Saul Bass war ein echter Künstler. Seine Arbeiten als Grafikdesigner sind legendär. Insbesondere die von ihm gestalteten Filmplakate (z.B. Vertigo) und Filmvorspänne (Psycho / Casino) blieben bis heute im Gedächtnis von Filmkennern und haben Geschichte geschrieben. Neben diversen Kurzfilmen inszenierte Bass im Jahr 1974 seinen einzigen Kinofilm, in dem mörderische Ameisen die Erde übernehmen wollen. CAPELIGHT PICTURES würdigte dieses Werk nun mit einem wunderschönen, prall gefüllten Mediabook inklusive deutscher HD-Premiere.

Regie: Saul Bass

Darsteller: Nigel Davenport, Lynne Frederick, Michael Murphy, Alan Gifford

Artikel von Christian Jürs

Killerameisen begleiteten den Ursprung meiner Leidenschaft für Horror. Im zarten Alter von sechs Jahren erblickte ich beim Wochenendeinkauf mit meinen Eltern eine Kassette, die ich unbedingt haben musste. Dank erfolgreichem Rumgeplärre meinerseits knickten die beiden Alten schließlich ein und kauften mir das neongrüne Gruselstück aus dem Hause Europa. Der Angriff der Horrorameisen ist ein Hörspiel, das ich auch heute noch abgöttisch liebe.

Im Sektor Film konnten mich die kleinen Krabbler hingegen weniger überzeugen. Mit Schrecken denke ich an die mäßig animierten Ameisen aus Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels zurück. Ansonsten fällt mir spontan nur die amüsante Trashgurke In der Gewalt der Riesenameisen ein, die in Kürze sogar SchleFaZ-geadelt wird. Ich kann Euch allerdings nicht erklären, warum ich bis heute den hier vorliegenden Phase IV über Jahrzehnte hinweg links liegen ließ. Nun aber habe ich die Mediabookveröffentlichung seitens Capelight Pictures als Anlass genutzt, auch diese Bildungslücke zu schließen.

Die Handlung ist eigentlich recht simpel: Aufgrund eigenartiger, kosmischer Phänomene beginnen die Ameisenvölker der Wüste Arizonas, ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag zu legen. Anstatt sich die einzelnen Völker der sechsbeinigen Krabbeltiere bekriegen, beginnen die Ameisen zu kommunizieren und ihren Zwist beiseite zu legen, um die eigene Population gewaltig zu vergrößern. Gemeinsam greifen die Sechsbeiner fortan die umliegenden Farmen an, wobei sie zur Gefahr für Mensch und Tier werden. Die Familien, die nicht rechtzeitig genug das Weite suchen, fallen den Ameisen zum Opfer.

Die vor Ort stationierten Forscher Hubbs (Nigel Davenport) und Lesko (Michael Murphy) untersuchen den beunruhigenden Fall im Auftrag der Regierung, benötigen für ihre Arbeit aber mehr Zeit, als ihnen von Politik und Killerameisen eingeräumt wird. Als sie entdecken, dass die Farmerfamilie Eldridge der Ameisenoffensive zum Opfer gefallen ist und lediglich deren Enkelin Kendra (Lynne Frederick) im Schutze des Kellers überleben konnte, nehmen sie die junge Frau in ihre Obhut. Jegliche Bemühungen, mit Gift gegen die Killerbrut vorzugehen, scheitert, da die Tiere sich anpassen und eine Immunität entwickeln. Die erstaunlich intelligenten Tiere gehen stattdessen zum Gegenangriff über und verfügen dabei über taktische Fähigkeiten, die über ihr normales Verhalten weit hinausgehen. Es scheint, als würde eine außerirdische Intelligenz die Tiere steuern, die so einen Krieg gegen die Erdbevölkerung führt. Können die beiden Forscher die Gefahr noch aufhalten, bevor es zu spät ist?

Gleich vorweg: Wer hier einen packenden Horrorthriller erwartet, bei dem man vor lauter Nägelkauen das Popcorn vergisst, der dürfte bitter enttäuscht werden. Ich selbst habe den Fehler gemacht, Phase IV erst, nachdem ich bereits mit meiner Frau einen Serienabend vollzogen habe (endlich haben wir Bosch für uns entdeckt) und sie müde Zubettging, in den Player zu legen. 84 Minuten würde ich schon noch schaffen – falsch gedacht.

Denn temporeich oder gar spannend im herkömmlichen Sinne ist Phase IV beileibe nicht. Muss der Film auch nicht und will er auch gar nicht. Saul Bass wusste sehr genau, was er da dreht – ein echtes Kunstwerk. Ich brauchte zwar tatsächlich drei (nächtliche) Anläufe, um nicht, nach langem Arbeitstag, sanft zu entschlummern, doch letztlich hat es sich gelohnt. Der Film verfügt über eine dichte, dystopische Atmosphäre, die mich, als ich endlich mal wach genug war, in ihren Bann zog. Beinahe jede Einstellung könnte man als Standbild ausdrucken und als schmückendes Gemälde an die Wand nageln – sofern man eine apokalyptische Weltuntergangsstimmung im Eigenheim mag. Es ist schon faszinierend, wie stimmig die günstigen Effekte des Filmes mit schmalem Budget (850.000 Dollar) in ihrer Gesamtheit auch heute noch wirken. Natürlich sind diese alles andere als zeitgemäß, da der Film aber so kunstvoll inszeniert wurde, passt alles wie die Faust auf´s Auge.

Capelight Pictures bewies hier einmal mehr Liebe zum Kultfilm. Die mir vorliegende Mediabookvariante ist außen wie innen wunderschön und verfügt über ein 44-seitiges Booklet mir erstaunlich robustem Papier und vielen Hintergrundinformationen. Die Bildqualität (1,78:1 / 1080p) des Films ist fantastisch – gestochen scharf und trotzdem blieb das Filmkorn erhalten. Auch der Ton (Deutsch & Englisch in Linear 2.0 Mono) klingt glasklar. An Bonusmaterial ließ man sich nicht lumpen und legte gar eine komplette Bonusscheibe bei.

Enthalten sind ein Audiokommentar, der ursprüngliche Filmepilog, ein Fassungsvergleich zweier unterschiedlicher Eingangssequenzen, Trailer, diverse Featurettes und Kurzfilme von Saul Bass. Allein deshalb ist das Mediabook der Einzel-DVD unbedingt vorzuziehen (wobei dort Audiokommentar, Fassungsvergleich, Epilog und Trailer ebenfalls vorhanden sind).

Amazon-Links:

Mediabook

DVD

Prime Video

Zurück zur Startseite