Wenn ein Supercyborg ein ganzes Krankenhaus in seiner Gewalt hat und mit der Tochter des Präsidenten Lösegeld zu erpressen versucht, dann ist der Kollateralschaden eigentlich schon vorprogrammiert. Eine nette, vielversprechende Prämisse für einen Actionstreifen wie PROJECT: SHADOWCHASER (1992), der sich recht offensichtlich bei bekannten Kino-Hits bedient, um dem filmhungrigen Videothekenkind ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. DigiDreams Studios veröffentlichten die Direct-to-Video-Produktion kürzlich in einer limitierten Mediabook-Edition und auch als Einzel-DVD. Ob der Streifen auch abliefert, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Originaltitel: Shadowchaser

Drehbuch: Stephen Lister

Regie: John Eyres

Darsteller: Martin Kove, Frank Zagarino, Meg Foster, Paul Koslo, Joss Ackland, Ricco Ross…

Artikel von Christopher Feldmann

1988 schuf John McTiernan mit STIRB LANGSAM DEN Actionklassiker schlechthin, ganze vier Jahre nachdem James Cameron mit TERMINATOR (1984) eine prägende Duftmarke im Bereich der Science-Fiction hinterließ. Die Folge beider beliebter Titel waren natürlich zahlreiche Rip-Offs, die die Kernelemente des jeweiligen Vorbilds meist kostengünstig recycelten, um Videothekengängern in der Pre-Internet-Zeit den ein oder anderen Low-Budget-Heuler unterzujubeln. Daraus resultierten natürlich unzählige Trittbrettfahrer, die entweder einen Cyborg präsentierten oder den jeweiligen Held auf begrenztem Arial gegen eine Übermacht antreten ließen. 1992 schmiss B-Filmer John Eyres schließlich beide Kino-Hits in einen Topf und zauberte daraus einen knackigen Actionstreifen, der beide Lager begeistern sollte. Einen gewissen Unterhaltungsfaktor kann man PROJECT: SHADOWCHASER (1992) zwar nicht absprechen, jedoch bleibt die offensichtlich schnell und preiswert zusammengeschusterte Produktion weit hinter ihren Möglichkeiten.

Handlung:

Als Romolus (Frank Zagarino), ein von der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebener, experimenteller Supercyborg, austickt und alle Wissenschaftler des Projekts umbringt, um wenig später, zusammen mit seinen Männern in einem Krankenhaus die Tochter des Präsidenten (Meg Foster) als Geisel zu nehmen und ein hohes Lösegeld zu fordern, versucht man alles daran zu setzen, ihn unschädlich zu machen. Anstatt des Architekten des Gebäudes holt man aber den ehemaligen Footballstar Desilva (Martin Kove) aus dem Kälteschlaf. Schnell ist er in dem Gebäude auf sich allein gestellt..

Betrachtet man die Handlung dieses Films, kommen keine Zweifel auf, dass es sich hier um ein klassisches Cash-In-Produkt handelt, mit dem man die Fans der Eingangs erwähnten Kultfilme abholen wollte. Denn wer sich von TERMINATOR (1984) begeistern ließ, griff in der Regel zu einem auf den ersten Blick artverwandten Streifen im Regal, dasselbe gilt auch für den Weihnachtsklassiker mit “Schweinebacke” Bruce Willis. Dass PROJECT: SHADOWCHASER förmlich nach Resterampe schreit, beweisen die Dreharbeiten, denn die wurden in in den Pinewood Studios durchgeführt, wo man einfach Kulissen aus ALIEN 3 (1992) zweitverwertete. Während das Resultat international in die VHS-Tempel verschachert wurde, war hierzulande sogar ein Kinostart drin, was vielleicht auch der durchaus prominenten Besetzung geschuldet war, die sich hier die Ehre gibt.

Die Hauptrolle des schlagfertigen und Sprüche klopfenden Ex-Footballers Desilva übernahm immerhin Martin Kove, besser bekannt als Sensei John Kreese aus dem 80s-Klassiker KARATE KID (1984), samt Fortsetzungen, sowie diversen Actionfilmen wie RAMBO 2: DER AUFTRAG (1985) und STEELE JUSTICE (1987). Dieser stellt sich auch als größter Pluspunkt des Films heraus, macht der mit obligatorischer Vokuhila-Matte ausgestattete Mime doch eine ziemlich gute Figur als Held wider Willen, auch wenn es sich hierbei um einen ziemlich plumpen John-McClane-Verschnitt handelt, der in einer Szene sogar noch “I’m the wrong guy at the wrong place” sagen darf. Ironie? Vielleicht ein bisschen. Auf der Habenseite lässt sich indes noch Meg Foster verbuchen, die als Präsidententochter gut aufspielt, auch wenn sie sichtlich älter wirkt, als die Rolle eigentlich sein dürfte. Die Dynamik zwischen dem Duo ist wirklich ganz nett anzusehen und tröstet über ein paar Längen hinweg, die sonst schwerer ins Gewicht fallen würden. Zu guter Letzt taucht noch Joss Ackland als Cyborgschöpfer auf, der zuvor bereits als Schurke in LETHAL WEAPON 2 (1989) brillieren durfte, hier aber eher auf Sparflamme kocht. Dass der zwielichtige Tüftler am Ende natürlich sinistere Absichten hegt, dürfte eigentlich niemanden überraschen, weshalb der “Twist” auch sehr erwartbar ist.

