Die Nacht der lebenden Toten ist ein Kultklassiker, der als Geburtsstunde des Zombiefilm-Genres, so wie wir es heute kennen, gilt. Dessen Remake war ein Herzensprojekt von Spezial-Effekt-Legende Tom Savini, der damals am Originalfilm nicht mitarbeiten konnte, da er nach Vietnam eingezogen wurde. Savini steckte viel Herzblut in seine erste Regiearbeit, doch die Produzenten funkten ihm immer wieder dazwischen und dann forderte die US-Zensurbehörde auch noch massive Schnitte an. Bei uns landete der Streifen trotzdem selbstredend auf dem Index und wurde zeitweise sogar beschlagnahmt. Mittlerweile sind die Untoten aber rehabilitiert und dürfen wieder in Freiheit auf Menschenjagd gehen. Zum 35-jährigen Jubiläum erscheint der Film von SONY PICTURES im Vertrieb durch PLAION PICTURES erstmals auch in der blutigeren, unzensierten Version. Was diese taugt, verrate ich Euch in meiner Kritik.

Originaltitel: Night of the living Dead

Regie: Tom Savini

Darsteller: Tony Todd, Patricia Tallman, Tom Towles, McKee Anderson, Bill Moseley, Katie Finneran

Artikel von Christian Jürs

Die Nacht der lebenden Toten hat Filmgeschichte geschrieben. Ohne die Mutter aller Zombiefilme hätte es die legendären Lucio Fulci Splatterwerke und auch The Walking Dead niemals gegeben. Doch auch wenn der Film ein Meilenstein seines Genres ist, mein Herz schlägt deutlich mehr für Tom Savinis modernisierte Variante. Das Original ist natürlich über jeden Zweifel erhaben und George A. Romero war auch nicht zufrieden mit dem Remake, welches sein Schützling ablieferte. Auch Savini selbst war unglücklich, zum einen wegen der massiven Zensur, zum anderen, weil ihm die Produzenten immer wieder in die Arbeit pfuschten und viele seiner angestrebten Visionen unterbanden. Warum Night of the living Dead – Die Rückkehr der Untoten trotzdem bei mir die Nase vorn hat, dazu kommen wir später.

Die Geschwister Barbara (Patricia Tallman) und Johnnie (Bill Moseley) fahren weit ins ländliche Pittsburgh hinaus, um das Grab ihrer kürzlich verstorbenen Mutter aufzusuchen. Dort scheint zunächst alles friedlich zu sein, doch plötzlich greifen scheinbar geistig verwirrte Männer das Geschwisterpaar an, die sich bei genauerem Hinsehen als auf Erden wandelnde Tote entpuppen. Johnnie kommt dabei ums Leben, während Barbara, die auf der Flucht den Mercedes ihres Bruders gegen einen Baum setzt, in einem Farmhaus Unterschlupf findet.

Doch sie ist nicht allein. Neben ein paar Untoten, die dort umherschlurfen, trifft der ebenfalls um sein Leben kämpfende Ben (Tony Todd) im Farmhaus ein. Der weiß sich seiner Haut zu wehren und eliminiert die Zombies so, wie wir es kennen: durch Schädigung ihres Gehirns. Kurz darauf treten fünf weitere Personen aus dem Keller des Hauses, in dem sie sich verbarrikadiert haben. Die Menschen, die einander fremd sind, haben keine Wahl und müssen sich gemeinsam gegen die Bedrohung von außen wehren. Doch während die eine Fraktion damit beschäftigt ist, Türen und Fenster zu vernageln, besteht der jähzornige Familienvater Harry Cooper (Tom Towles) darauf, sich im Keller zu verschanzen, wo seine kranke Tochter liegt. Die wurde auf der Flucht von einem der Untoten gebissen und leidet nun unter hohem Fieber…

Während die Originalfilme Romeros noch als Rassismus- und Konsumkritik punkten konnten, schuf Tom Savini in seinem Remake einen waschechten Horror- und Survival-Thriller, in dem der Terror an oberster Stelle steht. Dabei nahm er ein paar wenige, aber signifikante Änderungen gegenüber dem Original vor. So ist die Barbara im Original-Film noch eine passive, unter Schock stehende Frau. Patricia Tallman hingegen, die neben der Schauspielerei zusätzlich noch als Stuntfrau arbeitete, wechselt mit ihrer Barbara in den aktiven Kampf-Modus und erinnert dabei an eine Mischung aus Sigourney Weavers Ripley und Jamie Lee Curtis Darstellung der Laurie Strode in Halloween H20. Dies führt zu einem gänzlich anderen Film-Ende mit Knalleffekt, bei dem ich damals wie heute ins Jubeln gerate. Ansonsten geht die Neuauflage einen weitestgehend identischen Weg zum Originalfilm. George A. Romero war aber nicht zufrieden und zog sich aus dem Marketing zurück. Erstaunlich, waren die Filme, die er in den kommenden Jahren inszenierte, doch allesamt belangloser oder gar schwächer (inklusive seiner zweiten Zombie-Trilogie rund um Land of the Dead und Co.) als Night of the living Dead – Die Rückkehr der Untoten.

Mir lag zur Rezension der Blu-ray-Rohling vor. Kurz nach dem Start hat man die Wahl zwischen der Kino- und der Unrated Fassung. Letztere liegt leider nur im englischen Original (Dolby Atmos) vor. Schade eigentlich, denn die deutsche Tonspur hätte problemlos auf die längere Version gespielt werden können, dann halt mit kurzen englischen Momenten. Macht aber nix, denn die englische Sprachfassung ist leicht verständlich und notfalls gibt´s ja auch noch Untertitel. Die neue Version startet dann auch so, wie Tom Savini es ursprünglich geplant hatte, nämlich wie der Originalfilm in schwarz/weiß. Erst beim Angriff der Friedhofs-Zombies knallt plötzlich die Farbe rein und offenbart die perfekten Make Up-Effekte. Die Erweiterungen der Unrated-Fassung beschränken sich weitestgehend auf die ersten Konfrontationen mit den Zombies und die letzte halbe Stunde, in der es ein paar saftige Kopfschüsse zu sehen gibt. Quasi das Workprint-Material, welches man auch auf YouTube sichten kann, nur halt in richtig guter Qualität und endlich in den Film integriert. Dadurch entstand aber kein deutlich anderer oder gar besserer Film, lediglich ein paar mehr Blutmomente für die Horror-Geeks wurden wieder eingefügt. Beide Fassungen funktionieren meiner Meinung nach richtig gut.

Qualitativ macht das neue 4K-Master, auch in der Blu-ray-Variante, einiges her. Besonders die Farben in den Anfangs-Szenen leuchten dem Zuschauer ordentlich entgegen. Im Bonusbereich gibt es zudem einen ganzen Batzen an Featurettes, sowie diverse, brandneue Interviews mit Cast und Crew, einen neuen Audiokommentar von Tom Savini, einen weiteren aus dem Archiv und den Kinotrailer. Fans werden also vollkommen zufrieden gestellt und können bedenkenlos zugreifen.

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