Bloody Pom Poms (1988) – Ab sofort in der CMV Trash Collection (Nr. 141) auf DVD erhältlich

Ein Loch ist dazu da, um zu stopfen. Und genau so ein Loch, welches seit Jahren in den Veröffentlichungen des Teenager-Camp-Slasher-Genres hierzulande klaffte, wurde endlich geschlossen. CMV hat sich erbarmt, und dieses kleine, unbekannte Juwel endlich ungekürzt auf Silberling veröffentlicht.

Originaltitel: Cheerleader Camp

Regie: John Quinn

Darsteller: Betsy Russell, Leif Garrett, Lucinda Dickey, Lorie Griffin, George “Buck” Flower

Artikel von Christian Jürs

Das Lindo Valleys Cheerleader-Team macht sich im Sommer ´88 auf zum Vorentscheid der Landesmeisterschaft im abgelegenen Camp Hurrah. Star des Teams ist die von Depressionen und Albträumen geplagte Alison (Betsy Russell), die gerne einmal Beruhigungspillen einwirft und von ihrem Freund Brent (Leif Garrett) keine Unterstützung erwarten kann. Dieser ist als Mannschaftskapitän mehr daran interessiert, die Damen des Wettbewerbes zu bezirzen und reagiert auf die Hilferufe der labilen Alison mit Unverständnis.

Dafür hat er ein offenes Ohr für Teamkollegin Pamela (Teri Weigel) und sie eine offene Bluse für ihn. Einzig das Maskottchen Cory (Lucinda Dickey), die zusammen mit Alison eine Hütte bewohnt, zeigt Verständnis und versucht Trost zu spenden. Dann währen da noch die bezaubernde Bonnie (Lorie Griffin) und Theresa (Rebecca Ferratti). Abgerundet (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das Team durch Timmy (Travis McKenna), dem dicklichen, besten Kumpel von Brent. Seine Figur ist so etwas wie der Zachi Noy des Feriencampslashers.

Doch auch der Rest des Casts steht weit oben auf der Liste der Tatverdächtigen. So verhalten sich die Angestellten des Feriencamps nach dem vermeintlichen Selbstmord einer Cheerleaderin höchst merkwürdig. Insbesondere die Leiterin Mrs Tipton (Vickie Benson), die die Leiche zunächst in der Kühlkammer verschwinden lässt um das Camp nicht zu schließen, macht sich verdächtig. Aber auch ein Koch und der Hausmeister, den der großartige George “Buck” Flower verkörpert, darf man getrost auf die Verdächtigenliste setzen.

So plätschert der Film die erste halbe Stunde vor sich hin, bietet einen unerträglich doofen Auftritt des ansonsten sympathischen Timmy in Frauenkleidern, der nur noch getoppt wird von einer Football-Rollenspiel Sexeinlage zwischen Miss Tipton und dem notgeilen, in die Jahre gekommenen Sheriff Poucher, gespielt von Produzent Jeff Prettyman. Der ist zwar gar nicht mal so pretty, hat sich aber durch die investierte Kohle diesen Auftritt redlich verdient. Die Szene bildet übrigens den Bodensatz von “Bloody Pom Poms”, der ansonsten erstaunlich viele Qualitäten birgt.

Da wären die Darsteller, die bis auf die genannten Ausrutscher eine durchaus solide Leistung bringen. Insbesondere Betsy Russell, die man heute noch als Frau von Jigsaw kennt, spielt die Rolle der depressiven und verängstigten Alison wirklich überzeugend. Auch Ex-Teenie-Idol Leif Garrett (war unter anderem bei “The Outsiders” dabei), der dank seiner Geheimratsecken deutlich das Teenageralter hinter sich gelassen hat, brachte Spielfreude mit ans Set.

Für die nötige nackte Haut sorgen Frau Weigel in der Bildmitte, die Ihr etwas weiter oben schon bewundern durftet und Penthouse Model Krista Pflanzer. Weigel wechselte 1991 ins Pornobusiness, wo sie bis 2017 noch lustig operiert ihrem “Handwerk” nachging.

