer)

Drehbuch: Neal F. Barbera, Eric Lewald, Mark Edward Edens, Michael Edens
Regie: Joseph Zito

Darsteller: Vicky Dawson, Christopher Goutman, Lawrence Tierney, Farley Granger, Cindy Weintraub…

Artikel von Christopher Feldmann

Die frühen 1980er Jahre standen ganz im Zeichen des Slasher-Genres. Kaum eine Woche ging vorüber, in der nicht irgendein kreativ maskierter Killer sein Unwesen auf der Leinwand trieb und sorg- wie auch hemmungslose Teenager massakrierte. Der ganze Hype und Erfolg dieses sehr simplen Konstrukts des Horrorfilms geht natürlich auf John Carpenters unsterblichen Klassiker HALLOWEEN (1978) zurück, der seinerzeit für prall gefüllte Kinos, sowie verängstigte Zuschauer sorgte und mit seiner perfektionierten Formel eine ganze Welle an Trittbrettfahrern auslöste, die, gefühlt, alle denselben Film immer und wieder gedreht haben, mit leichten Variationen natürlich. Der prominenteste Vertreter ist mit Sicherheit FREITAG DER 13. (1980), der dem von Carpenter erarbeiteten Konzept noch eine besondere exploitative Note hinzufügte. Atmosphärischer Grusel und Suspense reichen nicht mehr, das Publikum will Blut sehen und zwar reichlich davon. In Folge dessen versuchten Filmemacher immer wieder sich gegenseitig in Sachen Gore und kreative Kills zu übertrumpfen, die Storys und Figuren wurden schnell zur Nebensächlichkeit. Joseph Zitos THE PROWLER, gerne auch als ROSEMARY’S KILLER betitelt, ist einer der pursten Auswüchse dieser Gattung. Eine rudimentär vorhandene Story, wenig Tiefgang und literweise Kunstblut. Und Trotzdem hat das Gemetzel mit der Mistgabel ein paar schöne Dinge zu bieten.

Handlung:
1945, das Ende des zweiten Weltkriegs. Die junge Rosemary (Joy Glaccum) schreibt einen Brief an ihren, als Soldat eingezogenen, Freund, in dem sie die Beziehung für eine neue Liebe beendet. Wenig später wird in der Kleinstadt Avalon der Abschlussball gefeiert und Rosemary genießt in einer romantischen Gartenlaube die Zweisamkeit mit ihrem neuen Liebsten Roy (Timothy Wahrer). Das Glück wird je beendet, als ein Unbekannter in Soldatenkluft die beiden mit einer Mistgabel grausam ermordet. 35 Jahre später soll wieder ein Abschlussball in Avalon stattfinden, der erste seit den grausamen Ereignissen in der Vergangenheit. Während Pam (Vicky Dawson) die letzten Vorbereitungen trifft und langsam dem örtlichen Deputy Mark (Christopher Goutman) näher kommt, streift sich jemand abermals die Uniform über, wetzt Mistgabel und Messer und beginnt dem bunten Treiben ein blutiges Ende zu bereiten.

THE PROWLER ist ein lupenreiner Slasher der 1980er Jahre. Sucht euch ein beliebiges Klischee aus, welches dem Genre anhaftet, ihr werdet es mit Sicherheit in diesem Film vorfinden. Man merkt praktisch in jeder Sekunde, dass hier niemand an einer runden Geschichte, geschweige denn an einem guten Film interessiert war, sondern alle lediglich die Dollarzeichen in den Augen hatten, da das Forken-Gemetzel 1:1 die bekannten Beats abarbeitet, um im Fahrwasser von HALLOWEEN und FREITAG DER 13. ordentlich Kassen zu machen. So bekommt der Zuschauer das, damals sehr beliebte, Motiv der schrecklichen und bedeutungsvollen Vergangenheit vorgesetzt, die die Protagonisten der Gegenwart heimsucht. Besondere Anlässe oder Feiertage gehören ja auch zum guten Ton, weswegen das Ganze hier am örtlichen Abschlussball spielt. Und weil ja die potenziellen Opfer ebenfalls engen Strickmustern entsprechen müssen, sind die Teenager natürlich allesamt feierwütige Kids, die gerne dem Alkohol und dem Beischlaf frönen. Genug Material also, um ordentlich die Klinge spielen zu lassen.

So sehr wie die Genre-Klischees auch ausgewalzt werden, das „Drehbuch“ unterbietet dabei noch die schmalsten Anforderungen, die man an solch einen Streifen haben kann. Die Figuren sind alle völlig austauschbar und entsprechen wirklich dem absoluten Slasher-Standard. Man könnte fast meinen, es hätte irgendwo eine Brutstätte für Horrorfilm-Teenager gegeben, an der sich windige Produzenten und Regisseure hemmungslos bedient hätten. Schnuckelchen Vicky ist die vernünftige, brave Blondine, die natürlich unser Final Girl darstellt, während der gescheite Deputy Mark das passende Pendent dazu bildet. Dazwischen gibt es die creepy Ortsbewohner, die für den Zuschauer als Verdächtige herhalten müssen, die klassische Zicke, die Vicky gerne den Boyfriend mopsen würde und die laszive Mitbewohnerin, die ihren Lover gerne unter der Dusche vernascht. Das Ganze wird dann noch um den Sherriff erweitert, der lieber zum Angeln fährt, als nach dem Rechten zu schauen und den ehemaligen Bürgermeister, der die ganze Zeit nur unheimlich aus der Wäsche guckt.THE PROWLER ist inhaltlich Malen nach Zahlen, absolutes Schema F und so überraschend mein morgendlicher Gang aufs Klo.

