Bruce Willis macht erneut die Grabbeltische unsicher. Dieses Mal verschlägt es den einstigen Kinostar wieder in die unendlichen Weiten des Weltalls, wo er es mit einem außerirdischen Parasiten zu tun bekommt. Das klingt doch genau nach dem Stoff, aus dem unterhaltsame B-Film-Träume gemacht werden, wer jedoch das unrühmliche Alterswerk der glatzköpfigen Schweinebacke kennt, sollte immer mit dem Schlimmsten rechnen. Ob ANTI-LIFE – TÖDLICHE BEDROHUNG (2020), der über Koch Films im Heimkino erscheint, einen (mal wieder) neuen Tiefpunkt in Willis’ Vita markiert oder am Ende doch noch unterhaltsam geraten ist, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Breach

Drehbuch: Edward Drake, Corey Large

Regie: John Suits

Darsteller: Cody Kearsley, Bruce Willis, Rachel Nichols, Kassandra Clementi, Johnny Messner, Corey Large, Thomas Jane, Ralf Möller…

Artikel von Christopher Feldmann

DIE HARD. Das ist nicht nur der Titel eines der besten Actionfilme aller Zeiten, sondern bezeichnet auch ganz adäquat den Zustand der Karriere von Hauptdarsteller Bruce Willis. Der ehemalige Kassenmagnet, der sich mit verschmitztem Charme in die Herzen eines jeden Actionfans schoss und auch außerhalb des Genres viele Erfolge verbuchen konnte, hat irgendwann mit Beginn der 2010er Jahre einfach aufgehört zu schauspielern oder sich gar um gute Rollen zu bemühen. Stattdessen zählt für Willis nur noch die Höhe der Summe, die auf seinem Paycheck steht, ganz egal, um welche Produktion es sich handelt. Solange die Kohle stimmt, lässt sich der Hollywood-Star ans Set kutschieren, um sich dann ein bis zwei Drehtage filmen zu lassen, während er irgendwelche Sätze aufsagt, die ihm vermutlich irgendjemand auf Pappschildern ins Sichtfeld hält. Und weil Bruce bekanntermaßen ein ziemliches Arschloch ist, will auch kein großes Studio mehr mit ihm arbeiten, weswegen sich seine lustlosen Auftritte in den letzten Jahren fast ausschließlich auf kostengünstig runtergekurbelte Direct-to-Video-Heuler beschränken, bei denen ein Großteil des Budgets dafür draufgeht, dass er sich überhaupt erbarmt, zwei Tage seiner kostbaren Zeit zu entbehren. Selbst Sylvester Stallone bezeichnete seinen ehemaligen Buddy als “gierig und faul”, weil er für seine auf drei Drehtage bemessene Mitwirkung am All-Star-Actioner THE EXPENDABLES 3 (2014) horrende Summen forderte. Das ist natürlich nicht die feine englische Art aber sind wir mal ehrlich, für viele Ottonormalverbraucher ist der markante Konterfei des Glatzenträgers immer noch Grund genug, ein paar Kröten für die DVD/Blu-ray oder On-Demand-Variante springen zu lassen. Das wissen vor allem umtriebige Produzenten von DTV-Streifen, die Willis gleich für ganze Filmpakete einkaufen. Das bedeutet nicht nur Gewinn für die Macher, sondern vor allem volle Taschen und wenig Arbeitsleistung für ihr Zugpferd. Aus dem einstigen Publikumsliebling ist lediglich ein Schatten seiner selbst geworden, denn heute steht der Name Bruce Willis nur noch für billigen Ramsch. Auch der Science-Fiction-Action-Horror-Murks ANTI-LIFE – TÖDLICHE BEDROHUNG (2020) bringt nicht die Kehrtwende, sondern ist ein weiterer Low-Budget-Heuler, der auf den Grabbeltischen großer Kaufhäuser sein Zuhause finden wird.

Handlung:

Im Jahr 2242 verlässt das Raumschiff Herkules mit einigen tausenden Überlebenden an Bord die Erde, um vor einer verheerenden Seuche zu entkommen und auf einem fremden Planeten den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Doch das Schiff hat einen blinden Passagier: Ein fremdartiger Organismus, der nach und nach von immer mehr Crew-Mitgliedern Besitz ergreift. Doch dem tödlichen Wesen stellt sich der hartgesottene Clay Young (Bruce Willis) und seine Crew entgegen, um die interstellare Arche zu retten und die Menschheit vor der Auslöschung zu bewahren.

