Den Preis für den innovativsten Filmtitel wird diese Mischung aus Familiendrama und Horrorfilm vermutlich nicht gewinnen. Immerhin kann Blood von Regisseur Brad Anderson, der einst Christian Bale für Der Maschinist eine extreme Gewichtsreduktionstortur durchleben ließ, mit der wundervollen Michelle Monaghan aufwarten. Sie spielt eine Mutter im Sorgerechtsstreit, deren Sohn vampirische Züge annimmt. SQUAREONE ENTERTAINMENT hat den Gruselfilm kürzlich bei uns im Heimkino veröffentlicht. Ich verrate Euch, ob er eher in der Gruppe A positiv oder doch nur B negativ einzuordnen ist.

Regie: Brad Anderson

Darsteller: Michelle Monaghan, Skeet Ulrich, Finlay Wojtak-Hissong, Skylar Morgan Jones, June B. Wilde

Artikel von Christian Jürs

Michelle Monaghans Karriere startete im Jahr 2006 so richtig durch, als sie einen größeren Part an der Seite von Tom Cruise im dritten Teil der Mission: Impossible-Reihe landen konnte. In den Folgejahren konnte sie diesen Status mit Filmen wie Eagle Eye: Außer Kontrolle, In 7 Tagen ausgeflittert, Gone Baby Gone, Source Code, Machine Gun Preacher und der ersten Staffel der Hitserie True Detective halten. Danach ging es dann leider ein wenig bergab und so sah man sie in schwachen Werken wie Blumhouse´s Der Hexenclub (nicht zu verwechseln mit dem Originalfilm aus dem Jahr 1996) und dem wenig überzeugenden Biopic Spinning Gold, was jedoch nicht ihrer Schauspielleistung anzulasten ist.

Ein ähnliches Schicksal erlitt Skeet Ulrich, einst ein aufstrebender Stern in Scream: Schrei (und außerdem im Original-Hexenclub-Film mit dabei), konnte er immerhin eine größere Rolle in der Hitserie Riverdale ergattern. Ein Schicksal, dass er quasi mit Regisseur Brad Anderson teilt, dessen Karrierehöhepunkt wohl immer der eingangs erwähnte Der Maschinist bleiben wird und der heute immerhin ein gefragter Serienregisseur ist. Von ihm stammt dieser Horrorfilm, dessen Motive nur allzu bekannt sind.

Die Krankenschwester Jess (Michelle Monaghan) hat nach einem Entzug ihre Drogensucht hinter sich gelassen. Fünfzehn Monate ist sie jetzt bereits clean, doch die Ehe zu ihrem Mann Patrick (Skeet Ulrich) ist dahin. Er bekommt das Haus, sie das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, um welches die beiden Ex-Eheleute vor Gericht noch immer streiten. Aus der Not heraus zieht Jess mit ihrer Teenagertochter Tyler (Skylar Morgan Jones), ihrem etwas jüngeren Sohn Owen (Finlay Wojtak-Hissong) plus dessen Hund Pippen in das seit langer Zeit verlassene und abgelegene Farmhaus ihrer Kindheit. Eine Bruchbude, die es zu renovieren gilt. Eine zusätzliche Belastung, zumal Jess ihrem Fulltime-Job nachgehen muss und außerdem das Vertrauen ihrer Kinder nach jahrelangem Rausch wiederzugewinnen versucht. Immerhin verspricht sie ihren Kindern, dass der nahegelegene See ein perfekter Ort zum Angeln sei. Doch als Owen und Tyler dort aufschlagen, ist der Tümpel vertrocknet und sie finden lediglich einen gruseligen, alten Baum vor, der so auch im Vorgarten der Freelings stehen könnte (Horrorfans wissen, was ich meine).