Für alle Neugierigen, hier ein aktuelleres Bild:

Lorie Griffin, die man als Bitch aus “Teen Wolf” (nicht die Serie, sondern der Film mit Michael J. Fox) kennen kann, spielt bezaubernd, bekommt jedoch nicht viel Raum zur Entfaltung ihrer Rolle. Ganz im Gegensatz zu Lucinda Dickey, die im erfolgreichsten Cannon Film “Breakin´” die Hauptrolle hatte und zeigen konnte, welch begnadete Tänzerin in ihr steckt. Sie ist für mich die stärkste Darstellerin im Cast. Leider beendete sie ihre Schauspielkarriere nach diesem Film. Immerhin bleibt uns noch ihr grandioser Auftritt als von einem Ninja-Dämon besessene Kämpferin in “Herrschaft der Ninja”, in dem auch Shô Kosugi sich die Ehre gab.

Doch nicht nur auf Darstellerseite gibt es positives zu vermelden. Denn nach einem eher schwachen Start nimmt der Film an Tempo und Atmosphäre schnell zu. Die Morde sind zudem gut getrickst und erstaunlich graphisch. So gibt es neben der Heckenschere durch die Rübe auch noch den Bauch aufgeschlitzt samt herauspurzelnder Gedärme. Etwa zeitgleich durfte Jason im siebten Teil der Kultreihe “Freitag der 13.” nur mit schwer angezogener Handbremse morden.

Die Auflösung der Geschichte und damit die Enttarnung des Killers ist zwar für Genrekenner vorhersehbar, kommt aber so raffiniert daher, dass der Film hierfür alleine im Gedächtnis haften bleibt.

Auf der Zielgeraden der Produktion ging den Geldgebern übrigens selbiges aus, was zur Folge hatte, dass der Film keine Lichtspielhäuser von innen erstrahlen durfte. Stattdessen wurde er in den USA in “Cheerleader Camp” umgetauft (was Regisseur John Quinn übrigens gar nicht toll fand) und in den heimischen Videoregalen verramscht. Bei uns erschien der Film unter seinem Originaltitel bei New Vision. Die hatten bei der FSK wie so oft kein Glück und so blieben den deutschen Zuschauern Heckenschere und Gedärmeplumpsen erspart. Zumindest bis 1991, als der damals noch kleine Sender RTL Plus den bereits indizierten Film in seiner ungekürzten Form nachts versendete.

Ein echtes Schmankerl erwartet übrigens Hörspielfreunde wenn sie die deutsche Synchronfassung hören. So konnte die süße Bonnie nicht treffender als von Reinhilt Schneider (H.G. Francis Fans kennen sie als Ulla in “Das Schloß des Grauens” oder als nicht abergläubige Mina aus “Dracula – König der Vampire”). Auch Leif Garretts Sprecher Michael Harck war oft im Hause Europa zu Gast (er war Karl Meisinger in “Das Weltraum-Monster”). Ebenso wie Douglas Welbat, den man mehrfach bei den “Drei Fragezeichen” oder auch aktuell bei “Dreamland Grusel” hören kann, wurde besetzt. Ach, und wenn mich meine alten Ohren nicht täuschen, dann sprach Pia Werfel für Betsy Russell. Besser geht’s nicht.

Qualitativ gibt’s an der CMV Scheibe nichts zu meckern. Bild und Ton kommen, dem Alter entsprechend, sauber daher. Im Bonusbereich gibt es auch so einiges zu entdecken. Neben dem alternativen Titelvorspann (hier steht dann “Bloody PomPoms” anstelle von “Cheerleader Camp”) gibt es Trailer, einen tollen Audiokommentar von Christoph N.Kellerbach, Florian Wurfbaum und Kevin Zindler und eine Bildergalerie.

Fazit:

Wer “Freitag der 13.” mag oder gar liebt, wird mit “Bloody Pom Poms” so falsch nicht liegen. Blut, Titten und Feriencamp-Atmosphäre. Slasher-Herz, was willst Du mehr? Ich kann den Film immer wieder schauen. Und wenn Alison ihren untreuen Freund im Traum erwischt, dann rufen wir ab jetzt alle: “Tu es doch. Tu es doch. Doller! Doller!”

Trailer:

PS: Alternativ auch mit dem alten New Vision Covermotiv erhältlich:

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