Jetzt gibt´s mächtig auf die Zwölf. Denn CAPELIGHT PICTURES veröffentlicht den Nachfolge-Film der Produzenten von The Last Kumite dieser Tage für das Kino daheim. Retro-Fans, die damals die Videotheken aufsuchten, um die neuesten Martial Arts-Klopper-Videos aus der hintersten Ecke mitzunehmen, werden ihre wahre Freude an diesem Fanprojekt haben. Mit wenig Budget, dafür umso mehr Herzblut, beweist diese deutsche Co-Produktion, dass es, außerhalb der Filmförder-Hölle, Talent und Bedarf an Genre-Ware gibt. Wer hätte das gedacht?

Originaltitel: Lion Fist

Regie: Taim M. Adams

Darsteller: Mathis Landwehr, Yanlong Li, Brice Akuesson, Julin Täubner, Gary Daniels, Kurt McKinney, Keith Cooke

Artikel von Christian Jürs

Bevor ich mich Lion Fist – Kampf der Champions ausgiebig widme, möchte ich euch darauf hinweisen, dass ich den Vorgängerfilm The Last Kumite bislang nicht gesehen habe. Das ist aber auch nicht notwendig, handelt es sich doch um zwei eigenständige Produktionen. Filme, die allerdings gemeinsam haben, dass beide mit Schauspieler und Kampfsportler Mathis Landwehr in der Hauptrolle besetzt und von Retro-Filmfan Sean David Lowe produziert wurden. Auf Herrn Landwehr wurde ich bereits aufmerksam durch sein Schauspiel-Debüt in den Kurzfilmen Kampfansage und Kampfansage 2, denen später der Kinofilm Kampfansage – Der letzte Schüler folgte. Insbesondere die beiden Kurzfilme waren richtig feine Hau-Drauf-Klopper mit guten Choreografien.

Auf Sean David Lowe bin ich erst vor ein paar Monaten aufmerksam geworden, als ich auf YouTube seinen wirklich sehenswerten Filmkanal Sean David TV entdeckte. Dort rezensierte er, gemeinsam mit anderen bekannten Gesichtern wie Thilo Gosejohann und David Hain, eben diese Retro-Actionfilme, die in Lion Fist – Kampf der Champions ausufernd zitiert werden. Leider schloss der Kanal seine Pforten vor einigen Wochen, die Videos sind aber immer noch online. Ich kann euch den Kanal daher wärmstens ans Herz legen, zumindest, wenn Ihr ebenfalls wie Sean David Lowe auf Klopper der Marke Karate Tiger und Co. abfahrt.

In Lion Fist geht es um den Kampfsportler Joe (Mathis Landwehr), der gerade unschuldig eine vierjährige Haftstrafe verbüßt hat. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, erfährt er, dass sein kleiner Sohn eine lebensnotwendige Operation benötigt, die seine finanziellen Mittel allerdings übersteigen. Da kommt die Nachricht über ein in Kürze stattfindendes, brutales All-Styles-Kampfturnier gerade recht, denn dem Sieger winkt ein Preisgeld von 100.000$, womit sein Sohn aus dem Schneider wäre. Um hier bestehen zu können, wendet er sich an den Großmeister Wu (Yanlong Li), der ihm seine geheimen Kampfkünste lehren soll, damit Joe, und damit auch sein Sohn, eine Überlebens-Chance hat. Der weigert sich zunächst, doch seine liebreizende Tochter Mei (Julin Täubner), die eine romantische Beziehung mit Joe eingeht, redet ihrem Vater gut zu. Der lässt sich zwar überreden, doch die Gewinnchancen stehen trotzdem schlecht, da Kampfmaschine Butch (Brice Akuesson) noch ein Hühnchen mit Joe zu rupfen hat. Und Butch scheint absolut unbesiegbar zu sein. Joe muss sein inneres Herz des Löwen finden, um siegreich aus der Nummer herauszukommen.

Apropos Herz des Löwen, natürlich gibt es vor dem Finalkampf die obligatorische Trainings-Montage, die in keinem Kampfsportfilm fehlen darf, das wissen wir spätestens seit Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts. Hier wurde Stan Bush für den Titelsong Heart of a Lion engagiert. Ihr alle kennt den Mann als Interpreten von Fight to Survive, dem Kult-Song aus Bloodsport. Neben ihm wurde außerdem Paul Hertzog für den Score an Bord geholt, der ebenfalls Komponist bei Bloodsport war. Doch damit nicht genug. Unter den Darstellern tummeln sich damalige Action-Veteranen wie Gary Daniels (Final Reprisal), Keith Cooke (Mortal Kombat) und Kurt McKinney (Karate Tiger), die ebenfalls kurz zwischendurch zulangen dürfen. Oldschool natürlich!

In Zeiten, in denen wir Kampfsportfilme wie The Raid oder The Furios serviert bekommen, wirkt Lion Fist wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Doch genau dies ist beabsichtigt, handelt es sich hierbei doch um eine Liebeserklärung an die Videotheken-Klopper der Achtziger und Neunziger. Natürlich war man sich bewusst, dass man, mit einem (laut IMDb geschätzten) Budget von 350.000 Dollar keinen allzu aufwändigen Kampfsportfilm inszenieren kann und versuchte es auch gar nicht erst. Das Drehbuch von Sean David Lowe und Keith W. Strandberg (Karate Tiger) fungiert dabei als Ansammlung aller, wirklich aller Klischees der damaligen Prügelorgien und serviert uns keine lebensnahen Charaktere, sondern Abziehbilder, deren Realitätsnähe irgendwo zwischen Unter Uns und Marienhof liegt. Der Good Guy ist unfehlbar, der Bad Guy durch und durch böse, die Cops legen bei Verhaftungen auch mal die Knarren beiseite, um die Bösewichte zusammenzuschlagen und die beiden weiblichen Charaktere haben die Funktion des lieblichen Love-Interest und der bösartigen Bitch, die aber gegen Ende plötzlich auch ganz handzahm wird. Realismus Marke Jungens-Traum der Videotheken-Ära.

Verklagt mich, aber ich hatte Spaß an der Nummer, was wohl auch daran liegt, dass ich genau zu besagter Videotheken-Generation gehöre und meine Jugend mit Kloppern aus der untersten Ecke des Leih-Regals versüßte. Der Film ist genau das, was er sein will, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die deutsche Synchronfassung wertet den Streifen zudem ordentlich auf, da hier professionelle Sprecher wie Charles Rettinghaus und Peter Flechtner zum Einsatz kamen. Solche Sprecher überspielen die eher schwachen Darstellerleistungen mit Leichtigkeit. Die Kämpfe sehen allesamt gut aus und sind nachvollziehbar gefilmt und geschnitten. Aufgrund des geringen Budgets fallen die Kämpfe allerdings allesamt etwas kurz aus, denn Choreographien kosten Zeit und Geld.

Mir lag zur Rezension das Mediabook aus dem Hause capelight pictures vor. Diesem liegt ein 24-seitiges Booklet bei, inklusive Interviews mit Mathis Landwehr, Keith Cooke und Kurt McKinney. Das restliche Bonusmaterial ist auf DVD und Blu-ray identisch und besteht aus einem Musikvideo (Heaaart of a Liiioooon), einer Behind-the-Action-Featurette, einer Behind-the-Scenes-Featurette, einer Kampfszenen-Vorvisualisierung, sowie entfallene Szenen, Trailer und Teaser. Am geilsten ist aber das Online-Interview mit Kurt McKinney & Keith Cooke, geführt von Sean David Lowe himself, der sich sichtlich freut wie ein kleines Kind an Weihnachten.

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