Natürlich sind auch die Dialoge absolut belanglos, die man hier aufs Papier gekotzt hat und den zugegebenermaßen mäßigen Darstellern in den Mund gelegt hat. Auch die Auflösung, wer jetzt für die zahlreichen Leichen gesorgt hat, ist eigentlich schon früh erkennbar und jeder Mensch mit etwas Halbwissen riecht den Braten Kilometer weit. Die Besetzung besteht größtenteils aus unbekannten Nachwuchsschauspielern, die danach keine nennenswerte Karriere hingelegt haben. Während Vicky Dawson und Christopher Goutman zumindest ein ansatzweise sympathisches Duo abgeben, deren Beziehung aber niemand abnimmt, ist der Rest der Mischpoke nur Kanonenfutter. Immerhin tummeln sich zwei bekanntere Mimen in dem Slasher-Reigen. Zum einen Lawrence Tierney, als Bürgermeister Chatham, den man vor allem als Gangsterboss Joe aus Quentin Tarantinos furiosem Debüt RESERVOIR DOGS (1992) kennen sollte. Der andere Hollywood-Recke ist Farley Granger als Sherriff, in seiner Hochzeit ein angesehener Mime, der sogar zweimal mit Regie-Legende Alfred Hitchcock zusammen arbeitete, nämlich bei COCKTEIL FÜR EINE LEICHE (1948) und DER FREMDE IM ZUG (1951). Später versandete die Karriere und Granger trat immer öfter in B-Movies auf, wie zum Beispiel in dem schmierigen Giallo SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL (1972) und eben THE PROWLER (1981).

Was den Beitrag zum Schlitzerfilm dennoch ordentlich werden lässt, ist die Inszenierung. Joseph Zito schafft es streckenweise, dem plumpen Skript entgegenzuwirken und einige schöne Sequenzen in Szene zu setzen. Dabei setzt der Regisseur vorzugsweise auf eine recht düstere Atmosphäre, besonders ins Auge sticht dabei die leicht alptraumhafte Optik. Zito arbeitet mit einem besonderen Beleuchtungskonzept, was dem Film eine besondere Note verleiht. Man könnte Zito fast schon als Pionier des „Lens Flare“ bezeichnen, trotzdem sorgen die vielen Blendflecken für einen gewissen stimmungsvollen Touch, was mit der leichten Grobkörnigkeit ziemlich stimmig wirkt. Auch wenn visuell und inszenatorisch hier keine Kunststücke vorhanden sind, sorgt der Film für einen netten Grusel, auch wenn die Jump-Scares wirklich mit Anlauf kommen. Trotz dessen qualifizierte sich Zito somit als Regisseur für FREITAG DER 13. – DAS LETZTE KAPITEL (1984), einer der besten FREITAG-Sequels, und die Cousins Menahem Golan und Yoram Globus, für die er die Norris-Vehikel MISSING IN ACTION (1984) und INVASION U.S.A. (1985) drehen durfte.

Das eigentliche Highlight des Streifens sind natürlich die zahlreichen Gore-Effekte. THE PROWLER gehört mit Sicherheit zu den härtesten Vertretern des Genres und ist in seinen Kills ziemlich explizit. Egal ob das durchbohren eines Körpers mit einer Mistgabel, das Aufschlitzen von Kehlen oder das Rammen eines Messers durch einen Kopf. Wenn hier gemordet wird, dann auch mit ordentlich Kunstblut und ziemlich guten Make-Up Effekten. Für diese war niemand geringeres als Splatter-Guru Tom Savini zuständig, der sich mit seinen kreativen und zeigefreudigen Arbeiten für die Genre-Klassiker DAWN OF THE DEAD (1978), FREITAG DER 13. (1980) und MANIAC (1980) unsterblich machte. Stellenweise ist THE PROWLER ein echtes Showcase für Savinis Künste, welches auch heute noch restlos überzeugen kann. Allein deswegen lohnt sich eine Sichtung.

Aber Vorsicht, liebe Horror-Fans! Wer jetzt Blut geleckt hat und THE PROWLER schon in seine Watchlist für einen schaurigen Halloween-Abend gepackt hat, sollte sich im Klaren sein, dass die ungeschnittene Fassung in Deutschland beschlagnahmt ist. Es gibt den Film zwar auf DVD zu kaufen, allerdings nur in einer geschnittenen Version, die wirklich ziemlich unbrauchbar ist. Es existiert aber auch eine Uncut-VÖ, die eine deutsche Synchro an Bord hat, welche aber dermaßen schlecht ist, dass man bitte die originale Tonspur nutzen sollte. Es gibt Pornofilme, die engagierter und talentierter synchronisiert sind. Das Label Studiocanal hat vor Jahren in Australien eine Blu-Ray des Films veröffentlicht und die Scheibe auch mit neuem deutschen Ton ausgestattet, der qualitativ Lichtjahre besser ist. Ich möchte an dieser Stelle niemanden verleiten, sich auf die Suche nach dieser Auflage zu begeben, immerhin findet die deutsche Behörde das böse.

Fazit:
Joseph Zitos Slasher THE PROWLER – DIE FORKE DES TODES (1981) ist eher unterrepräsentierter Vertreter des Genres, aufgrund seiner charmant atmosphärischen Inszenierung und den hervorragenden Effekten aber durchaus sehenswert. Wer sich daran ergötzen kann, wird dem Film vermutlich auch das doofe Skript und die mäßigen Darsteller verzeihen. Fans klassischer Schnetzel-Produktionen kommen hier aber voll auf ihre Kosten!

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