Die neue Grusel-Serie aus dem Hause EUROPA geht nunmehr in die siebte Runde und erneut hoffen die Fans, dass sich der angenehme Schauerfaktor der alten neonfarbenen Reihe einzustellen vermag. Die Chancen stehen nicht schlecht, waren die gelbfarbenen Folgen doch bislang die Stärkeren aus der Serie und auch die Rückkehr der beiden schrulligen, alten Helden aus Folge 3 machen Mut auf einen kurzweiligen Spaß. Ob das schicke Cover und die gute Sprecherwahl dieses Versprechen einlösen können?

Buch und Effekte: André Minninger

Regie und Produktion: Heikedine Körting

Sprecher: Elga Schütz, Eckard Dux, Elke Reissert, Judy Winter, Michael Prelle, Wolfgang Pampel

Klappentext: Nächtliche Todesschreie in einer Senioren-Residenz. Einbildung oder Realität? Eine alte Mitbewohnerin löst sich scheinbar in Luft auf und hinterlässt einen schaurigen Fund! Wieder einmal ist Hattie Millers Scharfsinn gefragt! Gemeinsam mit ihrem Mann Henry begibt sie sich auf Spurensuche und begegnet dem unfassbaren Grauen: MONDÄRA!

Artikel von Christian Jürs

Mit der Rückkehr des schrulligen, alten Ehepaares Hattie (Elga Schütz) und Henry Miller (Eckard Dux) gibt es, neben dem Farbwechsel des Coverdesigns, eine weitere Parallele zur alten Neon-Gruselserie aus dem Hause Europa. Dort waren es Tom Fawley und Eireen Fox (zuletzt Eireen Fawley), gesprochen vom echten Paar Horst Frank und Brigitte Kollecker, die sich die Bälle zuwarfen.

Elga Schütz

Nicht die einzige Parallele, waren doch die Fawleys zu Beginn ihres letzten Abenteuers Das Duell mit dem Vampir, ebenso wie die Millers heute, mit dem Auto auf nächtlicher Straße unterwegs. Ein netter Gag, den Autor André Minninger hier eingebaut hat. Kurz darf Henry, der orgentlich einen über den Durst getrunken hat, nachdem er sich sich auf einer Party mit Hatties Freundinnen gelangweilt hat, über die alten Schachteln süffisant herziehen, als eine Gestalt auf der Straße auftaucht, die Hattie, die sowieso ungern abends fährt, zur Vollbremsung zwingt. Die Gestalt war eine ältere Dame, die sich als Blanche Cooper (Elke Reissert) vorstellt und der Gott sei Dank nichts geschah. Auch wird sie mitnichten von einem Wolfsmenschen verfolgt. Nein, sie entfloh der nahegelegenen Seniorenresidenz, in der sie derzeit wohnt, um Hilfe herbeizuholen, die ihr vor Ort verwehrt blieb. Sie schwört Stein auf Bein, dass eine Freundin und Mitbewohnerin ums Leben gekommen sei. Sie konnte ihre Todesschreie vernehmen. Doch die resolute Heimleiterin Mrs. Summer (Judy Winter) glaubt ihr kein Wort, wie die Millers feststellen müssen, als sie Blanche in ihre Behausung zurück begleiten. Stattdessen erweist sich die Dame als kühl und abweisend und maßt dem Verschwinden der Heimbewohnerin, von der fortan jegliche Spur fehlt, keine Bedeutung bei. Sie sieht es als Privileg, dass in der Residenz die Bewohner genügend Freiraum haben, um auch mal fortzubleiben, wenn sie es wünschen. Während Henry nur noch seinen Rausch ausschlafen möchte, wittert Hattie folgerichtig ein Verbrechen und beginnt am Folgetag mit den Ermittlungen, um Blanche zu helfen und dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Doch die Lösung des Falles, so verraten uns Cover und Titel bereits, lehrt auch dem letzten Vegetarier das kalte Grausen…

Eckard Dux

Bei den Star Trek Filmen waren es meist die Streifen mit gerader Zahl, also 2, 6, 8 und vor allem 4, die beim Publikum gut ankamen (Teil 10 bildete dann die fürchterliche Ausnahme). In der neuen Gruselserie von Europa ist es genau umgekehrt. Versprühten der Polterabend, die Moskitos und vor allem der Graf im Weltenraum ein wenig den Geist der alten Neon-Reihe, waren (zumindest in meinen Augen und Ohren) der Yeti, die luschigen Außerirdischen und die schwimmenden Leichen echte Rohrkrepierer, die gepflegte Langeweile versprühten. Das soll aber nicht heißen, dass Mondära – Im Todesgriff der Würgepflanze spannungstechnisch in der oberen Liga der Hörspielgrusler spielt. Nein, dafür ist auch diese Geschichte einmal mehr zu geschwätzig. Es beginnt schon damit, dass wir den Eingangsmord nur in Erzählungen und kurzen Rückblenden serviert bekommen, anstatt eine stimmungsvolle Eröffnungsszene zu gestalten. Im Film nennt man dies “show, don´t tell” und eben diese Worte sollte sich Autor André Minninger, der bei den Drei Fragezeichen meist nur in den Erklärungen bei der Auflösung des Falles in überlange Redeschwalle verfällt, bei der Grusel Serie auch einmal zu Herzen nehmen. Natürlich ist es amüsant, Hattie und Henry bei ihren Ermittlungen im Stil einer Miss Marple mit ihrem Mr. Stringer zu begleiten, aber die Reihe heißt nunmal Grusel Serie und da braucht man kein großes Geheimnis um das Verschwinden des Opfers für den Zuhörer zu machen, da wir ganz sicher wissen, dass hier eine Mörderpflanze im Stil einer Audrey 2 zugeschlagen hat.

Judy Winter

Weitere Mankos sind die recht dünne Effektetonspur, die beim neuen Abenteuer der Drei Fragezeichen deutlich lebhafter wirkte und damit das Gruselfeeling noch ein wenig flacher hält. Zudem nervt der spärliche Einsatz des Erzählers (Michael Prelle), der im Finale schmerzlich vermisst wird. Da fangen nämlich die Protagonisten an Dinge zu schildern, die sie im Kampf gerade sehen (“Jetzt packt es ihre Beine und zieht sie zu Boden.“) was Erinnerungen an die trashige John Sinclair Reihe aus dem Tonstudio Braun erweckt, die allerdings mit weit mehr Grusel punkten konnte.

Dass diese Folge trotzdem hörenswert wurde, liegt an den grandiosen Sprechern, allen voran natürlich Elga Schütz und der mittlerweile 94 jährige Eckard Dux als schrulliges Ehepaar. Aber auch Judy Winter, die einst auf der Insel der Zombies verweilte und der kurze, tatsächlich atmosphärische Gastauftritt von Wolfgang Pampel, allseits bekannt als Stimme von Harrison Ford, reißen das Ruder rum und machen die Nummer zu einem doch noch kurzweiligen Vergnügen.

Wolfgang Pampel

Mondära – Im Todesgriff der Würgepflanze ist, schon wegen seines toll designten Covers von Wolfram Damerius, ein Fall fürs Sammlerregal. Auch ist die Folge wieder eine Besserung gegenüber der Vorgängerfolge, der große Wurf bleibt allerdings immer noch aus. Ein wenig mehr Mut zum Grusel wäre hier wirklich wünschenswert, auch wenn dies nach sieben Folgen wohl ein frommer Wunsch bleiben wird.

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