Dass von diesem angsteinflößenden Stück Holz etwas Böses, ein Unheil, ausgeht, ahnen nicht nur wir, auch Pippet schlägt Alarm. Als der Hund kurz darauf ausbüxt und auch über Nacht fernbleibt, ist Owen am Boden zerstört. Er gibt seiner Mutter die Schuld am Verschwinden des Hundes, den er einst von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Der Groll ist vergessen, als Pippet am nächsten Abend wieder vor der Tür steht. Jess merkt jedoch schnell, dass der Hund nicht mehr derselbe ist und ersucht ihren Sohn, dass er sich dem Tier nicht nähern solle. Ein Holzhammermoment, denn dass einst so liebe Tier steht nun knurrend mit gelben Leuchteaugen vor seinem Herrchen Owen. So, als käme er direkt vom Friedhof der Kuscheltiere.

Jess´ Vorsicht ist natürlich berechtigt, denn schon schnappt Pippet nach seinem Herrchen und versucht, den Jungen zu zerfleischen. Nur mit Gewalt und einem herumliegenden Stein kann Jess dem Schreckensszenario, also dem Hund, ein Ende bereiten. Owen wird daraufhin schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erholt er sich aber blitzschnell wieder, als er die Bluttransfusion aus seinem Arm reißt, um sich das rote Nass oral zuzuführen. Jess wird Zeugin dieses ungewöhnlichen, vampirischen Verhaltens, ist aber zunächst einfach nur glücklich, dass es ihrem Sonnenschein besser geht. Doch der Zustand ist nicht von Dauer, denn Owen benötigt weiteres Blut. Mama wird´s schon richten…

Wie weit würdest Du gehen, um Dein Kind zu retten?“ lautet die Tagline der deutschen Heimkinoveröffentlichung von Blood und damit ist eigentlich alles gesagt. Natürlich kümmert sich Jess aufopferungsvoll um ihren Sohn, den sie während ihrer Suchtphase arg vernachlässigt hat – wenn nötig, auch mit Gewalt. Da trifft es sich natürlich prima, dass wir im Vorfeld die Patientin Helen (June B. Wilde) kennenlernen dürfen, die immer wieder nach Jess fragt und aufgrund ihres schweren Krebsleidens die, bis dahin sehr sympathische, Krankenschwester immer wieder um Sterbehilfe bittet. Was da wohl im weiteren Verlauf geschehen mag?

Hier liegt eines der Probleme, welches Blood mit sich führt: Die Handlung ist arg vorhersehbar. Natürlich liegt das Böse im Baum begraben, natürlich ist Peppin besessen, als er zurückkehrt, natürlich entwickelt sich Owen vom liebevollen Fratz zur blutrünstigen Bestie und natürlich bringt das alles die aufopferungswillige Mami in arge Bedrängnis. Horrorfans haben das alles schon x-mal gesehen, oftmals auch spannender. Damit kommen wir zum nächsten Defizit des Films: Blood ist mit 110 Minuten Laufzeit arg lang geraten; die Geschichte hätte man locker als knackigen 90-Minüter verpacken können. Gruselig wird der Streifen leider auch nie und erst im Finale kommt ein wenig Spannung auf. Doch bis dahin ist der blutgierige Horrorfan, dem das rote Nass im Titel bereits versprochen wurde, längst weggedöst.

Als Familiendrama bringt Blood deutlich mehr Qualitäten mit, was vor allem an der überzeugend agierenden Michelle Monaghan liegt. Auch ihre beiden Filmkinder liefern gute Arbeit ab. Lediglich Skeet Ulrich bekommt zu wenig Gelegenheiten verpasst, um seiner Figur Leben einzuhauchen. Zwar ist seine Handlungsweise komplett nachvollziehbar, dadurch, dass er aber nur selten vorbeischaut und die Geschichte aus der Sicht der Mutter erzählt wird, wirkt er als Vater allerdings trotzdem komplett unsympathisch. Das ist schade, denn so bleibt nicht viel mehr als eine 08/15-Gruselmär, die zwar handwerklich okay daherkommt, insgesamt aber kaum etwas bietet, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.

Bild- und Tonqualität der vorliegenden Blu-ray sind natürlich sehr gut, die Synchronisation ist wertig und ein Wendecover ohne FSK-Logo ist ebenfalls vorhanden.

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