Redet man über Science-Fiction-Horror, dann kommt man nicht um zwei absolute Genre-Klassiker herum, die das Genre nachhaltig geprägt haben. Ridley Scotts Meilenstein ALIEN (1979) und John Carpenters klaustrophobischer Body-Horror-Schocker THE THING (1982) etablierten zahlreiche Motive, die seitdem immer wieder aufgegriffen werden. Auch ANTI-LIFE bedient sich relativ ungeniert bei den dramaturgischen Kniffen, sei es die, durch ein außerirdisches Wesen, dezimierte Besatzung, ein beengtes Setting und möglichst toughe Hauptfiguren. Natürlich ist das neueste Willis-Vehikel von der Klasse der eben erwähnten Filme ganze Galaxien entfernt, denn schon beim Drehbuch hapert es ganz schön.

Man merkt zwar deutlich, dass die Autoren Edward Drake und Corey Large schon den ein oder anderen Film gesehen haben und auch wissen, welche Elemente sie in ihre Geschichte einbauen müssen, wie man so etwas allerdings spannend und dramaturgisch interessant gestaltet, scheint den beiden niemand gesagt zu haben. Wenn man bedenkt, dass die Beiden schon hinter der Vollkatastrophe COSMIC SIN (2021) steckten, die so ziemlich das beschissenste war, was ich in diesem Jahr gesehen habe, und das mit Abstand, dann wundert mich das zerfahrene, ständig repetitive Geplänkel in diesem Machwerk in keinster Weise. Der Plot ist zwar denkbar simpel aber derartig langwierig konstruiert, dass es dem Zuschauer schwerfällt, nicht ständig auf die Uhr zu schauen. Lange Zeit passiert so gut wie gar nichts, stattdessen schauen wir Hauptfigur Noah dabei zu, wie er die Toiletten schrubbt, die, sich im Kälteschlaf befindende, von ihm schwangere, Admiralstochter begafft und wie der Dulli vom Dienst durch die endlosen Raumschiffgänge schlurft. Das ist schon ziemlich öde und es dauert ungefähr die Hälfte der Spielzeit, bis endlich mal etwas von Bedeutung passiert und ein Parasiten-Alien die Besatzung nach und nach in Space-Zombies verwandelt, die dann für ordentlich Rabatz sorgen. Allerdings war der Einfallsreichtum der Autoren dann auch erschöpft, denn was folgt, ist lediglich ein bisschen Geballer, bevor die nächste Angriffswelle über die Überlebenden hereinbricht, was wieder mit, nun ja, Geballer aufgelöst wird. Spannend wird das Gezeigte nie und auch die Figuren sind derart vom Reißbrett gezeichnet, dass man sich nach fünf Minuten schon gar nicht mehr an das Gesicht erinnert. Immerhin, so fair muss man sein, ist das Ganze leicht konsumierbar, sowie straight erzählt und nicht so ein wirres Durcheinander wie im artverwandten COSMIC SIN. Wenigstens in dieser Hinsicht ist ANTI-LIFE ein wenig besser.

Aber wir wollen den Tag ja nicht vor dem Abend loben, denn mit einem guten Film haben wir es hier beim besten Willen nicht zu tun. Dafür sorgen unter anderem einige Plotholes und wenig Sinn ergebende Momente. Mich würde wirklich stark interessieren, wie man auf einem Raumschiff aus sichtbar heftigem Reinigungsmittel und Kerosin Schnaps brennt, warum eine einfache Reinigungskraft in wichtige Entscheidungen einbezogen wird und wo dieses parasitäre Alien überhaupt herkommt. Zwar wird erzählt, dass es jemand an Bord gebracht hat aber wo hat derjenige es her? Hat er es gezüchtet oder vielleicht sogar in der Tierhandlung gekauft? Who knows!