Hauptantagonist ist allerdings C-Recke Frank Zagarino, seines Zeichens Fitnesstrainer und Teilzeit-Darsteller in schnell runtergekurbelten Low-Budget-Actionfilmen wie STRIKER (1987), CYBORG COP 3 (1995) und OPERATION DELTA FORCE (1997). Der muskelbepackte und mit blondem Bürstenschnitt verzierte Hüne, quasi eine Mischung aus Dolph Lundgren für Arme und H.P. Baxxter, hat als Cyborg Romulus eine sehr dankbare Rolle, fordert diese doch kaum schauspielerisches Talent. Stoisch und mit der Wumme im Anschlag stapft dieser durch die generische Handlung, die vermutlich auf einem Bierdeckel geschrieben wurde. Man sollte von einem Film wie PROJECT: SHADOWCHASER natürlich keine geistreiche Story oder allzu viele überraschende Momente erwarten, zweckdienlich ist sie allemal und liefert ein solides Set-Up für bleihaltige Kost. Ich habe wahrlich ein Faible für diese Sorte Film, denn auch B-Action kann verdammt unterhaltsam sein, zudem war anno 1992 mit wenig Budget noch viel möglich.

Allerdings beweist Regisseur John Eyres kein so richtig gutes Händchen für entsprechende Szenen, was vor allem am fragwürdigen Schnitt und der unvorteilhaften Kameraführung liegt. Dem Film mangelt es an wirklichen Highlights oder zumindest an der einen geilen Szene, die das Ganze ein wenige aus der Masse ähnlicher Produktionen abhebt. Auch die Effekte sind allerhöchstens mittelprächtig, Schauwerte sucht man vergebens, auch wenn die Blutbeutel amtlich platzen dürfen. Die Shootouts sind dafür einfach zu steif und unspektakulär, die Explosionen, zum Beispiel beim abstürzenden Fahrstuhl zu Beginn, teilweise ziemlich mies getrickst.

DigiDreams Studios haben dem Ganzen eine Veröffentlichung im Mediabook spendiert, die sowohl die Blu-ray, als auch eine DVD-Version enthält. Allzu große Ansprüche sollte man die Bildqualität nicht stellen, wurde schon im Vorfeld kommuniziert, dass es sich hier um einen einfachen Upscale handelt, da schlicht kein geeignetes Material für eine richtige HD-Abtastung vorlag. Trotzdem hat man herausgeholt, was das ranzige VHS-Band hergab und zumindest eine brauchbare Version erstellt, die immerhin noch einen gewissen Videotheken-Charme versprüht. Uns lag zur Sichtung die DVD vor, die ihm Rahmen der Classic Cult Collection auch einzeln veröffentlicht wurde. Diese ist wahrscheinlich vollkommen ausreichend, es muss allerdings jeder selbst wissen, ob er Geld für ein Mediabook ausgeben möchte. Die Disc bietet den Film als 4:3- und auch als 16:9-Version, die Extras umfassen Trailer, Presseheft, Verkaufsflyer, Kinoaushangsatz und einen Comic-Strip.

Der Film war anscheinend ein moderater Erfolg und sorgte dafür, dass mit SHADOWCHASER 2 (1994) und SHADOWCHASER 3 (1995) zwei Sequels folgten, die ebenfalls von John Eyres inszeniert wurden.

Fazit:

PROJECT: SHADOWCHASER (1992) ist wahrscheinlich der richtige Film für das Mitternachtsprogramm. Eine kostengünstige Mixtur aus TERMINATOR (1984) und STIRB LANGSAM (1988), der es zwar an Highlights und inszenatorischem Geschick mangelt, mit Martin Kove und Meg Foster allerdings zwei unterhaltsam agierende Hauptdarsteller zu bieten hat. Mitnichten ein Film, den man unbedingt gesehen haben muss, für solide 90 Minuten reicht es aber allemal.

Christophers Filmtagebuch bei Letterboxd – Your Life in Film

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