Die 90er Jahre waren filmisch in meinen Augen ein ganz starkes Jahrzehnt. Zu dieser Zeit entstanden viele heute noch gefeierte, starke Werke, meist gespickt mit spannenden Figuren und ebensolchen Geschichten, aber auch mit oftmals groß produzierter, schlichtweg guter Unterhaltung. Ebenso im Trend war es damals, die Romane des Bestseller-Autors John Grisham zu verfilmen. So auch dieser hier vorliegende, starbesetzte Justizthriller von Regisseur Joel Schumacher, den uns PLAION PICTURES kürzlich im Mediabook neu im Heimkino präsentierte. Ich habe geprüft, ob der Film nach 30 Jahren immer noch so intensiv wirkt wie damals.

Originaltitel: A Time to Kill
Regie: Joel Schumacher
Darsteller: Matthew McConaughey, Sandra Bullock, Samuel L. Jackson, Kiefer Sutherland, Kevin Spacey, Donald Sutherland, Oliver Platt, Charles S. Dutton
Artikel von Felix Falkenberg
Während der Anhörung von zwei weißen Männern, die ein afroamerikanisches Mädchen vergewaltigt haben sollen, stürmt der Vater des Opfers den Gerichtssaal und übt Selbstjustiz an den vermeintlichen Tätern. Die ohnehin schon angespannten Rassenverhältnisse in der Mississippi-Kleinstadt spitzen sich nach diesem Ereignis weiter zu und die Aktivitäten des örtlichen Ku-Klux-Klans nehmen neue Fahrt auf. Ein junger Anwalt wird mit der Verteidigung des Vaters betraut und begibt sich in Lebensgefahr, um seinen Klienten vor der Todesstrafe zu bewahren.

Nachdem sich die erste Romanverfilmung eines John Grisham-Romans mit dem Titel Die Firma unter der Regie von Sydney Pollack mit Tom Cruise und Gene Hackman in den Hauptrollen zu einem großen Erfolg mauserte, gab es kein Halten mehr und nach und nach wurden die Romane des Autors reihenweise für die Leinwand adaptiert. Joel Schumacher’s Werk Die Jury erregte damals großes Aufsehen aufgrund seiner Thematik. Ich habe den Film bereits in jüngeren Jahren erstmals gesehen und danach noch ein oder zweimal, bevor ich ihn mir für diese Rezension schließlich nochmal in den Player legte.
Die Jury lebt das Gefühl von Filmen der 90er, wie eingangs erwähnt. Trotz seiner Laufzeit von immerhin zweieinhalb Stunden ist er auch heute noch kein bisschen langweilig. Halt ein extrem spannend erzählter Gerichts-Thriller. Die Grundprämisse ist aber auch etwas, was mich als Zuschauer immer wieder catcht. Das Thema Rassismus in den Südstaaten fand immer wieder in Filmen davor und danach statt und wird wohl leider für immer seine Aktualität behalten. Es hat sich nicht allzuviel getan seit Mississippi Burning.

Die Besetzung liest sich wie ein Gaumenschmaus: Die damals aufstrebenden Stars Matthew McConaughey und Sandra Bullock geben als Hauptdarsteller, die den Fall vor Gericht untersuchen, eine perfekte Kombination mit super Chemie ab. Für McConaughey war es der große Durchbruch, Bullock startete kurz zuvor mit Speed und Während Du schliefst voll durch. Auch Samuel L. Jackson ist toll als Vater der Opfer, mit dem man durchaus mitleidet. Ja… was soll man zur restlichen Besetzung noch groß sagen: Kevin Spacey, Ashley Judd, Chris Cooper, Donald UND auch Sohnemann Kiefer Sutherland (die Beiden haben allerdings keine gemeinsame Szene). Letzterer als fieses Rassisten-Schwein, spielt wirklich zum Verachten gut. Erschreckend, wie glaubwürdig er die Rolle verkörperte.
Die Kamera von Peter Menzies Jr. (Stirb langsam: Jetzt erst Recht) ist ganz auf Drama getrimmt mit vielen Nahaufnahmen in den Dialogen. Das Flair der Südstaaten wurde sehr stimmig eingefangen, die Musik von Elliot Goldenthal unterstreicht dies und tut ihr Übriges.

Eigentlich ist das alles super gemacht…. eigentlich… Denn ich komme um einen äußerst fragwürdigen Punkt nicht drum herum: Die Aussage des Films.
Ich kann das Ende nicht spoilern (eventuell erahnten es aber und wer den Film kennt weiß sowieso, wovon ich schreibe), aber das hat einen etwas zweischneidigen Beigeschmack. Es ist zwar typisch Hollywood, aber wie hier ein de facto vorsätzlicher Mord verharmlost wird, das ist schon bemerkenswert. Man kann sagen, der Film ist ein Plädoyer für Selbstjustiz. Natürlich bei allem Verständnis und Mitgefühl: Natürlich sind gewisse Reaktionen nachvollziehbar, aber diese rechtfertigen in meinen Augen trotzdem nicht die im Zentrum der Handlung stehende Bluttat. Ich kann absolut verstehen, wenn Leute deswegen keine Fans von Die Jury sind. Es ist Frage der Objektivität und wie und ob man darüber hinwegsehen kann. Ich für meinen Teil kann das (wenn auch mit mehr als einem Auge zudrücken). Es gibt halt Filme, da ist mir das egal, weil sie bewusst reines Entertainment sein wollen. Wenn bei 96 Hours, The Equalizer, Dirty Harry oder gefühlt jedem zweiten Film mit Charles Bronson das Recht in die eigene Hand genommen wird, bin ich damit fein. Aber bei einem Drama, welches ernst genommen werden möchte… Na ja,… Trotzdem alles in allem ist Die Jury ein richtig starker Film, halt eben mit einem gewissen Schönheitsfehler.
Mir lag zur Sichtung die Blu-ray in Rohling-Form vor. Bild und Ton sind entsprechend sehr gut. Als Extras gibt es Interviews, Trailer und eine Bildergalerie. Ein Booklet ist im Mediabook natürlich ebenfalls vorhanden.
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