Natürlich wollen wir bei einer derartigen Sorte Film jetzt nicht die Rosinen picken und gemessen am Ausgangsmaterial steckt in ANTI-LIFE eigentlich ein solides B-Movie für zwischendurch, wenn Alles nicht so unfassbar billig aussehen würde. Die Sets strahlen einen deutlichen Do-It-Yourself-Charakter aus und wirken stellenweise, als hätte sie der Regisseur eigenhändig zusammengeklöppelt. Und weil das Budget sehr bemessen war, wurde der eine Gang augenscheinlich immer wieder verwendet, nur eben immer anders beleuchtet. Man hat gefühlt immer die selben Ecken vor sich, was die Kulissen auch wenig spannend anzusehen macht. Auch die Effekte sind auf diesem Niveau angesiedelt. Zwar ist das Make-Up durchaus gelungen und die finale Kreatur kann man so stehen lassen, die digitalen Inserts sind allerdings unter aller Kanone. Die Außenansicht des Raumschiffs, die übrigens stehts zusammenhanglos in den Film geschnitten wird, sieht sehr lächerlich aus, es hätte nur noch der sichtbare Faden gefehlt, der das Teil vor schwarzem Hintergrund schweben lässt. Auch das Mündungsfeuer der eingesetzten Waffen sieht aus wie aus alten Playstation2-Tagen. ANTI-LIFE strahlt fast zu jeder Zeit puren Ramsch aus, den auch die eingesetzten Darsteller nicht wett machen können.

Die eigentliche Hauptrolle spielt Cody Kearsley, der von der Putze zum Held avanciert, dabei aber so frei von Charisma oder schauspielerischen Ambitionen ist, dass ich seine Existenz vergessen würde, wenn er nicht ständig im Bild wäre. Ansonsten bevölkern die üblichen B-Nasen wie Rachel Nichols, Corey Large, Timothy V. Murphy und natürlich Johnny Messner (der in jedem DTV-Schrott am Start ist) die Szenerie. Gefreut hatte ich mich irgendwie auf THE PUNISHER Thomas Jane, der aber nur fünf Minuten Screentime auf der Uhr hat, bevor er aus dem Film verschwindet. Deutschland-Export Ralf Möller, der sich nach zwanzig Jahren immer noch als DER “Gladiator” bezeichnet, obwohl er in dem gleichnamigen Film von Ridley Scott nur eine Nebenrolle spielen durfte, sucht man hingegen vergebens. Obwohl er einen Credit als “Vyrl” hat, ist das sonnengegerbte Gesicht des Bodybuilders und Busenfreundes von Arnold Schwarzenegger nirgendwo zu sehen, vielleicht fiel es auch der Schere zum Opfer. Kommen wir nun zur Lichtgestalt des Films, Bruce fucking Willis. Da ansonsten nur für rare Auftritte bekannt, die er gerne im Sitzen absolviert, grenzt es schon fast an ein Wunder, dass der markante Glatzkopf hier viel Screentime hat. Wer allerdings ganz genau hinsieht, wird merken, dass hier mittels Body-Double nachgeholfen wurde. In vielen Szenen, in denen Willis’ Figur von hinten zu sehen ist, sieht der Zuschauer nicht den bekannten Star, sondern ein Look-a-Like, das als Stand-In fungiert. Da Bruce Willis nicht lange am Set war, filmte man mit ihm lediglich die Close-Ups und die Dialoge, stellenweise auch einfache Reaktionen wenn andere Figuren miteinander agieren. Diese Aufnahmen baut man dann einfach so zusammen, dass es am Ende aussieht, als wäre er permanent zu sehen. Alter B-Film-Trick. Immerhin muss man aber zugestehen, dass Willis hier ein wenig mehr Motivation an den Tag legt als im Großteil seiner Streifen aus den letzten Jahren. Mit einigen netten One-Linern darf er hier das machen, was er am besten kann, nämlich den knallharten Badass geben.

Die DVD, die uns Koch Films freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, punktet mit guter Bild- und Tonqualität. In den Extras findet sich leider nur eine Trailershow.

Fazit:

Bruce Willis‘ Karriere stirbt langsam, falls überhaupt noch ein Puls messbar ist. Zwar agiert er in ANTI-LIFE – TÖDLICHE BEDROHUNG (2020) mit deutlich mehr Spielfreude und darf dabei sogar ein paar Sprüche vom Stapel lassen, von einem guten Film ist dieser billige Science-Fiction-Murks allerdings noch Lichtjahre entfernt. Schnell zusammengeräubert bietet der Streifen keine eigenen Ideen und zu viel Leerlauf und hemdsärmelige Action, um wenigstens als spaßiger B-Trash durchzugehen. Da schon vier neue Low-Budget-Gurken mit der DIE-HARD-Ikone in den Startlöchern stehen oder teilweise schon veröffentlich wurden, und sich ganze Elf (!) in Post-Produktion befinden, ist noch alles möglich. Wir geben die Hoffnung nicht auf, Yippie-Ka-Yeah!

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